Giengen Berufswahl leicht gemacht: Welcher Job ist der Richtige?

Hier kann in Zukunft in den Pausen gespielt werden: Im Rahmen des Projekts zur Beruforientierung haben die Neuntklässler der Bühlschule den  Hof der Grundschule mit Hüpfspielen gestaltet.
Hier kann in Zukunft in den Pausen gespielt werden: Im Rahmen des Projekts zur Beruforientierung haben die Neuntklässler der Bühlschule den Hof der Grundschule mit Hüpfspielen gestaltet. © Foto: Sabrina Balzer
Giengen / Kathrin Schuler 11.07.2018
Welcher Job ist der Richtige? An der Bühlschule konnten die Schüler in Projekten über das Schuljahr hinweg in verschiedene Berufe hineinschnuppern und so genau das herausfinden.

Schulabschluss – und dann? Diese Frage stellen sich viele, wenn die Schulzeit dem Ende entgegen geht. Zwischen Hausaufgaben, dem Lernen für die Abschlussprüfungen und der ohnehin knappen Freizeit kommt die Planung der eigenen Zukunft oftmals zu kurz und viele Schüler wissen nicht, was sie im Berufsleben machen möchten. An der Bühlschule wollte man für dieses Problem Abhilfe schaffen und bemühte sich in diesem Schuljahr um drei Projekte zur Berufsorientierung.

Welche Fähigkeiten sind gefragt?

„Ziel ist es, den Schülern die Berufswahl zu erleichtern“, erklärt Sabine Ahua von der BBQ Berufliche Bildung GmbH mit Sitz in Aalen, die gemeinsam mit ihrer Kollegin Nadine Kopp die vom Kultusministerium initiierten Projekte an der Bühlschule betreut.

Los ging es damit bereits im Herbst. Dass es drei Projekte geben sollte, stand von Beginn an fest – doch den Inhalt bestimmten die Schüler selbst. „Die Teilnahme ist freiwillig, darum soll es dann auch in eine berufliche Richtung gehen, die die Schüler anspricht“, meint Ahua.

Die Sechstklässler interessierten sich für Kunst und entschieden sich schließlich, ein neues Schul-T-Shirt zu gestalten. Die Siebtklässler lernten im Laufe des Schuljahres verschiedene soziale Berufe kennen und die Neuntklässler widmeten sich der Aufgabe, den Pausenhof neu zu gestalten.

Wie diese Projekte den Schülern helfen sollen, sich für einen Berufsweg zu entscheiden? Indem außerschulische Kooperationspartner mit ins Boot geholt werden, die den Schülern bei der Lösung ihrer selbstgestellten Aufgabe zur Seite stehen und aufzeigen, welcher Beruf und welche Fähigkeiten dafür gefragt sind.

Kooperationspartner zu Gast

„Wir als Bildungspartner überlegen uns, welche Kooperationspartner für die jeweiligen Projekte in Frage kommen“, erklärt Ahua. Bei den von ihr betreuten Neuntklässlern war das Zentrum für Gestaltung in Ulm die erste Anlaufstelle.

Daraufhin sei ein Architekt und Bauzeichner zu ihnen in die Bühlschule gekommen, habe den Schülern seinen Beruf vorgestellt und erklärt, in welchen Fächern man in der Schule bereits gute Noten haben sollte, um darin arbeiten zu können. „Außerdem hat er uns dabei geholfen, die Skizzen aus unserem Kopf auf Papier und schließlich auf den Schulhof bringen“, erzählt Ahua.

Die für den Pausenhof geplanten Hüpfspiele haben die zwölf Schüler so zunächst auf Millimeterpapier übertragen, um sie später maßstabsgetreu auf dem Asphalt nachmalen zu können.

Besuch beim Malerbetrieb vor Ort

Damit die finale Gestaltung dann auch wie gewünscht gelang, besuchten die Schüler außerdem den Giengener Malerbetrieb Herrmann. „Das war sehr interessant, denn wir wussten vorher gar nicht, was ein Maler so alles macht“, meint der Neuntklässler Jonas Schwarz. Nämlich viel mehr, als nur Streichen: Wände hochziehen, verkleiden und verputzen, Fassaden dämmen, Deckenbekleidungen, Lackierungen und noch so einiges gehört zum Beruf des Malers dazu.

