Giengen Goißlschnalzer Werner Wiedenmann steckt voller Elan

Werner Wiedenmann gehört zu den Fidelen Melkkübeln ebenso wie nach Hohenmemmingen.
Werner Wiedenmann gehört zu den Fidelen Melkkübeln ebenso wie nach Hohenmemmingen. © Foto: Archiv
Giengen / Nadine Rau 05.12.2018
Giengener Köpfe: Werner Wiedenmann gehört von Beginn an zu den Hohenmemminger Goißlschnalzern, aber damit ist es bei ihm noch lange nicht getan.

Abends um halb zehn, wenn viele Leute längst auf dem Sofa sitzen oder bereits ins Bett gegangen sind, beginnt bei den Goißlschnalzern die Probe in der Hohenmemminger Gemeindehalle. Nein, wir haben uns nicht verschrieben – um halb zehn, einmal pro Woche.

Nicht fehlen darf dabei der erste Vorsitzende Werner Wiedenmann. Seit 17 Jahren leitet er bereits seine Truppe, die er vor vielen Jahren auch mitgegründet hat (mehr zur Gründung siehe Infotext ganz unten). Die Goißlschnalzer wiederum haben ihren Ursprung in der Landjugend, in der Wiedenmann einst Volkstänze zusammengestellt und Theater gespielt hat. Es zeichnet sich schon ab: Dieser Mann steckt voller Elan.

Aber der Reihe nach. Wiedenmann ist in Hohenmemmingen aufgewachsen und ist, das kann man getrost sagen, Hohenmemminger durch und durch. Sein Elternhaus liegt direkt an der Hauptstraße und damit mitten im Geschehen, so wie er selbst es auch immer war und ist. Neben sein Elternhaus hat er später sein eigenes Heim gebaut, in dem er bis heute mit seiner Frau und seinen drei Söhnen lebt.

In Hermaringen bei der Metzgerei Schmid hat Wiedenmann sich zum Metzger ausbilden lassen und dort 38 Jahre lang gearbeitet. Überdies war er als Hausmetzger tätig und damit bei vielen Leuten, nicht nur in Hermaringen, im Haus, um deren Vieh zu schlachten. Heute arbeitet Wiedenmann noch immer als Metzger, allerdings in Hohenmemmingen und nur für zwei Tage in der Woche. Nebenher ist er nämlich noch Landwirt mit einem eigenen Schlachtraum, hält Schweine und Kühe neben dem Haus.

„Die Schweine sind mein Hobby“

„Rentabel ist das kaum noch, aber die Schweine sind mein Hobby“, sagt der Landwirt über seine Tiere. Und nicht nur mit Tieren, auch mit Menschen kann es Wiedenmann gut. „Ich kam durch meinen Beruf in einige Häuser hinein, habe viel Kontakt zu anderen Leuten gehabt, ich kenne so viele“, sagt er an seinem Esszimmertisch.

Und das liegt bei weitem nicht nur an seinem Beruf. Neben der bereits erwähnten Landjugend, den daraus entstandenen Goißlschnalzern und den daraus wiederum entstandenen Fidelen Melkkübeln hat Wiedenmann während seiner Jugend beim RSV Hohenmemmingen Fußball gespielt. Auch bei der Feuerwehr war er 25 Jahre aktiv, im Gesangverein hat er einmal mitgesungen, die Kinderkirche hat er schon mitorganisiert, nicht zuletzt ist er beim Obst- und Gartenbauverein Mitglied. „Aber nur passiv“, sagt Wiedenmann sofort – in seiner entspannten Art.

Heuer feierte Wiedenmann seinen 60. Geburtstag. „Eigentlich wollte ich kein Fest, aber das war nicht möglich“, erzählt er und lacht. Von elf Uhr morgens an habe er mit seinen Gästen knapp zwölf Stunden im Clubheim gefeiert. Zu seinem 60. hat er sich zudem eine Rundreise mit dem Schiff bei Dubai mit seiner Frau gegönnt. In all den Jahren zuvor war er kaum mal länger weg von Hohenmemmingen, wo stets viele Pflichten zu erfüllen waren.

