Giengen Was können unsere heimischen Kräuter?

Giengen / Nadine Rau 13.07.2018
Christa Weippert weiß, was in der Region wächst, und was man damit anfangen kann. Am Hürbener Höhlenhaus gibt sie ihr Wissen an andere weiter.

Bevor es losgeht, muss Christa Weippert noch etwas klarstellen. Eine Kräuterwanderung, so wie es im Veranstaltungskalender der Stadt Giengen steht, wird das heute nicht. Kräuter? Ja. Wanderung? Ganz und gar nicht. „Wir kommen keine 50 Meter weit“, erklärt die sogenannte Kräuterpädagogin, „weil ich einfach zu viel rede.“

Für die achtköpfige Gruppe, sieben Frauen und ein Mann, geht das in Ordnung – schließlich sind sie hier, um in einer Stunde viel über heimische Kräuter zu lernen. Schon oft hatte Weippert aber Teilnehmer, die in voller Wandermontur am Höhlenhaus aufgeschlagen sind. „Diesen Namen muss man ändern“, sagt sie und lacht. Sie selbst trägt eine bunt geblümte Hose, passend zu ihrer Leidenschaft, den Pflanzen.

Zur Pädagogin ausgebildet

„Seit ich mich zur Pädagogin habe ausbilden lassen, ist Radfahren für mich gefährlich geworden“, erzählt sie. Zu schnell trete sie in die Eisen, wenn sie am Wegesrand etwas blühen sehe.

Schöllkraut zum Beispiel, das auch am Höhlenhaus wächst. Eine grüne, krautige Pflanze, deren Saft etwa zur Behandlung von Warzen genutzt wird. „Wie lange dauert es denn, bis ich damit Erfolg habe?“, fragt ein Teilnehmer, der das schon einmal versucht hat. „Mein Mann hat es in einem Jahr in den Griff gekriegt, man muss es aber regelmäßig auftragen“, bekommt er prompt eine Antwort. Allerdings nicht einmal von Weippert selbst, denn, das zeigt sich schnell, jeder der heute dabei ist, weiß ein bisschen etwas über heimische Kräuter.

Weippert hat indes die nächste Pflanze entdeckt. Sie sieht aus wie eine Distel, ist aber keine. „Das sind Karden“, sagt sie, und hält die Blätter ein wenig auseinander. Wasser kommt zum Vorschein, das sich darin gesammelt hat. „Das ist doch gut für den Wanderer“, meint Weippert. Außerdem sei die Pflanze immunstärkend.

Für diejenigen, die die Kräuter nutzen möchten, sei es wichtig zu wissen, dass man sie sammelt und nicht erntet. Der Unterschied? Bei der Ernte reiße man die Wurzel mit heraus, beim Sammeln nehme man nur einzelne Blätter ab, dass die Pflanze weiterwachsen könne. Vor der Verarbeitung wäscht Weippert die meisten Kräuter.

Und während sie das sagt, hält sie schon die nächste Pflanze zwischen den Händen: Dost. Oder auch: wilder Oregano. Die roten Blüten, so sagt sie, seien lange haltbar und hätten die meisten Inhaltsstoffe. Sie würden sich gut als Deko eignen, zum anderen könne man sie, etwa gemischt mit Gänseblümchen und Spitzwegerich, zu einem wohltuenden Tee verarbeiten.

Die nächste Pflanze klebt Weippert dem einzigen Herrn in der Gruppe direkt ans Hemd. Das sogenannte Kletten-Labkraut kann aber mehr, als nur kleben – sagt die Expertin. Es sei zwar haarig und klebrig, aber als Gemüse gedämpft oder als Suppe sei es lecker. Überhaupt müsse man sich manchmal nur zu helfen wissen, auch bei den Brennnesseln. „Keiner mag sie, dabei sind sie so vielfältig“.

Brennnesseln sind vielfältig

Um sich die Zunge nicht zu verbrennen, müsse man zuerst mit dem Wellholz darüber gehen, dass die brennenden Härchen abfallen. Sie selbst trockne die Brennnesseln immer, bis die Samen abfallen, und nutze diese als Gewürz. „Es soll ja auch ums Genießen gehen, nicht nur ums Heilen“, sagt Weippert. Lange seien die heimischen Kräuter aus den Küchen verschwunden gewesen, heute aber würden Spitzenköche wieder damit arbeiten.

Immer wieder wird gekostet

Und so wird auch bei der Wanderung, Moment, bei der Führung natürlich, immer wieder gekostet – unter anderem von den Keksen, die Weippert mithilfe der Kräuter gebacken hat. Rezept? „Das braucht man nicht, man muss einfach ein wenig ausprobieren.“

Ein Stückchen weiter weint ein Kind, weil es von einer Biene gestochen worden ist. Wie geschickt, dass der Spitzwegerich, den Weippert gerade in den Händen verreibt, um an die Inhaltsstoffe heranzukommen, Abhilfe schafft. Wenige Minuten später rennen überall die Kinder herum und pflücken den Spitzwegerich, während Weipperts Gruppe die Blüten dieser Pflanze isst. Was viele nicht wissen: Sie schmecken nach Champignons. Und wer es etwas süßer mag: Roter Klee eigne sich in Kombination mit Schokolade gut als Nachtisch.

Wie wird man zur Kräuterpädagogin und was fängt man damit an?

Gundermannschule heißt die Bildungseinrichtung, in der Christa Weippert aus Bolheim sich zur Kräuterpädagogin hat ausbilden lassen. Das sei allerdings nicht ein zentrales Schulgebäude, vielmehr sind es Dozenten, die überall in Deutschland an unterschiedlichen Standorten unterrichten.

In Lorch hat Weippert von den Dozenten gelernt. Neben den Wildkräutern erfährt man etwas über unsere Natur und das Zusammenspiel von Mensch- und Pflanzenwelt. Inhaltsstoffe und Verwendungsmöglichkeiten stehen ebenfalls auf dem Lehrplan.

In vielen Landkreisen Baden-Württembergs gibt es durch diese Schule Ansprechpartner wie Weippert, die ihr Wissen auch in Kindergärten oder bei Veranstaltungen, etwa der Landfrauen, weitergeben.Weitere Infos gibt es hier

https://www.kräuterpädagogen-baden-württemberg.de/

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