Giengen Industriepark an A7: Giengen berücksichtigt Landwirtschaft

Giengen plant an der A 7 einen zweiten Industriepark. Das ruft Kritik wegen des Flächenverbrauchs hervor.
Giengen plant an der A 7 einen zweiten Industriepark. Das ruft Kritik wegen des Flächenverbrauchs hervor. © Foto: Dieter Reichl
Giengen / Marc Hosinner 09.08.2018
Im Sommerinterview verdeutlicht Oberbürgermeister Dieter Henle die Bedeutung der Erweiterung für die Stadt. Die Belange der Landwirtschaft nehme man sehr ernst.

Die Pläne der Stadt Giengen, im Dreieck zwischen Autobahn und Bundesstraße492 einen zweiten Industriepark entstehen zu lassen, treffen nicht überall auf Gegenliebe und rufen vermehrt Kritiker auf den Plan. Diese sind hauptsächlich um den Flächenverbrauch – das Gebiet soll 40 Hektar umfassen – besorgt.

In einem Interview mit der HZ, sagt Oberbürgermeister Henle dazu: „Der Giengener Industriepark ist für die Stadt immens wichtig. Wenn wir mehr einnehmen wollen, können wir das über die Gewerbesteuer und durch neue Arbeitsplätze und damit über die Einkommenssteuer erreichen.“

„Wo macht das mehr Sinn als an einer Autobahn, wo schon ein Industriepark besteht, wo man wenig Zerschneidungseffekte für die Landwirtschaft hat“, stellt Henle hinsichtlich des gewählten Standorts in den Raum. Er sei sich durchaus bewusst, dass es um einen großen Flächenverbrauch für die Landwirtschaft gehe.

„Deshalb wollen wir im guten Miteinander für die Landwirte neue Pachtflächen zur Verfügung stellen. Der Prozess läuft gerade“, so der Rathauschef. Man sei gerade dabei ein Konzept zu entwickeln – über die vorgeschriebenen Ausgleichsflächen hinaus. „Wir haben das Öko-Konto im Blick“, sagt Henle.

Alleingang ohne Herbrechtingen

Den Alleingang – schließlich wird seit 20 Jahren im Zweckverband mit Herbrechtingen der bestehende Industriepark geführt – begründet Henle wie folgt: „Das ist immer noch ein sehr gutes Miteinander im Zweckverband. Nachdem alle Flächen auf Giengener Gemarkung liegen, wollten wir das in Selbstverwaltung angehen.“

Darüber hinaus befürchtet Henle nicht, dass der neue Industriepark – etwa bei sich abschwächender Konjunktur – zu lange leer stehen wird. „Wir wollen ein gutes Risikomanagement an den Tag legen. Im September wollen wir deshalb dem Gemeinderat ein Finanzierungskonzept vorstellen und aufzeigen, wie wir die Grundstücke finanzieren wollen. Zudem wollen wir erläutern, wie es um Interessenten bestellt ist. Wir wollen Kriterien festlegen, an wen wir verkaufen wollen. Wenn wir schon landwirtschaftliche Fläche zur Verfügung stellen, soll die nicht 20Jahre brachliegen. Es soll schnell etwas geschehen“, so der OB.

Arbeitsplätze ausschlaggebend

Die Ansicht, wie zuletzt von einzelnen Giengener Räten befürchtet, dass sich nur Logistiker ansiedeln werden, teilt Henle nicht. „Auch Logistiker bringen Arbeitsplätze und Gewerbesteuer. Wir wollen aber einen verträglichen Mix herstellen. Ausschlaggebend wird sein, wie viel Arbeitsplätze entstehen und wie viel Gewerbesteuer fließt.“

Das vollständige Interview erscheint in der Ausgabe am Samstag.

Hermaringen lehnt Erweiterung ab: „im Moment keinen Einfluss aufs Verfahren“

In seiner jüngsten Sitzung hatte der Gemeinderat Hermaringens - mit der Giengen in einer Verwaltungsgemeinschaft verbunden ist - die Erweiterungspläne der Großen Kreisstadt mit großer Mehrheit abgelehnt.

Können Hermaringer die Pläne kippen?

„Im Moment hat die Abstimmung im Gemeinderat Hermaringen noch keinen Einfluss auf das Genehmigungsverfahren. Das Verfahren steht ja erst am Anfang“, so Giengens Oberbürgermeister Dieter Henle. Man sei überrascht über das Abstimmungsergebnis gewesen.

Henle habe aber sofort Kontakt mit Bürgermeister Jürgen Mailänder aufgenommen. „Die Gemeinde Hermaringen ist für Giengen wichtiger Partner in der Zusammenarbeit. Ich bin in konstruktiven Gesprächen mit meinem Kollegen“, so der OB.

Das Stadtoberhaupt ist zudem zuversichtlich, dass die Änderungen im Flächennutzungsplan, von denen es drei gibt, in der Verwaltungsgemeinschaft im September gemeinsam auf den Weg gebracht werden können. Für die Entwicklung beider Gemeinden sei das sehr wichtig.

Wie inzwischen bekannt wurde, wird der Gemeinderat Hermaringen in seiner Sitzung am nächsten Donnerstag erneut über die geplante Erweiterung in Giengen sprechen.

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