Giengen Mit 23 den Traumberuf Schäferin erlernt

Ein Herz und eine Seele: Schäferin Elischa Serpi und ein Lamm, das gerade erst auf die Welt gekommen ist.
Ein Herz und eine Seele: Schäferin Elischa Serpi und ein Lamm, das gerade erst auf die Welt gekommen ist. © Foto: Fotos: Sabrina Balzer
Giengen / Nadine Rau 16.08.2018
Elischa Serpi vom Bodensee hat für zwei Jahre in Giengen gelebt und bei der Schäferei Stegmayer ihre Ausbildung absolviert.

Irgendwie hat die Ziege es geschafft, hinter den Zaun zu kommen. Das soll sie nicht, aber bei 700 Schafen und ein paar dickköpfigen Ziegen kann man schnell den Überblick verlieren. Elischa Serpi geht mit ihrem Stecken los, einmal quer über die Weide, und als sie gerade da ist, hat es die Ziege wieder auf die andere Seite geschafft. Das ist heute schon das zweite Mal, man könnte meinen, die Ziegen ärgern Serpi absichtlich.

Das macht der 23-Jährigen aber nichts aus. Die frisch gebackene Schäferin – ganz korrekt nennt sich der Ausbildungsberuf Tierwirtin mit dem Schwerpunkt Schäferei – liebt es, die vielen Tiere draußen zu hüten – und erfüllt ihre Aufgaben dabei immer zu einhundert Prozent. „Manchmal ist sie fast schon zu korrekt“, sagt Schäferin Valerie Stegmayer von der Schäferei, in der Serpi ihre Ausbildung absolviert hat. Kein Wunder, dass sie beim sogenannten Abschluss-Hüten, ein Teil der praktischen Prüfung in ihrem Beruf, eine glatte Eins bekommen hat.

Mit Schafen bestens ausgekannt

Aber erst mal einen Schritt zurück: Elischa Serpi wohnt eigentlich am Bodensee in Allensbach. Sie kommt aus einer Großfamilie und bezeichnet sich selbst als Hofkind. Nach ihrem Schulabschluss war sie für ein Jahr an der landwirtschaftlichen Schule und hat anschließend drei Jahre auf ihrem eigenen Hof gearbeitet – mit Schafen natürlich. 500 Stück haben sie, allerdings betreiben sie keine Hüteschäferei. Das heißt, die Schafe werden meist zwischen Netzen gehalten und man läuft nicht auf Weiden mit ihnen umher.

„Ich wusste gar nicht, dass es den Beruf des Tierwirts in dieser Form gibt“, erzählt Serpi. Sie habe im Internet recherchiert und sei dort auf die Anzeige von Familie Stegmayer gestoßen. „Ich habe bewusst nach einer Hüteschäferei gesucht, die etwas weiter von daheim weg ist“, begründet die junge Schäferin ihre Wahl, nach Giengen zu ziehen. Abstand von zu Hause zu haben, ganz gleich wie schön sie es dort hat, war ihr wichtig.

Serpi war die erste Auszubildende der Giengener Schäferei. „Wir hatten schon ein paar Mal jemanden da, unter anderem welche, die über das Jobcenter von uns erfahren haben, aber das ging nie lange gut“, erzählt Valerie Stegmayer. Den Beruf müsse man sich bewusst aussuchen. Serpi war hierfür genau die Richtige, obendrein war es perfekt, dass sie sich schon mit Schafen ausgekannt hat. Sie kam mit ihrem Hund nach Giengen gereist, den sie während der zwei Jahre zum Hütehund ausgebildet hat. Gewohnt hat sie bei Stegmayers zu Hause, für mehr würde das Geld auch kaum ausreichen. Um die Schule zu finanzieren, bekam sie Unterstützung von ihren Eltern.

