Magie Andy Häussler liest die Gedanken seines Publikums

Giengen / Joelle Reimer 14.02.2016
Er ist zweifacher deutscher Meister der Mentalmagie und macht mal eben aus einer Cola eine Fanta: Andy Häussler verzauberte in der Schranne sein Publikum, indem er Gedanken las und Wünsche erriet.

Ob die Giengener vom Naturell her ein eher skeptisches Völkchen sind oder nicht, das kann man sehen wie man will. Fest steht aber: Neugierig sind sie, vor allem wenn es um Dinge geht, die sich auf den ersten Blick nicht erklären lassen. Das bewies eine bis auf den letzten Platz belegte Schranne, als der Mentalmagier Andy Häussler darin auftrat.

Den Anfang des Abends machte aber nicht er, sondern die Besucher. Einen Zettel sollten sie ausfüllen, einen Wunsch aufschreiben und ihn in einen Briefumschlag stecken. Sofort kamen die Skeptiker: Ist das vielleicht kein echtes Papier? Oder ein Stift, der die Schreibbewegungen automatisch scannt? Vielleicht sollte man lieber zwei Umschläge nehmen und diese am besten noch mit Tesafilm zukleben.

„Zu den Wünschen kommen wir später. Jetzt erst einmal: Denken Sie ganz stark entweder an die Farbe Blau oder Gelb“, wies der Magier an. Auf der Bühne zwei Papiertüten; eine blaue, eine gelbe. Stille. Konzentrierte Gesichter. „Sie. Kommen Sie bitte nach vorne.“ Häussler hatte sich eine Zuschauerin namens Birgit ausgesucht. „Sie haben an Gelb gedacht, richtig?“ Ein Kopfnicken. Mit Schwung schlug der Magier auf die blaue Tüte, zerknüllte sie und hob die gelbe an. Darunter: Ein Messer, die Klinge senkrecht nach oben. Applaus.

Der sechste Sinn – der Name der Show war Programm. Immer wieder zeigte der zweifache deutsche Meister der Mentalmagie, wie sich Sinne beeinflussen und täuschen lassen. Innerhalb weniger Sekunden erriet er, ob ein Zuschauer ihn beim Würfeln belog oder die Wahrheit sagte – und schwupps, konnte er auch noch die richtige Zahl nennen. Oder aber er nahm einen Besucher mit auf eine Zeitreise in die eigene Kindheit – und dieser schien urplötzlich nicht mehr lesen zu können. Zum Lachen war auch das verblüffte Gesicht eines Jungen, der zunächst eine Cola trank, die nach einer kurzen Geschichte des Magiers dann aber plötzlich nach Fanta schmeckte.

Häussler spielte mit optischen Täuschungen genauso geschickt wie mit haptischen und teils schien es tatsächlich so, als habe er übersinnliche Fähigkeiten: Madita, eine junge Zuschauerin, durfte mit verbundenen Augen auf der Bühne Platz nehmen. Das Publikum einigte sich auf eine Bewegung, an die alle dachten – und ohne ein Wort vom Magier machte Madita genau die gleiche Bewegung. Umso menschlicher machten ihn die wenigen Dinge, die nicht hundertprozentig klappen wollten. Als sich sechs Gäste beispielsweise je eine Lottozahl ausdenken sollten und er „nur“ fünf richtig erriet.

Und im echten Leben? „Da kann ich keine Lottozahlen vorhersagen. Ich lese die Gedanken von Menschen, nicht von Maschinen“, so Häussler. Wenn seine Show zu 90 Prozent klappe, so sagte er, sei er zufrieden. „Das Programm ist schließlich auf Risiko ausgelegt. Aber hier mit dem Giengener Publikum ist es super.“

Auch bei den ausgefüllten Wunschzetteln lief nicht alles nach Plan. Problemlos erriet er zwar die Wünsche der Personen, die er aus der Box zog: Eine Weltreise, der Klassenerhalt des FCH oder dass aus einer Fern- eine Nahbeziehung wird. Als es jedoch darum ging, seine Fähigkeit auf eine Zuschauerin zu übertragen, bewies Häussler nicht ganz den richtigen Riecher. „Nadine, hörst du etwas, spürst du etwas?“ Er legte seine Hände an ihre Stirn. Die Testperson schüttelte den Kopf. „Und jetzt?“ Kopfschütteln. Wieder nichts. So eine übersinnliche Fähigkeit scheint eben doch nichts für jeden zu sein. Aber Skepsis hin oder her: Der Abend zeigte, dass es manchmal ganz schön ist, sich einfach verzaubern zu lassen.

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