Wirtschaft BSH investiert Millionen in Giengen

Giengen / Dieter Reichl 11.05.2015
Die Produktionszahlen klettern nach oben, die millionenschweren Investitionen in den Standort werden fortgesetzt, und auch die Beschäftigtenzahl steigt: Der Giengener Kältegerätestandort der BSH Hausgeräte GmbH entwickelt sich laut Geschäftsführung erfolgreich.

Im Rahmen eines Round-Table- Gesprächs informierten Dr. Jochen Heel, Produktionsleiter Kälte und aktuell noch Standortleiter, dazu Jens Henneberg, Standortleiter ab dem 1. Juli, Bernd Scheßl (Leiter Entwicklung Kälte) und Personalleiter Werner Reichenberger über aktuelle Entwicklungen im Werk des größten Arbeitgebers der Stadt.

Diese sind überaus positiv, wie sich an den von Noch-Werkleiter Heel vorgelegten Zahlen zum vergangenen und zum aktuellen Geschäftsjahr deutlich ablesen lässt. So lag 2014 die Produktion in Giengen mehr als fünf Prozent über Plan, und das, wie Heel betonte, „in einem schwierigen und gesättigten Markt.“ 1,6 Millionen Geräte habe man produziert, davon knapp 1,2 Millionen Einbaugeräte und 460 000 Sologeräte. Es sei gelungen, flexibel auf hohe Auftragsmengen reagieren zu können.

Rund 180 neue Mitarbeiter

Eine Folge der vollen Auftragsbücher war nicht zuletzt die Einstellung von rund 180 Mitarbeitern in der Produktion und im Angestelltenbereich. Dies zusammen mit Investitionen in Höhe von rund 29 Millionen Euro in Anlagen und Infrastruktur bezeichnete Heel als „wichtiges Signal in Richtung Zukunftsfähigkeit des Standorts.“

Auch die Aussichten für 2015 sind laut Heel nach heutigem Stand positiv: 1,7 Millionen Geräte sollen von den Montagelinien laufen, davon 1,26 Millionen Einbaugeräte und 440 000 Sologeräte. Weitere Investitionen in neue Fertigungstechnologien mit einem Volumen von rund neun Millionen Euro sind in diesem Jahr geplant – vor allem die Schäumanlage für die Türenfertigung bezeichnete Heel als technologisches Highlight. Die Einstellung weiterer Mitarbeiter sei ebenso vorgesehen. Eine personelle Veränderung kommt zum 1. Juli, wenn Jens Henneberg die Fabrik- und Standortleitung übernehmen wird. Heel bleibt Giengen erhalten und fungiert vom dortigen Standdort aus als Produktionsleiter der weltweit sieben Kältewerke der BSH Hausgeräte GmbH.

Keine Veränderungen durch Anteilsübernahme

Heel betonte nochmals, dass durch die Übernahme des 50-prozentigen Anteils von Siemens durch die Robert Bosch GmbH keine Veränderungen an den Standorten geplant sei. Bosch ist seit dem 5. Januar 2015 alleiniger BSH-Gesellschafter. Die BSH soll auch künftig weitgehend eigenständig agieren. Siemens bleibe allerdings weiterhin wichtiger Bestandteil des Marken-Portfolios, geändert habe sich lediglich der Name zur jetzigen BSH Hausgeräte GmbH.

Die Erfolgsgeschichte des Giengener Standorts soll laut Heel weiter gehen, schließlich liege dort die Weltmarktführerschaft für Einbaugeräte. Hauptabsatzmarkt der Giengener Produkte sei Deutschland: 85 Prozent der Geräte aus Giengener Produktion gehe an Kunden, die sich im Umkreis von 500 Kilometern um den Standort befinden.