Kaum Gehalt

„Wir können Elischa kaum etwas bezahlen“, so Stegmayer. Schreckt das nicht ab? „Man hadert schon, bevor man sich endgültig dazu entschließt, diesen Weg zu gehen“, schildert es Serpi – aber sie habe mit ihrem Hof daheim schließlich eine Perspektive. Jetzt, da sie ihre Ausbildung beendet hat, geht sie wieder zurück an den Bodensee. „Mir wird das alles hier sehr fehlen. Ich versuche, das Hüten der Schafe zu Hause zu integrieren“, sagt sie. „Sie macht das so gerne. Es kam wirklich selten vor, dass sie eine andere Aufgabe vorgezogen hat“, erzählt Valerie Stegmayer. Dennoch schätzen die beiden die Vielseitigkeit an dem Beruf. „Man begleitet das Tier beim Heranwachsen, man ist Hebamme und Arzt und Kosmetikerin für die Schafe, muss aber auch handwerklich etwas können, das Winterfutter machen und darf Bulldog fahren“, zählen sie zusammen auf.

Ruhige Schäferin, lautes Organ

Wenn es auf die Weide geht, muss Serpi zunächst schauen, ob ein Lamm auf die Welt gekommen ist. Das kommt mit dem Muttertier in den Anhänger und wird später versorgt. Unterwegs muss die Schäferin aufpassen, dass die Grenzen zu den benachbarten Grünflächen eingehalten werden. Dafür schickt sie ihre Hunde in die sogenannten „Furchen“. „Ohne Hunde würde es nicht gehen, aber die Schafe folgen ganz gut“, sagt Serpi, die immer wieder laute Geräusche von sich gibt und pfeift. So ruhig sie in ihrer Art auch ist, ein lautes Organ hat sie. „Wenn sie in Hohenmemmingen oben hütet, dann höre ich sie“, sagt Stegmayer und lacht.

Von Giengen nicht viel gesehen

Von Giengen und dem Kreis hat Elischa Serpi nicht viel gesehen. Ihre Arbeitstage waren lang, manchmal von acht Uhr morgens bis zehn Uhr abends. Wenn sie Blockunterricht hatte, mit Fächern wie Fütterung, Vermarktung oder Produktion, war sie in einem Bildungszentrum im bayerischen Triesdorf. Was sie hier gesehen hat, gefiel ihr aber gut. „Es ist ganz anders als am Bodensee, aber nicht weniger schön“, sagt Serpi.

Wenn sie jetzt geht, wird ein Schaf sie bestimmt ganz besonders vermissen – eines, das immer zu ihr kam und Streicheleinheiten wollte. „Die Nummer kenne ich auswendig und ich erkenne das Schaf auch am Gesicht“, sagt Serpi – das sei ihre Freundin. Ab Herbst muss das Schaf mit der neuen Auszubildenden Vorlieb nehmen – es hat sich wieder eine junge Frau gefunden, die Schäferin werden möchte.

Die Schäferei Stegmayer im Brunnenfeld

„Mein Uropa war Schäfer, mein Opa auch und mein Papa kommt von einem Hof in Syrgenstein. Meine Mama hat früher auch Schafe gehütet und als die beiden sich kennengelernt haben, kauften sie den Hof im Brunnenfeld“, erklärt Tochter Valerie Valerie Stegmayer, die selbst im heimischen Betrieb als Schäferin mitarbeitet, die Anfänge des Betriebs ihrer Eltern.

Rechnet man alle Tiere der Stegmayers mit ein, sind es bis zu 1000 Stück. Die Familie lebt in erster Linie von der Landschaftspflege, der Verkauf der selbst geschlachteten Lämmer ist ein Zusatzverdienst.

Ihre Schafe hüten die Stegmayers abwechselnd in Syrgenstein, Staufen, Oggenhausen, Hohenmemmingen und Giengen. Je nach verfügbarer Fläche teilen sie die Tiere in zwei kleine Herden auf oder belassen es bei einer großen.

Weitere Schäfereien in der Nähe von Stegmayers gibt es noch in Hürben und in Hermaringen.

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