Giengen Tourismus in Hürben: Wer kommt denn da?

Besucher von weit her am Hürbener Höhlenhaus.
Besucher von weit her am Hürbener Höhlenhaus. © Foto: Nadine Rau
Giengen / Nadine Rau 31.08.2018
Hürben hat sich in den vergangenen Jahren zu einem wahren Magneten für Touristen entwickelt. Aber wer geht eigentlich hin – und warum?

Der Hochschwarzwald und Rosenheim liegen nicht gerade um die Ecke. Trotzdem sind an diesem Samstag im August Besucher beim Höhlenhaus unterwegs, die von dort kommen. Sechs Erwachsene sitzen an einem Tisch, sie sind ausgelassen und gut gelaunt, unterhalten sich und lachen viel. Die dazugehörigen sechs Kinder vergnügen sich derweil am Wasser. Wie kommt's, dass die Gruppe in Hürben gelandet ist?

„Wir drei Familien machen jedes Jahr einen gemeinsamen Ausflug an einen Ort, der für alle gut erreichbar ist“, erklärt einer. Dieses Mal war das Ziel Ulm, wo in einer Jugendherberge übernachtet wird. Weil es für Kinder aber nicht sehr spannend ist, in Ulm durch die Stadt zu gehen, hätten sie sich nach Ausflugszielen umgesehen – und die Jugendherberge hatte einen Flyer parat, der Hürben anpreist. Obendrein gab es im Internet jede Menge Informationen dazu, was man rund um Ulm mit Kindern machen könnte. Hürben sei immer dabeigewesen.

„Sind schon den ganzen Tag hier“

„Wir sind schon den ganzen Tag hier“, so die Truppe. Erst habe man sich die Charlottenhöhle angesehen, danach sei man zum Höhlenhaus gekommen. Das Höhlenhaus, das 2005 eingeweiht worden ist, war eine Idee von Eduard Geisser vom Höhlenverein, der bei einem Urlaub in Neuseeland Ähnliches gesehen hatte.

„Wasserspiele wären vielleicht noch ganz schön“, regt eine der Mamas an – und meint damit zum Beispiel ein Wasserrad oder eine Pumpe, das sich an der Hürbe anbieten würden.

Von so weit her wie sie und ihre Gruppe kommen nicht alle Gäste am heutigen Tag. Am Nebentisch sitzt ein Ehepaar, das aus Bächingen mit dem E-Bike nach Hürben gekommen ist – und zwar wegen des hausgemachten Kuchens. „Das spricht sich herum“, erzählt der Mann, der am liebsten Donauwelle isst. Seine bessere Hälfte bevorzugt den Schneewittchenkuchen.

Kuchen wird direkt vor Ort gebacken

Der Kuchen wird direkt im Höhlenhaus gebacken und lockt viele Gäste an, ein Gast aus Günzburg zum Beispiel verrät, dass er nur deswegen immer wieder herfahre. Auch das Ehepaar kommt öfter die rund 25 Kilometer nach Hürben, und wenn das nicht das Ziel ist, „dann vielleicht noch Lindenau“, sagt der Besucher.

Für die Großeltern Kaffee und Kuchen, für die Kinder Pommes und Eis: Das bestellen die Gäste, die noch einen Tisch weiter sitzen, jedes Mal. Sie kommen aus Nerenstetten und sind mit dem Auto gekommen, das dauert gerade mal eine viertel Stunde.

„Die Enkelkinder können hier schön spielen“, sagt das ältere Ehepaar. Deshalb sei Hürben ziemlich oft das Ziel. Den Besuchern aus Aalen wieder einen Tisch weiter gefällt es in Hürben deshalb so gut, weil man in der Umgebung etwas wandern könne und es selbst für diejenigen, die nicht so gut zu Fuß sind, wegen des nahen Parkplatzes gut möglich sei, die Anlage zu besuchen. „Ich werde mit meinen Enkeln bald auch mal kommen“, so die Aalenerin.

Am Sonntag arbeiten Schüler

Wer immer da sein muss, dass der Laden läuft, das ist Personal in der Küche, an der Kasse und in der Höhle. Das Gastronomie-Team ist rund 20 Mann stark und besteht aus Abiturienten, Hausfrauen, Rentnern, die gerne noch ein bisschen arbeiten und aus vielen Schüler, die teilweise zum Team gehören, seit sie 16 Jahre alt sind. Das alles weiß Bärbel Haschka, die seit 11 Jahren dazugehört. „Meine Leute habe ich das ganze Jahr über zur Verfügung“, sagt sie.

