Giengen Draufgeblickt (32): Als die Rutsche im Bergbad noch kürzer war

Seit der Sanierung 1994 gehört die gelbe Rutsche zu den Attraktionen des Freibads in Giengen.
Seit der Sanierung 1994 gehört die gelbe Rutsche zu den Attraktionen des Freibads in Giengen. © Foto: Luftbild-Geyer
Giengen / Marc Hosinner 05.09.2018
Zur Eröffnung des Freibads 1954 strömten die Massen auf den Berg. Nach der Sanierung in den 1990ern verhielt es sich genauso.

Bürgermeister Walter Schmid war der erste, der bei offiziellen Einweihungsfeier Ende Juni 1954 die wenigen Stufen der kleinen Rutsche erklomm, um sich sodann in die „Fluten“ zu stürzen. Der Badebetrieb auf dem Schießberg lief damals allerdings schon einige Wochen: Am 6. Juni öffneten sich die Pforten des nagelneuen Freibads – und damit kurz vor der Inbetriebnahme des Waldbads in Heidenheim. Fast 30 000 Besucher kamen in den ersten drei Wochen ins Giengener Freiluft-Bad.

Dem Bau in Höhenlage war seinerzeit kontroverse Diskussion vorausgegangen, die sich in besonderem Maße auf den Standort bezog. Wo soll das Freibad gebaut werden?

Nicht nur der Schießberg stand zur Auswahl, auf den man sich im Juni 1953 einigte. Als Alternative war offenbar auch ein neues Bad an der Brenz – lange Zeit traditioneller Badeort Giengens – ins Auge gefasst worden.

Ein Flussbad schied allerdings wegen der verunreinigten Abwässer der Fabriken aus. Angedacht war zudem, das Freibad mit Becken und Liegewiese in der Schwage zu bauen. Dort jedoch war – wie später auch realisiert – ein größeres Baugebiet vorgesehen.

Hervorragende Sonnenlage

Blieb der Schießberg, der sich – so die Mehrheitsmeinung – wegen seiner landschaftlichen Schönheit, guter Erreichbarkeit und hervorragender Sonnenlage als am Besten geeignet erschien, um dort das Freibad zu bauen – zumal die Stadt dort sämtliche erforderlichen Grundstücke bereits besaß oder erwerben konnte, was offenbar an keiner anderen Stelle möglich gewesen wäre. Die Gesamtkosten für den Bau betrugen damals 517 333 Mark, was heute etwa 6,3 Millionen Euro entspricht.

Millionen Menschen frönten in den nächsten vier Jahrzehnten dem Badevergnügen. Die Rekord-Saison war das Jahr 1971, in dem laut städtischen Aufzeichnungen 197 284 Menschen in den Becken schwammen oder planschten.

Gestürmt wurde das Bad auch Mitte Juli 1994 – und das zum Nulltarif. Nach einer umfangreichen Sanierung strahlte das Bad bei der Feier zur zweiten Einweihung in neuem Glanz. Bereits 1983 war ein erstes Gutachten hinsichtlich einer Sanierung erstellt worden, eine Bäderfahrt des Gemeinderates und viele Diskussionsrunden schlossen sich an.

Zwischenzeitlich standen Modernisierungskosten von etwa zwölf Millionen Mark im Raum. Das Konzept wurde abgespeckt und letztlich schlug die Renovierung mit 6,5 Millionen Mark zu Buche. Dafür gab es unter anderem neue Edelstahlbecken, in denen das Wasser über den Winter verbleibt und erst im Frühjahr abgelassen wird. Auch eine neue Rutsche wurde errichtet, die einen länger anhaltenden Spaß bietet als das Vorgängermodell.

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