Giengen Bravouröses Benefizkonzert für die Kaltenburg

Könner an ihrem Instrument sind die Mitglieder des Reservistenmusikzug 28, der zum dritten Mal in Hürben für die Renovierung der Kaltenburg auftrat.
Könner an ihrem Instrument sind die Mitglieder des Reservistenmusikzug 28, der zum dritten Mal in Hürben für die Renovierung der Kaltenburg auftrat. © Foto: Klaus-Dieter Kirschner
Giengen / Klaus-Dieter Kirschner 08.10.2018
Der Reservistenmusikzug 28 Ulm spielt in Hürben zum dritten Male zugunsten der Kaltenburg. Mit dem Giengener Gerhard Fetzer war auch ein Komponist unter den Musikern.

Wer nicht sein Instrument spitzenmäßig beherrscht, hat keine Chance, als Musiker im Reservistenmusikzug 28 Ulm aufgenommen zu werden. Entsprechend bravourös sind die Leistungen dieses in den meisten Registern üppig besetzten Blasorchesters. Wollte man dieses Orchester einordnen in den Kategorien, die der Blasmusikverband sich gegeben hat, dann spielt der Musikzug in der Klasse der Höchststufen-Orchester.

Unter Hauptfeldwebel der Reserve Robert Roth sind die Musiker entweder im Auftrag der Bundeswehr unterwegs oder aber geben Benefizkonzerte. Allein in diesem Jahr waren es schon 20.

Nicht ausverkauftes Konzert

Von den 60 Musikern konnten 45 am Samstagabend in Hürbens Hürbetalhalle dabei sein. Ausverkauft war das Benefizkonzert für die Kaltenburg allerdings nicht. Wer nicht dabei war, hat einen echten Konzerthöhepunkt verpasst. Die einzelnen Stücke sagte Oberstleutnant der Reserve Gernot Gaiser an. Zuvor hatte Clemens Stahl, der Vorsitzende der Interessengemeinschaft Kaltenburg, für zwei vorangegangene Konzerterlöse gedankt, sich mächtig über dieses dritte Konzert gefreut und Hürbens Landfrauen gewürdigt, die mit großem Einsatz für Speis und Trank gesorgt hatten.

Eine der bekannten Personen im Reservistenmusikzug ist der Giengener Obergefreite der Reserve Gerhard Fetzer. In Bundeswehrkreisen als Komponist von Militärmusik bekannt und als Bearbeiter alter Literatur mehr als gefragt: Er gewann vor Jahren den Kompositionswettbewerb für den Marsch der Streitkräftebasis, von ihm stammt für die Marine der „Kapitän John Marsch“ und zum Abschied der 10. Panzerdivision aus Sigmaringen entstand der „Gruß an Sigmaringen“.

Der Ururenkel lebt in Giengen

In der Geschichte der Militärmusik ist der einstige königlich sächsische Musikdirektor Friedrich August Trenkler (gestorben 1910) nicht mehr so präsent. Er ist der „Vater“ der Philharmonie Dresden und er komponierte über 180 Märsche und Musiken. Die Manuskripte sind ausschließlich für Klavier geschrieben, so dass entsprechende Notenblätter erst für die Register einer Kapelle geschrieben werden müssen. Hier hat Gerhard Fetzer schon einiges auf die Beine gestellt. Es hilft ihm dabei sehr, dass in Giengen der Ulmer Hochschulprofessor Dr. Ing. Hans-Georg Bruchmüller wohnt, der Ururenkel von Trenkler. Und da war es am Samstagabend folgerichtig, den verspielten „O'Bryn-Marsch“ Trenklers in der Bearbeitung von Gerhard Fetzer aufzuführen, übrigens das Hörerlebnis des Abends.

Die eigentliche Ouvertüre des mit viel Beifall belohnten Konzerts bildete von Christoph Walter die „Walled City Suite“, basierend auf dem Welthit „Londonderry Art“. Astrid Kienle gefiel hier als Querflöten-Solistin. Es folgte einer der Höhepunkte des Abends: „Highland-Cathedral“ in der Bearbeitung von Siegfried Rundel. Aus der Reihe der Märsche begeisterte, von John Glenesk Mortimer bearbeitet, der „Marsch der Soldaten des Robert Bruce“.

Ein musikalischer Leckerbissen war abschließend die von Landgraf Ludwig VIII von Hessen-Darmstadt geschriebene „Hessische Fahnenmarsch“, bei dem einmal mehr Astrid Kienle als Solistin Extrabeifall und Bravorufe bekam. Vor der Nationalhymne erklang als Zugabe der Traditionsmarsch „Alte Kameraden“, sauber und präzise von allen Registern aufgeführt.

Werbeträger für die Bundeswehr

Aktuell aus 60 Musikern besteht der Reservistenmusikzug 28 Ulm, der konzertante Blasmusik auf höchstem Niveau pflegt und 1992 gegründet wurde. Er ist „Nachfolger“ für den Musikzug der einst in der Rommelkaserne Dornstadt stationierten Panzerbrigade 28. Sie wurde im Zuge einer Heeresreform 1992 aufgelöst. Die zumeist wehrpflichtigen Musiker wollten aber ihre Instrumente nicht weglegen.

Gründungsvater des Reservistenmusikzugs war Stabsfeldwebel Josef Drixler. Der Musikzug versteht sich als Reservistenkameradschaft im Verband der Reservisten der Deutschen Bundeswehr und wird heute von Hauptfeldwebel der Reserve Robert Roth (Plüderhausen) geleitet. Neben dem Heeresmusikkorps Ulm gilt der Reservistenmusikzug als Werbeträger für die Bundeswehr wie für den Zusammenhalt der Reservisten.

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