Giengen Insolvenz: Alle Mitarbeiter von Sconvey gekündigt

Im März hatte sich die Firma Sconvey in Stuttgart auf einer Messe noch mit zukunftsweisenden Themen präsentiert. Jetzt steht fest: Für das Traditionsunternehmen gibt es keine Zukunft.
Im März hatte sich die Firma Sconvey in Stuttgart auf einer Messe noch mit zukunftsweisenden Themen präsentiert. Jetzt steht fest: Für das Traditionsunternehmen gibt es keine Zukunft. © Foto: Patrick Vetter
Giengen / Marc Hosinner 31.07.2018
Beim Fördertechnik-Unternehmen geht's nicht weiter. Auf die Insolvenz folgt die Schließung. Die Gewerkschaft sieht Managementfehler als Ursache.

Bedrückend und deprimierend: So war die Stimmung am Dienstagvormittag, als die verbliebenen Mitarbeiter des Unternehmens Sconvey, ehemals bekannt als Steiff-Fördertechnik, in einer Versammlung erfuhren, dass der Betrieb geschlossen wird und sich die Hoffnung, die in das Insolvenzverfahren gesetzt wurde, nicht erfüllen wird. Am Dienstag wurden die Kündigungen ausgesprochen.

„Für alle brach eine Welt zusammen, als sie hörten, dass sie ihren Arbeitsplatz verlieren“, sagt Betriebsratsvorsitzender Johann Lewold, selbst seit 32 Jahren im Betrieb. „Ich dachte, wir können das hier gut zu Ende bringen“, so der 62-Jährige.

Die Kündigung trifft nach Angaben der Insolvenzverwaltung 47 Mitarbeiter. „Es waren mal mehr als 80. Vor einem Monat erhielten schon acht die Kündigung, aber viele sind in den letzten Monaten von sich aus gegangen. Das waren hauptsächlich jüngere Kollegen“, so der Betriebsratsvorsitzende. Jetzt seien überwiegend ältere, viele über 50 noch da und von der Schließung betroffen. „Die meisten sind aus Giengen, seit vielen Jahrzehnten im Betrieb und Facharbeiter“, so Lewold.

Im April hatte das Unternehmen Insolvenz angemeldet. Das auf die Sanierung von Unternehmen spezialisierte Büro Pluta war zunächst zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt worden und übernahm dann am 1. Juli, als die Insolvenz eröffnet wurde, die Insolvenzverwaltung.

Keinen Investor gefunden

Michael Pluta hatte sich Ende April vorsichtig optimistisch zur Zukunft des Giengener Traditionsbetriebs geäußert. „In den vergangenen Wochen führte Pluta gemeinsam mit seinem Team den Geschäftsbetrieb fort und startete zugleich einen Investorenprozess. Leider konnte jedoch kein Investor gefunden werden“, so Pluta in einer Pressemitteilung.

Aus diesem Grund und angesichts der sich zuletzt verschlechterten Auftragslage sei der Verwalter gezwungen, den Geschäftsbetrieb zeitnah einzustellen, da das Unternehmen im Insolvenzverfahren keine Verluste erwirtschaften dürfe, so Pluta. Trotz zahlreicher Gespräche habe kein Käufer gefunden werden können.

Mit dem Betriebsrat und der Gewerkschaft habe Insolvenzverwalter Pluta einen Interessenausgleich und Sozialplan vereinbart. Die Entscheidung für den Betriebsrat, dem Interessenausgleich und Sozialplan zuzustimmen, sei nicht leicht gewesen, so Willi Wolf, Gewerkschaftssekretär der IG Metall Heidenheim.

Die Produktion wird laut Insolvenzverwalter voraussichtlich bis Oktober 2018 fortgeführt und die verbliebenen Aufträge abgearbeitet sowie neue kleinere Aufträge angenommen.

Die IG Metall sieht Fehler des Managements als Ursache der Insolvenz und der darauf folgenden Schließung der Firma. „Erkennbar ist dies, weil die Geschäftsführung durch verschiedene Aktivitäten im Frühjahr die Insolvenz kommen sah. Das Filetstück, die Weberei mit acht Beschäftigten, wurde als eine eigenständige Gesellschaft aus der GmbH herausgelöst“, so Wolf, der noch deutlicher wird: „Wenn eigenmächtige Geschäftsführer, die ihr Handwerk nicht verstehen, Firmen in den Sand setzen können, ohne zur Verantwortung gezogen zu werden, stimmt in unserer Gesellschaft etwas nicht mehr.“

Wolfs Kritik geht an die Adresse von Dr. Stefan Uder. Der Geschäftsführer hatte sich in einem Gespräch mit der HZ anlässlich einer Messe für Fördertechnik im März in Stuttgart noch zuversichtlich hinsichtlich der Zukunft des Unternehmens geäußert.

Betriebsratschef Lewold sieht unter anderem die Abwicklung eines Großauftrags für eine Firma in der Region, für die eine neue Fertigungslinie gebaut wurde, als Knackpunkt an. „Das lief nicht so, wie man sich das vorgestellt hatte“, so Jewold.

„Mehrmalige Gesprächstermine zwischen Geschäftsführung und Betriebsrat wurden von der Geschäftsführung verschoben und abgesagt“, so Wolf über die Kommunikation in den vergangenen Monaten. Hinsichtlich der Arbeit des Insolvenzverwalters spricht er von „Bemühen“. Trotzdem seien Informationen durch die Insolvenzverwaltung erst auf mehrmalige Nachfrage geliefert worden.

Die IG Metall habe für Mitte des Monats bei der Agentur für Arbeit einen Termin vereinbart, an dem sich alle gemeinsam zur Meldung einfinden können.

Bedauern bei OB Henle

„Wir bedauern diese Entwicklung sehr“, äußerte Oberbürgermeister Dieter Henle in einer Stellungnahme zur Schließung des Unternehmens. „Sconvey zählt zu den traditionsreichen Unternehmen in unserer Stadt, die Situation sah zunächst lösbar aus.“

Als Stadt könne man den Beschäftigten nicht konkret und sofort zu Hilfe kommen. „Allerdings zählen die Ansiedlung von Unternehmen und die dadurch positive Entwicklung der wirtschaftlichen Gesamtstruktur zu unseren wichtigsten Anliegen“, so OB Dieter Henle. Im Rathaus hofft man, dass mindestens ein Teil der nun gekündigten Sconvey-Beschäftigten ohne längere Wartezeit wieder einen adäquaten Arbeitsplatz in Giengen finden wird.

Die Geschichte von Sconvey geht weit zurück

Die Geschichte der Fördertechnik aus Giengen von Margarete Steiff hin zu Sconvey begann vor nahezu 100 Jahren.

Im Jahr 1920 erfolgte die Gründung der Abteilung Weberei der Firma Margarete Steiff, gefolgt 1928 vom Patent über endlos gewebte Treibriemen. 1930 begann die Gurt- und Treibriemenweberei. Ab 1950 erfolgte die Serienproduktion von Transportbändern.

1978 kam es zur Gründung der Steiff-Fördertechnik GmbH. 2002 erfolgte eine Neuausrichtung des Unternehmnens und die Umfirmierung in Steiff-Förder- und Automatisierungstechnik GmbH.

Einen großen Einschnitt in der Firmengeschichte gab es 2005 mit der Loslösung von der Margarete Steiff Holding. 2007 erfolgte die Umbenennung des Traditionsbetriebes in Sconvey GmbH.

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