CIMC Chinesischer Investor kauft Traditionsfirma Ziegler

Sprach bei der gestrigen Betriebsversammlung: Li Yinhui, Vizepräsident des Investors CIMC, mit (links) Gewerkschaftsvertreter Rudi Neidlein und dem Betriebsratsvorsitzenden von Ziegler, Jochen Brachert.
Sprach bei der gestrigen Betriebsversammlung: Li Yinhui, Vizepräsident des Investors CIMC, mit (links) Gewerkschaftsvertreter Rudi Neidlein und dem Betriebsratsvorsitzenden von Ziegler, Jochen Brachert.
Giengen / 08.11.2013
Der Feuerwehrausrüster Ziegler ist für rund 55 Millionen Euro verkauft. Käufer ist der börsennotierte chinesische Nutzfahrzeug- und Logistik-Konzern CIMC. Alle Arbeitsplätze und Standorte der Ziegler-Gruppe bleiben erhalten.

Am Donnerstag wurde der Kaufvertrag zwischen dem Insolvenzverwalter Bruno M. Kübler und dem Vizepräsidenten des Konzerns CIMC, Li Yinhui, unterzeichnet. Freitag Mittag wurde im Rahmen einer Betriebsversammlung die Ziegler-Belegschaft informiert. Im anschließenden Pressegespräch unterstrich der Vizepräsident des chinesischen Konzerns, man habe die Absicht, den Standort Giengen als „Kompetenzzentrum für Feuerwehrtechnik“ zu führen.

CIMC ist der perfekte Partner für Ziegler“, betonte Insolvenzverwalter Kübler. „Der chinesische Konzern verfügt über langjährige Erfahrung im Geschäft mit Nutz- und Spezialfahrzeugen und bietet Ziegler eine ideale Basis für den gezielten Ausbau des internationalen Geschäfts.“

Gewerkschaft und Betriebsrat stehen der Verkaufsentscheidung „nicht negativ“ gegenüber, wie sich Rudi Neidlein ausdrückte, der den Insolvenz- und Investorenprozess seitens der IG Metall betreute. Mehr noch: dem chinesischen Firmenvertreter sei es gelungen, den Arbeitnehmern ihre Sorge um den Arbeitsplatz zu nehmen, nachdem sämtliche Arbeitsverträge bestehen bleiben. „Wir sind guten Mutes, dass es eine gute Entscheidung war und es in die richtige Richtung geht“, so Neidlein. Mit dem Zuschlag für den Fahrzeugbau- und Logistikkonzern wurde der Gewerkschaft zudem ihre größte Sorge genommen, nämlich dass ein reiner Finanzinvestor Ziegler kauft, der lediglich an raschem Profit interessiert ist. Mit dem jetzigen strategischen Investor, der nicht als Spekulant, sondern als Hersteller an Fahrzeugbau interessiert ist, habe man, so Neidlein, geradezu „einen Volltreffer gelandet.“

Auch der Vorsitzende des Betriebsrats, Jochen Brachert, will mit dem Verkauf an den Investor CIMC vor allem Chancen für Ziegler sehen, und eine weitere Öffnung des Marktes im internationalen Geschäft. Der Markenname „Ziegler“ bleibt – er sei fast eines der wichtigsten Argumente für den Kauf gewesen, sagte der chinesische Investor.

Derzeit, mehr als zwei Jahre nach dem Insolvenzantrag im Sommer 2011, steht Ziegler wirtschaftlich wieder tadellos da. Ein wesentlicher Anteil an dieser Erfolgsgeschichte wird der Insolvenzverwaltung zugeschrieben. „Es wurde nicht dasselbe Unternehmen verkauft, das übernommen wurde“, hieß es. „Eine tolle Leistung“, sagte auch der CIMC-Vizepräsident. Kübler sei es gelungen, die Firma Ziegler zu gesundem Leben zu erwecken.

Dem Verkauf ging ein zweijähriger aufwendiger und umfangreicher Restrukturierungsprozess in der Insolvenz voraus. „CIMC übernimmt den gesamten Geschäftsbetrieb der Ziegler-Hauptgesellschaft Albert Ziegler GmbH & Co. KG sowie alle 12 deutschen und internationalen Tochtergesellschaften. Dass der Kaufpreis, rund 55 Millionen Euro, veröffentlicht wird, liegt an den asiatischen Börsenvorschriften. Das Bundeskartellamt muss dem Verkauf noch zustimmen, ebenso der Gläubigerausschuss.

Das Insolvenzverfahren Ziegler gehört laut Insolvenzverwaltung zu den spektakulärsten und schwierigsten Verfahren der letzten Jahre. Unmittelbarer Auslöser der Insolvenz war – neben jahrelangem Missmanagement – die Aufdeckung des so genannten Feuerwehrbeschaffungskartells, dem neben Ziegler drei weitere Produzenten angehört hatten. Das Verfahren endete mit einer millionenschweren Kartellbuße. In den ersten Monaten der Insolvenz waren insbesondere die Aufträge vonseiten öffentlicher Kunden eingebrochen, weil viele Kommunen davor zurückschreckten, bei einem insolventen Unternehmen zu bestellen. Es bedurfte einiger Anstrengung, den Geschäftsbetrieb zu stabilisieren und die Vorbehalte der Kommunen in monatelanger Überzeugungsarbeit auszuräumen.

Zuletzt erreichte Ziegler in diesem Sommer trotz der schwierigen Umstände beim Auftragseingang sogar einen Zehnjahresrekord und konnte die Marktführerschaft in Deutschland zurückerlangen. Es mussten neue Mitarbeiter eingestellt werden, sodass zuletzt mit knapp 1000 Arbeitnehmern wieder der Personalbestand aus der Zeit vor Beginn des Insolvenzverfahrens erreicht wurde.

Dem Verkauf war ein intensiver Investorenprozess vorausgegangen. Der Verkauf von Ziegler stieß weltweit auf großes Interesse. Es wurden Gespräche mit rund 150 Interessenten geführt, bis schließlich CIMC aufgrund der überzeugendsten Lösung und des besten Kaufpreisgebots den Zuschlag erhielt.

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