Beim Besuch im Malerbetrieb gab es obendrein zu den vielen Infos zum Beruf eine ausführliche Beratung zur Wahl der Farben, die der Malermeister mit den Schülern dann auch selbst anmischte.

Über das Jahr hinweg trafen sich die drei Projektgruppen ein Mal pro Woche – Zeit, die die Schüler eigentlich zur Prüfungsvorbereitung oder für Hausaufgaben nutzen können. An einigen Tagen wurden sie auch vom Unterricht befreit: „Das klingt erstmal interessant, aber den Stoff müssen die Kinder selbstständig nacharbeiten“, erklärt Sabine Ahua. Das habe in allen Projektgruppen problemlos geklappt und zeige das freiwillige Engagement der Schüler.

Ein Schulfest zum Abschluss

Vergangene Woche machten sich die zwölf Neuntklässler daran, das Projekt final in die Tat umzusetzen: Zwei Tage lang griffen sie zu Pinsel und Farbe, skizzierten die Hüpfspiele auf dem Pausenhof und gestalteten sie dann wie geplant aus. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Die drei eigens ausgedachten und selbst entworfenen Hüpfspiele machen nicht nur den Pausenhof der Grundschüler bunter, sondern bieten auch einen kurzweiligen Zeitvertreib.

Auch die anderen beiden Gruppen haben ihre Projekte in den letzten Wochen abschließen können: Mit ihrem selbst gestalteten Flyer wollen die Siebtklässler über die Ausbildungsmöglichkeiten in sozialen Berufen informieren und auch das neue Schul-T-Shirt ist mittlerweile gedruckt. Am 24. Juli präsentieren alle drei Projektgruppen ihre Arbeiten beim gemeinsamen Schulfest der Bühlschule.

Ein neues Projekt bereits in Planung

Ob das Projekt den Schülern auch tatsächlich hinsichtlich ihrer beruflichen Zukunft weiter geholfen hat? „Ich mache jetzt erst einmal meinen Realschulabschluss, aber der Beruf des Malers hat mir so gut gefallen, dass ich mir das im Moment wirklich als Ausbildung vorstellen kann“, meint Jonas. Gerade für noch etwas jüngere Schüler findet er die Projekte zur beruflichen Orientierung sinnvoll: „Ich glaube, dass das eine ziemlich gute Hilfe bei der Entscheidung sein kann, was man später mal machen will.“

Auch in der Bühlschule sind die Projekte gut angekommen: Mindestens eines ist bereits für das kommende Schuljahr geplant – wenn es den Zuschlag vom Kulturministerium gibt, auch mehr.

Koobo – kooperative Berufsorientierung

Seit dem Schuljahr 2015/16 gibt es die Koobo-Projekte an weiterführenden und beruflichen Schulen. Sie sollen den Schülern berufspraktische Erfahrungen ermöglichen und Hilfe bei der beruflichen Orientierung bieten sollen. Die Bühlschule hatte sich im vergangenen Jahr zum ersten Mal um die Koobo-Projekte beworben.

Dabei planen die Schüler eigene Projekte, die stets eine reale Aufgabe aus dem Berufsleben beinhalten sollen. Bei der Erarbeitung und Umsetzung erhalten sie Unterstützung von regionalen Kooperationspartnern, also Betrieben oder Hochschulen. So lernen sie mit ihrem Projekt in Zusammenhang stehende Berufe und Ausbildungsmöglichkeiten kennen und außerdem, welche Fähigkeiten man dazu benötigt.

Das Ministerium für Kultus, Jugend und Sport steuert und finanziert die kooperative Berufsorientierung. Im Bezirk des Regierungspräsidiums Tübingen ist die BBQ GmbH für berufliche Bildung aus Aalen als außerschulische Projektleitung der Träger, der die Projekte gemeinsam mit den Schülern vor Ort umsetzt.

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