Giengen Nach Sconvey-Aus: Speeddating zwischen Firmen und Fachkräften

Die zehn Minuten sind bald wieder um, dann wird der Platz gewechselt: Wirtschaftsförderer Sebastian Vetter behielt die Uhr beim Speeddating zwischen Firmen und Fachkräften im Blick.
Die zehn Minuten sind bald wieder um, dann wird der Platz gewechselt: Wirtschaftsförderer Sebastian Vetter behielt die Uhr beim Speeddating zwischen Firmen und Fachkräften im Blick. © Foto: Sabrina Balzer
Giengen / Nadine Rau 05.09.2018
Die Mitarbeiter des Unternehmens brauchen nach der Insolvenz einen neuen Job. Bei einem Speeddating in der Schranne konnten sie diesen suchen.

Vielleicht mag die Idee anfangs kurios geklungen haben. Aber die vielen Unternehmen und Arbeitsuchenden, die sich am Dienstagabend in der Schranne eingefunden haben, sind Beweis genug dafür, dass sie auf offene Ohren gestoßen ist. Ein Speeddating hat Giengens Wirtschaftsförderer Sebastian Vetter ins Leben gerufen – eine Veranstaltung, bei der sich Firmen und Fachkräfte in ungezwungener Atmosphäre kennenlernen können. Eben wie bei einem Date.

17 Firmen waren gekommen, um sich und ihre zu besetzenden Stellen vorzustellen. Darunter Giengener Unternehmen wie Ziegler, die Stadtwerke oder Tegel-Technik, die zum Teil für viele Jahre Marktbegleiter der Firma Sconvey waren, darunter aber auch andere aus der ganzen Region wie Gardena, Maschinen-Grupp oder Quick-Mix.

Überraschend hohes Interesse

„Wir hätten niemals mit so vielen Firmen gerechnet“, zeigte sich Vetter über das breite Spektrum erfreut. Oberbürgermeister Dieter Henle habe nach Bekanntgabe der Kündigungen sofort die großen Firmen angerufen, um zu sehen, ob grundsätzlich Interesse bestünde.

Erst danach habe Vetter sich getraut, eine Pressemitteilung herauszugeben, die auch im Ulmer Raum veröffentlicht wurde. Daraufhin hätten sich Unternehmen jeder Größe bei ihm gemeldet, eine Firma sogar noch am Dienstag kurz vor der Veranstaltung.

Auf der anderen Seite haben rund 30 Mitarbeiter der Firma Sconvey, die vor wenigen Wochen insolvent gegangen ist (siehe Infotext unten rechts), die Vorstellungsrunde als ihre Chance genutzt. Darunter überwiegend Männer – technische Zeichner, Anlagenmonteure, Konstrukteure – aber auch ein paar Damen, Sekretärinnen etwa oder Industriekauffrauen.

Manche haben schon einen neuen Job

Nach Angaben der Insolvenzverwalter verlieren bei Sconvey 47 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz, Sebastian Vetter zufolge hätten manche davon erfreulicherweise bereits eine neue Stelle gefunden. Das Angebot des Speeddatings unter die Fachkräfte gebracht hat er über den Betriebsrat, anschließend konnte sich jeder Interessierte anmelden.

„In dieser Krise soll Giengen zusammenstehen, wir wollen heute eine typische Win-win-Situation schaffen“, so Henle.

Für rund eineinhalb Stunden ließ Vetter im Zehn-Minuten-Takt die Stoppuhr seines Handys laufen, nach Ablauf der Zeit wurde jeweils gewechselt. Es gab begehrte und weniger begehrte Unternehmen, was sich letztlich aus den verfügbaren freien Stellen ableiten lässt. Überdies hatten die Fachkräfte die Möglichkeit, sich bei der ebenfalls vertretenen Agentur für Arbeit zu informieren oder sich ihre Bewerbungsunterlagen bei der Kontaktstelle Frau und Beruf des Landratsamtes ansehen zu lassen.

Idee vom Landratsamt

Apropos Landratsamt: Auf die Idee mit dem Speeddating kam Vetter deshalb, weil auch das Landratsamt mal ein ähnliches Konzept umsetzen wollte. Das Interesse seitens der Unternehmen sei aber nicht groß genug gewesen. Wichtig war ihm vor allem, dass es schnell geht. „Das muss keine Gala-Veranstaltung werden, es gibt eben Brezeln und Getränke und man soll ins Gespräch kommen“, so Vetter, ein Auge immer auf das Handy gerichtet.

Für ihn als neuen Wirtschaftsförderer sei es ebenfalls ein Schlag in die Magengrube gewesen, dass kurz nach Antritt seiner Stelle gleich ein Unternehmen schließt.

Ungezwungene Atmosphäre

Und wie ergeht es den betroffenen Mitarbeitern an diesem Abend? „Ich habe es mir schlimmer vorgestellt“, sagt einer von ihnen, nachdem er mehrere Gesprächsrunden hinter sich hat. Man könne einfach ein bisschen was von sich erzählen und unterhalte sich dann. Das sei besser, als ein strenger Bewerbungstermin. „In so einer Situation muss man die Chance nutzen“, meint ein anderer.

Die Mitarbeiter erzählen, dass sie mit Giengen verbunden sind, dass die teilweise noch kleinen Kinder dort zu Schule gehen. „Dank heute Abend fühlt man sich nicht so alleingelassen“, sagt einer. Auch, wenn man nicht so recht wisse, was einen erwarte. Die meisten von ihnen haben die Bewerbungsunterlagen unter den Arm geklemmt, manche sind sehr schick angezogen, andere ganz leger. „Heute weiß ich, dass alles nicht so streng ist, und dass das Gespräch nach zehn Minuten erst einmal vorbei ist“, macht einer die Vorteile des Speeddatings für sich aus.

Wie finden es die Unternehmer?

Und was sagen die Unternehmer zu dieser Art Bewerbungsgespräch? „Natürlich ist das auch für uns untypisch, aber wir hoffen, dass sich heute Abend etwas ergibt“, sagt einer von ihnen. Manch einer hat bereits einen potenziellen neuen Mitarbeiter erkannt, die Bewerbungsunterlagen auf den Tischen, die man sich im Betrieb noch mal in Ruhe ansehen kann, sind mit der Zeit langsam mehr geworden.

„Für Giengen ist das hier wirklich gut“, so ein Betriebsleiter. Wenn sich auch nur ein Arbeitsverhältnis aus der Veranstaltung ergebe, hätte sich der Abend, so sagte es OB Henle, bereits gelohnt.

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