Auch 2015 weitere Einstellungen

Personalleiter Werner Reichenberger informierte, dass die Mitarbeiterzahl am Standort auf derzeit rund 2700 geklettert sei. Auch für 2015 seien weitere Einstellungen geplant, rund 100 in der Produktion und rund 70 im Angestelltenbereich. Rund 50 Leiharbeitnehmer habe man in ein BSH-Arbeitsverhältnis übernommen. Die Anzahl an Leiharbeitern liege mittlerweile unter zehn Prozent. Sie werde systematisch reduziert, derzeit seien es 190. Leiharbeit werde benötigt zur Abdeckung von Spitzen in der Produktion.

Der Altersdurchschnitt der Mitarbeiter insgesamt liege bei 44 Jahren, in der Produktion bei 45 Jahren, und konnte damit gesenkt werden. Nicht ganz einfach sei es, die Frauenquote zu erhöhen, weil technische Berufe nach wie vor offenbar nicht so interessant seien. Führungspositionen seien zu rund zehn Prozent mit Frauen besetzt. Auf Ausbildung lege man großen Wert: derzeit seien rund 70 junge Menschen als Auszubildende oder im DH-/FH-Studium im Werk.

Zentrales Thema: Energieeffizienz

Neben der Produktion ist Giengen ein wichtiger Entwicklungsstandort, wie Bernd Scheßl, der Leiter der Entwicklung für Kältegeräte, berichtete. Giengen ist mit 330 Mitarbeitern das größte der drei großen Zentren für die Entwicklung von Produkten und neuer Technologien. In Giengen werden rund 1000 Varianten an Einbau- und Standgeräten entwickelt. Energieeffizienz ist dabei ein großes Thema.

Scheßl berichtete, dass etwa 50 Prozent der Stromrechnung von Privathaushalten auf Hausgeräte entfalle, davon ein Fünftel allein auf Kühl- und Gefriergeräte. 41 Prozent oder 71 Millionen Stück aller Hausgeräte in Deutschland seien zehn Jahre und älter. Der Austausch durch supereffiziente Geräte (mit der Energieeffizienzklasse A+++) böte ein jährliches Einsparpotenzial, das der Jahresstromproduktion von zehn Braunkohlekraftwerken entspreche. Scheßl wies darauf hin, dass ein Geräte der Effizienzklasse A+++ nurmehr den halben Stromverbrauch eines Geräts der Klasse A+ habe.

"Vernetzte Geräte sind die Zukunft"

Auch das digitale Zeitalter mit vernetzten Hausgeräten steht ganz oben auf der Agenda, was bei der BSH unter dem Titel „Home Connect“ fungiert. Damit ist zum Beispiel möglich, von unterwegs einen Blick per Handy ins Innere des Kühlschranks zu werfen, um dann entsprechend einkaufen zu können. Beim Zufallen der Tür nämlich hat der Kühlschrank ein Foto davon geschossen, was sich alles in seinem Innern befindet. Weitere Funktionen sind, dass via App die Temperaturen kontrolliert werden können, oder dass das Smartphone einen Alarm von sich gibt, wenn die Kühlschranktür offen steht. Eine Spielerei? „Vernetzte Geräte sind die Zukunft. Das wird sich nicht mehr umkehren“, so Scheßl. Backöfen und Geschirrspüler seien erfolgreich gestartet, Kältegeräte mit Home Connect sollen im Herbst auf den Markt kommen.

Zum Abschluss der Gesprächsrunde im Werk stellte sich Jens Henneberg vor, der ab 1. Juli die Standortleitung übernehmen wird. Er ist derzeit noch für Bosch in China tätig und sagt, er freue sich auf seine neue Aufgabe mit dem Ziel, den Standort mit dem richtigen Portfolio langfristig zukunftssicher zu machen. Der 45-jährige Freund von Laufsportarten und von Badminton kommt mit seiner Familie ins Brenztal, das er bereits aus früheren Jahren kennt, und das für ihn auch privat bereits von großer Bedeutung war: in Heidenheim lernte der Vater von zwei Töchtern seine Frau kennen.

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