Giengen In Giengen hergestellt: Die Asche für den Aschermittwoch

Giengen / Dieter Reichl 09.02.2018
Nach der närrischen Zeit kommt der Aschermittwoch – die katholische Kirchengemeinde ist vorbereitet.

Ab Dienstagabend ist der Faschings-Spaß auf einen Schlag vorbei. Unter Faschingsnarren aller Formen und Farben ist der Tag danach gefürchtet. „Am Aschermittwoch bin ich verlo-ho-ren“ singt Margit Sponheimer seit Jahrzehnten im TV-Dauerbrenner „Mainz bleibt Mainz“.

Beginn der Fastenzeit

Aber es hilft ja nichts: das Leben, dann wieder alltagsgrau und ganz und gar ohne Konfetti, geht weiter. Und zumindest für die Kirche ist der Aschermittwoch ein besonderer Tag, ist er doch zugleich der Auftakt der bis Ostern andauernden Fastenzeit. Und in den katholischen Gemeinden gibt es aus Anlass des Aschermittwochs besondere Gottesdienste, in Giengen in St. Maria morgens um 9 Uhr und in Heilig-Geist abends um 18.30 Uhr, aber in der dazu gehörigen Seelsorgeeinheit Unteres Brenztal auch in Burgberg, Hohenmemmingen und Sontheim.

In diesen Gottesdiensten findet, wie schon aus dem Namen des Wochentags Aschermittwoch herauszulesen, die Asche Anwendung. In den Eucharistiefeiern wird jedem vortretenden Gläubigen während des Gottesdienstes, üblicherweise nach der Predigt, ein wenig Asche entweder ins Haar gestreut oder aber als Kreuz auf die Stirn gemalt.

Dazu spricht der Priester ein Bibelzitat aus dem Buch Genesis, das mit dem Satz endet: „Denn Staub bist du und zum Staub kehrst du zurück.“

Die in den hiesigen katholischen Gemeinden verwendete Asche am kommenden Aschermittwoch kommt häufig aus Giengen. Dort nämlich wurde sie erst diese Woche wieder vom Mesner der Heilig-Geist-Kirche, Peter Werner, wie jedes Jahr neu hergestellt.

Osterzweige weiterverwendet

Grundlage hierfür sind, wie dies im Mesner-Handbuch vorgeschrieben ist, die im Vorjahr zur Osterzeit am Palmsonntag verwendeten Palmzweige, Buchs und sonstige Grüngewächse. Die Zweige und Äste stammen aus örtlichen Gärten, werden aus Anlass des Osterfestes gesegnet, als Schmuck verwendet und danach nicht weggeworfen, sondern von Mesner Werner aufbewahrt und eingelagert.

Im Glockenturm der Heilig-Geist-Kirche nämlich, dort überwintern sie bis Februar und können perfekt austrocknen. Diese Woche am Dienstag hat Peter Werner die jetzt dürren Zweige dann eingesammelt und zu sich nach Hause gebracht. Dort hat er einen blitzblank gesäuberten ehemaligen Waschkessel stehen, in dem speziell zur Herstellung der Asche die Zweige und Äste verbrannt werden. Die im Kasten des Kessels aufgefangene Asche wird gesiebt, der ganz feine Staub anschließend auf mehrere kleine Gefäße verteilt.

Von dem großen Haufen an Grünzeug bleibt nach dem Verbrennen eine relativ bescheidene Aschemenge übrig. Mesner Werner schätzt, dass es pro Jahr ein bis 1,5 Kilo an Asche sind, die dann vom Priester gesegnet und in den Gottesdiensten verwendet werden kann. Mit dieser Menge, so Werner, bleibt auch stets eine genügend große Reserve vorhanden. Und die in Giengen gefertigte Asche, so Werner, ist auch in umliegenden Kirchengemeinden gefragt.

Vielen ein Anliegen

Der Besuch des Gottesdienstes speziell an Aschermittwoch ist auch in heutiger Zeit keinesfalls „aus der Mode“ gekommen, sondern vielen Gläubigen noch ein Anliegen. Dies kann seitens des katholischen Kirchengemeinderats Rudolf Boemer bestätigen, der von einer größeren Zahl an Gottesdienstbesuchern berichtet als bei den üblichen Gottesdiensten.

Ein großer Teil davon gehöre zwar der älteren Generation an, aber es seien durchaus auch jüngere Menschen in der Kirche anzutreffen. Auch diesen sei es wichtig, nach den tollen Tagen der Unbeschwertheit bewusst in die Fastenzeit einzutreten und damit ein symbolisches Zeichen der Umkehr und eines Wechsels zurück in den Alltag und den „Ernst des Lebens“ zu setzen.