Medizin "Verah" entlastet Hausärzte in Giengen

Als Versorgungsassistentin in der Hausarztpraxis (Verah) auf dem Weg zu den Patienten: die Gerstetterin Nina Lang. Neben ihr ihr Chef, der Allgemeinmediziner Dr. Rudolf Fuchs.
Als Versorgungsassistentin in der Hausarztpraxis (Verah) auf dem Weg zu den Patienten: die Gerstetterin Nina Lang. Neben ihr ihr Chef, der Allgemeinmediziner Dr. Rudolf Fuchs. © Foto: Foto: Dieter Reichl
Giengen / Dieter Reichl 12.02.2014
Alarmglocken schrillen noch keine, wenn es um die Hausarztversorgung in Giengen geht. Aber: das kann sich ändern. Das Verah-Programm des Hausärzteverbands, das jetzt auch in Giengen mit dem Verah-Mobil ins Rollen kommt, kann bereits jetzt Hausärzte entlasten.

Mehrmals pro Woche verlässt die medizinische Fachangestellte Nina Lang die Praxis in der Oggenhauser Straße und flitzt los. Ihre Route führt kreuz und quer durch die Stadt und in die umliegenden Ortschaften. Die 27-jährige hat eine Weiterbildung zur Versorgungsassistentin in der Hausarztpraxis, kurz „Verah“, gemacht. Sie unterstützt seitdem ihren Chef, den Allgemeinmediziner Dr. Rudolf Fuchs, indem sie ihm Routine-Hausbesuche abnimmt. Jetzt steht Nina Lang dafür ein eigenes Auto, das so genannte Verah-Mobil, zur Verfügung. Sinn der Verah und des Autos ist es, Hausbesuche und damit die ärztliche Versorgung vor allem in ländlichen Regionen langfristig abzusichern.

Denn: auch wenn derzeit die Versorgung der Giengener mit Hausärzten noch ausreichend ist, zeichnet sich ein Mangel an Allgemeinmedizinern ab. Derzeit praktizieren nach AOK-Angaben noch 15 in der Stadt, wobei allerdings der Altersdurchschnitt recht hoch ist. Die Krankenkasse rechnet damit, dass im Landkreis in den kommenden zehn Jahren ein Drittel der Hausärzte ihre Praxen aufgeben werden, wobei eine Übernahme zumeist nicht gegeben ist. Oft sei es bereits heute so, berichtete Ingeborg Erasin vom AOK-Kundencenter, dass Patienten, wenn sie wechseln wollen, bei anderen Praxen aufgrund hoher Auslastung nicht aufgenommen werden.

Ärzteversorgung: "Es ist jetzt fast schon eng"

„Jeder Arzt, der jetzt aufhört wird fehlen. Es ist fast jetzt schon eng“, sagt dazu Rudolf Fuchs, der seit 33 Jahren in Hermaringen und Giengen als Hausarzt praktiziert. Ein Problem ist, dass der ländliche Raum aus unterschiedlichen Gründen für Hausärzte nicht sonderlich attraktiv scheint. Was für Fuchs nicht gilt. Er habe sich auf dem Lande „stets wohl gefühlt.“

In jedem Fall ist es das Ziel aller Beteiligten, die ärztliche Versorgung auch im ländlichen Raum langfristig zu sichern. Um dies zu erreichen, darin sind sich alle einig, müssen die Hausärzte entlastet werden. Dazu hat der Hausärzteverband eine spezielle Weiterbildung entwickelt: eben besagte „Versorgungsassistentin in der Facharztpraxis“, kurz Verah. Diese arbeitet zu über 70 Prozent im ländlichen Raum und übernimmt Routineaufgaben vor allem bei chronisch kranken Patienten, die den Weg in die Praxis nur schwerlich bewältigen könnten.

"Verah" übernimmt Verbandswechsel, Butabnahme und mehr

Rudolf Fuchs ist dem Hausarztprogramm der AOK (worin das Verah-Programm mitfinanziert wird) vor fünf Jahren beigetreten. Seine Mitarbeiterin Nina Lang hat die Verah-Fortbildung im September 2013 vollendet. „Sie nimmt mir aufwendige, zeitintensive Behandlungen wie Verbandswechsel, Blutdruckmessung, Blutabnahme und Spritzen ab, sie fungiert quasi als mein verlängerter Arm“, berichtet der Giengener Hausarzt. „So können wir die Versorgung von Chronikern in Giengen und Hermaringen durch Hausbesuche deutlich verbessern. Dies ist eine optimale Lösung für alle: für mich als Hausarzt, für die Verah und natürlich für den Patienten.“

Und auch Nina Lang selbst berichtet von positiven Erfahrungen als „Verah“ – ihr Aufgabenfeld ist anspruchsvoller geworden, und die Beziehungen zu den Patienten sind intensiver und auch vertrauter geworden – fast wie bei einem Arzt. Sie glaubt, so mancher Patient, dabei vor allem Frauen, würden ihr mehr persönliche Dinge anvertrauen als ihrem Arzt.

Und nicht nur sie, auch ihr Chef Rudolf Fuchs zieht nach den ersten Erfahrungen bereits eine positive Bilanz: „Verah wollen wir nicht mehr missen.“


Info: Bisher zwei Verah-Mobile im Kreis unterwegs

Die Praxis von Dr. Rudolf Fuchs hat das zweite Verah-Mobil im Landkreis Heidenheim erhalten. In Nattheim hat noch die Praxis von Dr. Ganzenmüller solch ein Auto. In Ostwürttemberg sind mittlerweile sechs dieser Kleinwagen mit einheitlichem Aussehen unterwegs. Auf der Heckscheibe ist die Praxisbezeichnung angebracht. Der Einsatz der Verah-Mobile soll deutlich ausgeweitet werden: Mehr als 1000 dieser Autos sollen in den nächsten fünf Jahren auf den Straßen Baden-Württembergs zur Patientenversorgung unterwegs sein.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel