Giengen Kleinere Fahrzeuge für die Rollstuhlfahrer der Lebenshilfe

Das neue Fahrzeug liefert einen Beitrag für mehr Mobilität unter den Bewohnern der Lebenshilfe-Wohnheime, mit (von links) Johannes Räpple, zuständig für den Bereich Wohnen, Bewohnerin Gabi Portofee und dem Vorsitzenden der Lebenshilfe, Peter Welsch.
Das neue Fahrzeug liefert einen Beitrag für mehr Mobilität unter den Bewohnern der Lebenshilfe-Wohnheime, mit (von links) Johannes Räpple, zuständig für den Bereich Wohnen, Bewohnerin Gabi Portofee und dem Vorsitzenden der Lebenshilfe, Peter Welsch. © Foto: Dieter Reichl
Giengen / Dieter Reichl 13.03.2018
Um die behinderten Bewohner der Wohnheime auch ohne große Busse und umständliche Transporte zu ihren Zielen zu bringen, werden zunehmend kleinere Fahrzeuge eingesetzt.

Welch große Rolle die Mobilität im Leben spielt, stellt ein jeder fest, der sich aus welchen Gründen auch immer mal nicht so frei bewegen kann wie er es eigentlich gewohnt ist.

Im Zusammenhang mit behinderten Menschen gilt dies natürlich genauso. Die Bundesregierung setzt mit dem Bundesteilhabegesetz die Forderungen der internationalen Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen in nationales Recht um und fördert die Inklusion behinderter Menschen. Das heißt, sie sollen am gesellschaftlichen Alltag teilnehmen können. Die Mobilität bildet für bewegungseingeschränkte Menschen hierbei eine wesentliche Grundlage.

Neues Fahrzeugkonzept

Die Lebenshilfe Heidenheim verändert in diesem Zusammenhang ihre Fahrzeugkonzeption und ersetzt einen Teil ihrer Busse für die Rollstuhlbeförderung durch kleinere, rollstuhlgeeignete Fahrzeuge. Ein neues, speziell für den Rollstuhltransport ausgelegtes Fahrzeug wurde jetzt offiziell in Betrieb genommen. Außer dem Rollstuhl können darin bis zu sechs Personen befördert werden.

Das Fahrzeug ist nicht in erster Linie für das Tagesgeschäft gedacht, sondern soll vielmehr im Freizeitbereich eingesetzt werden, um besagte Teilhabe am öffentlichen Leben zu ermöglichen und damit zur Erhöhung der Lebensqualität beizutragen. Zum Einsatz kommt das Fahrzeug also zum Beispiel, wenn auf den Rollstuhl angewiesene Menschen zum Arzt, ihren Einkauf erledigen oder mal ins Kino wollen.

Geringer Abhängigkeit vom öffentlichen Nahverkehr

Die Abhängigkeit vom öffentlichen Nahverkehr wird verringert. „Wir müssen für derlei Unternehmungen nicht mehr den großen Lebenshilfe-Bus einsetzen, betonte Lebenshilfe-Geschäftsführer Kurt Wörrle. Für die Personen, die sich nicht selbstständig bewegen können, werde eine „niederschwellige Mobilität“ gewährleistet. Durch das neue Fahrzeug stehe diese nun allen drei Lebenshilfe-Wohneinrichtungen zur Verfügung. Und die bisherigen Erfahrungen hätten gezeigt, dass die kompakten Fahrzeuge dann auch täglich genutzt würden. Die größeren Busse würden dennoch benötigt, betonte Wörrle, etwa wenn größere Gruppen ein gemeinsames Ziel hätten.

Das neue, alltagspraktische Fahrzeug der Marke Renault Kangoo mit Rollstuhlumbau musste die Lebenshilfe nicht selbst finanzieren. Für die finanzielle Grundlage in Höhe von 15 000 Euro sorgte der Rotary-Club Aalen-Heidenheim mit seiner vergangenen Weihnachtsaktion. Man sehe es als eine Aufgabe des Clubs an, sich um Themen in der Region zu kümmern, sagte der Präsident, Prof. Dr. Hermut Kormann. In diesem Fall sei der Nutzen offensichtlich, nämlich Barrieren für behinderte Menschen möglichst niedrig zu halten. Für dieses Engagement des Rotary-Clubs zeigte sich der Vorsitzende der Lebenshilfe Heidenheim, Peter Welsch, dankbar im Sinn von mehr Lebensqualität für die Nutzer.

Baubeginn im Mai

Näher rückt für die Lebenshilfe auch der Neubau eines Wohnheims für Behinderte in der Memminger Wanne. Nachdem von dort das Angebot zu Grundstückskauf seitens der Giengener Stadtverwaltung vorlag, habe man diese Gelegenheit ergriffen, sagte Vorsitzender Welsch. Womit die Präsenz der Lebenshilfe in Giengen noch stärker ausgebaut wird, gibt es doch bereits seit knapp zwölf Jahren ein Wohnheim in der Riedstraße, in dem 35 Menschen wohnen. Seit Juli 2015 ist zudem die Werkstatt der Lebenshilfe im Ried in Betrieb, in der mehr als 70 Menschen mit Behinderung arbeiten.

In Planung ist jetzt ein weiteres Wohnheim mit Standort in der Nähe des Lebensmittelmarkts in der Memminger Wanne. Dort soll ein eingeschossiges Gebäude mit 24 Einzelzimmern und zwei Kurzzeitzimmer auf einer Fläche von über 1200 Quadratmetern entstehen. Laut Geschäftsführer Wörrle war vor wenigen Tagen die Submission für die Gewerke Rohbau, Heizung und Sanitär. Die Angebote würden jetzt geprüft, Baubeginn ist für Mitte Mai vorgesehen. Die Fertigstellung ist für Oktober/November 2019 terminiert. Die voraussichtlichen Baukosten liegen bei 3,2 Millionen Euro. Landes-Fördermittel, rund 945000 Euro, wurden vergangenen Herbst bewilligt.

Nicht nur baulich geschieht einiges bei der Lebenshilfe, auch politisch ist einiges im Fluss. Eine Neuerung sieht das Bundesteilhabegesetz ab 2020 vor, mit dem Ziel, dass Menschen mit Behinderung auch bei der Wohnungsfrage künftig viel mehr selbst entscheiden können. Vereinfacht gesagt geht es weg vom Pauschalen und hin zum individuellen Bedarf, weg vom Fürsorge-System hin zu mehr Selbstbestimmung.

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