AWG: Belegschaft will sich gegen "Heuschrecke" wehren

Die organisierten Mitarbeiter der AWG sprachen sich dafür aus, dass die IG Metall eigene Tarifforderungen gegenüber der Geschäftsführung stellen soll.
Die organisierten Mitarbeiter der AWG sprachen sich dafür aus, dass die IG Metall eigene Tarifforderungen gegenüber der Geschäftsführung stellen soll. © Foto: Foto: moh
Marc Hosinner 21.03.2012
Im Hinblick auf die geplante Schließung des Standortes Giengen der AWG stehen die Zeichen seit Mittwoch auf Sturm. Die Konsequenz könnte ein Arbeitskampf sein. Auch eine Insolvenz des Unternehmens wird seitens der Gewerkschaft nicht ausgeschlossen.

„Es ist hart zu sehen, was für einer Heuschrecke wir erlegen sind. Die dürfen so nicht durchkommen“, so eine Teilnehmerin am Dienstagvormittag in der Walter-Schmid-Halle. Dort waren die Mitglieder der IG Metall, die bei AWG arbeiten, zusammengekommen, um über das weitere Vorgehen zu diskutieren. Mittlerweile, so die Gewerkschaft, seien 90 Prozent der AWG-Beschäftigten Mitglied der IG Metall. „Diese Machtposition und das bisherige kompromisslose Verhalten der Arbeitgeberseite lässt uns erkennen, dass es nun Zeit ist, unsere Interessen anzumelden“, so Ralf Willeck von der IG Metall Heidenheim. Willeck informierte darüber, dass die Verhandlungen über einen Interessenausgleich am Montag gescheitert seien. Schuld sei die Blockadehaltung der Arbeitgeberseite, die keinerlei Bereitschaft an Verhandlungen über den Erhalt des Standorts Giengen zeige. Hinzu komme, dass keine Perspektiven für die Zukunft des Unternehmens und für die Arbeitsplätze zu erkennen seien. „Es geht einzig und allein um die Maximierung des Profits. AWG ist in die Hände einer klassischen Heuschrecke gefallen“, so Willeck.

„Das Unternehmen hat bis 2010 gutes Geld verdient. Und das trotz Bereichen wie der Gießerei und der Lagerlogistik, die ohne Zweifel sanierungsbedürftig sind“, so der Gewerkschaftsvertreter. Das nun seitens des Unternehmens als schlecht dargestellte Ergebnis komme nicht aus dem operativen Geschäft heraus. Erst auf Drängen habe man Einblick in die Zahlen erhalten, die folgende Schlüsse zuließen: Bei der Umsatzentwicklung könne nicht festgestellt werden, dass es 2012 – dem Jahr, in dem der Standort Giengen geschlossen werden soll – größere Probleme gebe. Allerdings: Prognosen für 2013 und 2014 gebe es nicht. Handlungsbedarf ergebe sich auch nicht durch Materialkosten. Hier sei ebenso alles im Plan wie bei den Personalkosten. Auffällig sei, dass die „sonstigen Kosten“ relativ hoch ausfielen. Hier würden auch Rechtsberatungskosten aufgelistet.

Interessant sei eine Betrachtung des Postens Abschreibungen: Hier sei in den Jahren 2010 und 2011 ein starker Anstieg zu verzeichnen. „Wenn ich Abschreibungen in Höhe von elf Prozent des Umsatzes habe, ist das erstmal ein gutes Zeichen, weil dann investiert wird. Das war aber nicht der Fall. Das ist irre. Die Firma wurde so schlecht gerechnet“, so Willeck. Brisant sei zudem die Entwicklung des Finanzergebnisses und der Schulden. Die Kosten für Zinsen und Tilgung seien in den vergangenen Jahren stetig angestiegen. „Paragon hat die AWG gekauft und ihr ein Darlehen gegeben. Das ist legal. Der Zinssatz beträgt aber mehr als zehn Prozent. Ihr könnt schaffen wie ihr wollt, soviel könnt ihr gar nicht reinholen“, so Willeck. Durch den Kredit seien die Schulden gestiegen.

Letztendlich ließen die Betrachtungen den Schluss zu, dass es dem Mehrheitseigner Paragon nur darum gehe, Kasse zu machen. In der Konsequenz bedeute dies, dass auch die Verlagerung auf den Standort Ballendorf zum Scheitern verurteilt sei. „Ihr könnt da zappeln wie ihr wollt, verdienen könnt ihr nichts“, so Willeck.

Wie der Gewerkschaftsfunktionär erklärte, sei das Angebot der Geschäftsführung, eine Abfindung mit dem Faktor 0,3 (ein Drittel des Monatslohns mal Jahre der Betriebszugehörigkeit) zu bezahlen, nicht akzeptabel. „Wir sind jetzt an einem Scheideweg. Sollen wir den Betriebsrat einen Interessensausgleich aushandeln lassen mit 60 bis 70 Kündigungen und die Verlagerung nach Ballendorf mit ungewisser Zukunft? Oder gehen wir einen zweiten Weg und beschließen, dass die IG Metall einen Tarifvertrag mit exorbitant hohen Forderungen aushandelt, sodass sich die Geschäftsführung einen Plan B ausdenken muss“, so die Frage Willecks an die Gewerkschaftsmitglieder. Dies könnte aber einen Arbeitskampf zur Folge haben. Möglich sei auch, dass der Mehrheitseigner sein Geld wieder „herausziehen“ könnte, was letztendlich auf eine Insolvenz herauslaufen würde.

Einstimmig sprachen sich die Mitglieder dafür aus, den Weg des Widerstandes zu gehen. „Schlechter als jetzt kann es weder in der Insolvenz noch mit einem anderen Investor kommen“, so das Urteil eines Beschäftigten.

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