„Wenn überhaupt, sind wir ein paar Tage weggefahren“, weiß sein Sohn Matthias Wiedenmann, der Volkstanzleiter bei der Landjugend ist, so wie sein Vater früher. Überhaupt sind alle drei Söhne von Werner Wiedenmann in gewisser Hinsicht in seine Fußstapfen getreten, sind musikalisch sehr aktiv.

„Jedes Wochenende auf dem Tanz“

Ein Musikinstrument spielt der Papa selbst zwar nicht, aber wer Liedtexte schreibt, sich Tänze ausdenkt und Musik für Auftritte zusammenstellt, dem steckt die Musik im Blut. Nicht zu vergessen der Tanzkreis, den Wiedenmann mit seiner Frau besucht. „Früher war ich jedes Wochenende auf dem Tanz“, erinnert sich Wiedenmann, der sich mit der Zeit mehr und mehr den Goißlschnalzern gewidmet hat. Das wichtigste für ihn sind dabei die Kameradschaft und die tollen Auftritte, auch die Abwechslung spielt eine wichtige Rolle. „Man kann die Musik auswählen, die man für sein Publikum möchte – und diese Abwechslung zieht bei uns“, vermutet der 60-Jährige.

Er erinnert sich noch gut an die ersten Auftritte: Dorffest, Hundeverein, Charlottenhöhle. Als es aus dem Kreis hinausging, nach Sindelfingen etwa, durften die Goißlschnalzer sogar durch den Künstlereingang. „Das war schon etwas Besonderes für uns Bauern“, sagt Wiedenmann – und muss noch heute darüber schmunzeln. Ein Höhepunkt sei für ihn der Almabtrieb in Pfronten gewesen. „Das waren wirklich Erlebnisse für mich.“

Doch so positiv das alles auch klingt – der Verein ist dennoch mit viel Arbeit verbunden. „Ich bin beruflich ziemlich eingespannt, arbeite oft sonntags oder bis neun Uhr abends. Der Verein ist ein Ausgleich, aber es ist auch anstrengend“, beschreibt Wiedenmann. Er betont auch, dass nur dank der tollen Truppe und des tollen Vorstands seit Jahren alles am Laufen gehalten werden könne (Apropos Vorstand: In der Landjugend waren einst Werner Wiedenmann sowie ein weiterer Werner Wiedenmann aus Hohenmemmingen die Vorsitzenden Nummer eins und zwei).

Seiner Frau sehr dankbar

Bei der nächsten Wahl will er sich nicht mehr aufstellen lassen, hofft auf die Jüngeren, die seinen Part übernehmen. Sehr dankbar ist Wiedenmann seiner Frau, die das seit Jahren alles mitmacht.

„Das muss man sich überlegen. Wenn wir einen Auftritt haben, sind gleich vier Garnituren zu waschen“, lobt der Hohenmemminger seine bessere Hälfte. Vielleicht erfüllt er sich eines Tages seinen letzten Traum, schnappt sich seine Frau – und reist in die Karibik.

Gegründet um vier Uhr morgens – die Hohenmemminger Goißlschnalzer

Die Goißlschnalzer gibt es in Hohenmemmingen bereits seit 1991. Noch um vier Uhr morgens, das erzählte einst Werner Wiedenmann unserem Redakteur Edgar Deibert, hatte damals die Landjugend ihr 25-jähriges Bestehen gefeiert. Zu diesem Anlass hätten sich ehemalige Vorstände im Rössle getroffen.

Der Plan wurde geschmiedet: Die Goißln zu schwingen. Im Dorf hatte sich das Vorhaben schnell herumgesprochen, wodurch aus einer bloßen Idee eine Tat wurde. So ungewöhnlich der Zeitpunkt der Gründung, so ungewöhnlich war auch die Zeit der ersten Probe. Diese fand an einem Silvesternachmittag im Schratenhof statt.

2003 hat Wiedenmann die Fidelen Melkkübel als Ergänzung formiert, um das ländliche Brauchtum auch auf kleineren Bühnen präsentieren zu können. Für das Publikum gespielt wird mit gewöhnlichen Instrumenten, als Rhythmusgeräte geben aber auch Milchkannen, Sensen oder Waschbrett, Ratsche und Melkkübel den Ton an.

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