Manche hätten als Schüler angefangen und würden selbst dann, wenn sie schon mitten in der Ausbildung stecken und den ganzen Tag arbeiten müssen, sonntags noch beim Höhlenhaus helfen. „Es gefällt ihnen einfach gut hier“, so Haschka. Das Team sei deshalb verhältnismäßig jung.

Viele Schüler als Höhlenführer

Ebenfalls viele Schüler sind als Höhlenführer in der Charlottenhöhle tätig. Der Höhlenverein ist aber stets auf der Suche nach weiteren Führern, weil „immer mehr Touristen kommen“, sagt Haschka. Wenn die Schüler einmal fürs Studium wegziehen müssen, würden schnell Höhlenführer wegfallen. Manche von ihnen kämen dann aber in den Semsterferien wieder.

Seit drei Jahren ebenfalls immer besetzt ist eine Stelle für eine Art freiwilliges soziales Jahr, nur eben im kulturellen Bereich. Ein einstiger Höhlenführer und ein einstiges Mitglied des Gastroteams haben zunächst ein solches freiwilliges Jahr absolviert, derzeit ist ein junger Mann aus der Nähe von Backnang dort beschäftigt. Kommendes Jahr, so Haschka, komme wieder ein Giengener für ein Jahr.

Zwar nicht zum Arbeiten, aber dennoch regelmäßig, kommen viele Stammgäste ins Höhlenhaus. „Die kommen aus der Umgebung und fahren nicht in den Urlaub“, sagt Haschka. Andere Gäste halten für ein paar Tage mit dem Wohnmobil, wenn sie von Norddeutschland aus auf der Durchreise in den Süden sind.

Gäste aus nordischen Ländern

In den deutschen Süden zieht es aber nicht nur Gäste aus Norddeutschland, sondern sogar aus den nordischen Ländern. „Wir kriegen immer mehr Besuch aus Schweden, Finnland und Norwegen, das sollte man nicht meinen.“ Doch auch Spanier und Italiener würden vorbeischauen.

Wie viele Besucher tatsächlich jedes Jahr allein im Höhlenhaus sind, das lässt sich zumindest für den Bereich der Gastronomie nicht sagen. „Genaue Zahlen gibt es aufgrund der Eintrittskarten nur für die Höhle und das Höhlenschauland“, erklärt Haschka (siehe extra Artikel). Was sie aber für ihren Bereich schon jetzt sagen kann: „Dieses Jahr stellt alles in den Schatten.“

Burgberg: Nur ein Stück weiter wartet die nächste Anlage

Noch etwas im Schatten steht neben den Hürbener Attraktion ein Stücken weiter die Naherholungsanlage am Stettberg in Burgberg. Die Dorfgemeinschaft stellt hier über den Sommer ein Tipi auf, es gibt Spielgeräte für Kinder, mehrere Bänke und eine Kneippanlage.

Das Problem: Manchmal ist kaum etwas los. Zwei Radler aus Herbrechtingen haben heute Rast gemacht und die Füße im Wasser abgekühlt, ein weiterer Radler saß zum Ausruhen im Schatten. Das schöne Fleckchen Natur ist eben ein bisschen versteckt. Eine Burgbergerin, die heute ein Dorf weiter im Höhlenhaus sitzt, erzählt, dass die Anlage mehr von Bürgern aus dem eigenen Dorf besucht würde.

Dennoch gibt es durchaus Nachmittage, an denen Trubel herrscht in Burgberg: Jüngst kam eine Gruppe aus Ulm, die im Rahmen einer Ferienfreizeit das Steiff-Museum besucht hatte, für den ganzen Mittag an die Anlage. Und wer weiß – vielleicht tummeln sich bei entsprechender Werbung auch hier bald noch mehr Gäste.

43 000 Besucher pro Jahr in Hürben

Die Saison 2017 war eine überaus erfreuliche für den Höhlenverein: 43023 Besucher kamen vergangenes Jahr nach Hürben. Der Spitzenwert der vorhergehenden Jahre ist damit um gut 1000 Besucher übertroffen worden.

Erklärt hat man sich den Besucherandrang durch gute Werbung und Reklame, zum Beispiel bei der Touristikmesse in Stuttgart. Hinzu kam das gute Wetter, der stärkste Monat war der August mit 10 000 Besuchern.

Viele Schulklassen hatten großen Anteil an der Besucherzahl. Die gingen oft nicht nur die Höhle selbst, sondern auch in das benachbarte Erlebnismuseum Höhlenschauland. Nur für den Gastrobereich gibt es keine Zahlen.

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