Giengen Dieter Henles 100 starke Tage

Wurde zum neuen OB in Giengen gewählt: Dieter Henle.
Wurde zum neuen OB in Giengen gewählt: Dieter Henle. © Foto: Markus Brandhuber
Giengen / Marc Hosinner 24.01.2018
Giengens Oberbürgermeister Dieter Henle erntet für seine bisherige Arbeit viel Zuspruch. Der Rathauschef setzt dabei auf Gespräche und den Konsens statt auf Konfrontation.

Wie schnell die Zeit vergeht: 100 Tage sind inzwischen ins Land gezogen, seit Dieter Henle Chef im Rathaus wurde. „Ja, ich will“ – mit diesen Worten hatte Henle die Verpflichtung auf sein Amt als Oberbürgermeister Mitte Oktober bekräftigt.

Von seinem Anfangselan hat das Stadtoberhaupt noch nichts eingebüßt. Im Interview spricht OB Henle über die zurückliegenden Wochen und blickt auf kommende Aufgaben.

Sie sind jetzt 100 Tage Oberbürgermeister Giengens. Gab es darunter einen Tag, an dem Sie nicht im Rathaus waren?

Nein, den gab es in der Tat nicht. Zumindest war ich mal kurz da, um den Schreibtisch aufzuräumen oder kam abends nochmal rein, um Dinge aufzuarbeiten an Tagen, an denen viele Termine anstanden.

Und an Weihnachten?

Da war ich dann schon zu Hause. Meine Sekretärinnen haben mich kürzlich daran erinnert, dass man die Urlaubsplanung angehen sollte. Ich war mit meiner Frau Anfang Januar zwei Tage in München. Das muss erst mal genug Urlaub sein.

Wie waren die ersten 100 Tage im Amt? Das ging sicher alles sehr schnell.

Das verging wirklich wie im Flug und ich habe keinen einzigen Tag bereut. Es gab nur Zuspruch und Unterstützung. Klar gibt es das eine oder andere Thema, das weniger Spaß macht, aber auch da muss man durch. Mit den ersten 100 Tagen bin ich absolut zufrieden. Das hat sehr stark begonnen.

Sie legen ein fast schon atemberaubendes Tempo vor. Besteht dabei nicht die Gefahr, dass manche im Rathaus nicht mithalten können beziehungsweise den Anschluss verlieren?

Nein, da bin ich im guten Gespräch sowohl mit dem Gemeinderat, als auch mit den Mitarbeitern. Es ist ein sehr hohes Tempo. Ich denke aber, dass wir in Giengen in manchen Bereichen ein Stück weit aufholen müssen. Da gilt es, die positive Stimmung und die konstruktiven Vorschläge bei der Bevölkerung als auch bei den Unternehmen aufzunehmen und in Taten umzusetzen. Wir wollen die Vorhaben gut vorbereiten und planen, um sie dann zügig zu realisieren.

Die Walter-Schmid-Halle war am Sonntag beim Neujahrsempfang proppenvoll. Die Bürger scheinen sehr neugierig auf ihren OB zu sein. Empfinden Sie das auch so?

In der Tat. Im Vorfeld kamen Menschen auf mich zu, die gesagt haben, sie seien noch nie auf dem Neujahrsempfang gewesen. Die waren dann am Sonntag erstmals da. Es macht einen schon ein Stück weit stolz, dass man mit den Nachrichten, die man sendet, ankommt. Es vergeht kein Tag, an dem sich nicht jemand auf unterschiedlichen Kanälen bei mir meldet. Die Menschen sind dankbar, dass sie eine Rückmeldung bekommen.

Sie wollen für die Bürger da sein, sie fordern aber auch etwas von ihnen. Das Stichwort Bürgergesellschaft steht bei Ihnen nicht nur auf dem Papier.

Sie ist für mich keine Einbahnstraße. Wir erreichen unsere Ziele nur, wenn wir gemeinschaftlich voran gehen. Das beginnt beim Besuch von Veranstaltungen, geht weiter beim Einkaufsverhalten. Es sind Domino-Effekte. Das Thema fängt schon in der Nachbarschaft an, in der sich Menschen auf Dinge aufmerksam machen, die nicht gut laufen. So entsteht ein Umdenken. Wir müssen den Stolz auf die Stadt wieder nach außen tragen.

Haben Sie den Eindruck, dass manche Menschen darauf gewartet haben, dass man sie abholt?

Ja. Das erlebe ich sowohl in der Marktstraße bei Gesprächen und geht weiter bei Besuchen in den Teilorten. Mir wird dann gesagt, man sei es nicht gewöhnt, dass der Oberbürgermeister so oft kommt. Mir ist das aber sehr wichtig. Ganz besonders merke ich das aber bei der Wirtschaft, die bereit ist, sich vor Ort einzubringen. Das stimmt zuversichtlich.

Sie sagten am Sonntag auch, es sei erstaunlich, was man alles in 100 Tagen erreichen kann, wenn man nur wolle. Können Sie das aber näher erklären?

Wenn wir im Konsens nach Lösungsmöglichkeiten suchen, können wir etwas erreichen. Es geht darum, auf Leute zuzugehen und in Gesprächen Kompromisse zu finden, mit denen alle Leben können, ohne dabei grundlegende Ziele aufzugeben. Da hilft es, eigene Befindlichkeiten weniger wichtig zu nehmen. Die Verwunderung war bei mir zum Teil schon groß, warum man nicht schon früher so vorgegangen ist.

Kommen wir zu einzelnen Themen, über die Sie im Wahlkampf und in den ersten 100 Tagen gesprochen haben. Am Freitag endete die Bewerbungsfrist für den Wirtschaftsförderer. Wie geht es weiter?

Nach der Sichtung der Unterlagen geht es in die Vorstellungsgespräche. Im März wird sich der Gemeinderat damit beschäftigen. Wir haben sehr gute Bewerbungen bekommen.

Besteht beim Wirtschaftsförderer nicht die Gefahr, dass er sich verzettelt? Als Kümmerer soll er sich um viele und große Aufgaben kümmern.

Der Wirtschaftsförderer wird sehr viel unterwegs sein und Gespräche führen müssen mit dem GHV, mit Unternehmen, aber auch mit Eigentümern von Grundstücken und Immobilien. Dass der Job machbar ist, zeigen aber andere Städte. Unsere Probleme mit Leerständen und Online-Handel gibt es auch anderswo. Außerdem wird der Wirtschaftsförderer nicht bei Null anfangen müssen. Es wurde schon Vorarbeit geleistet. Wichtig ist ein roter Faden. Den werden wir vorgeben.

Ein Großprojekt für die nächsten Jahre wird der Neubau des Kindergartens Lederstraße. Der war überfällig.

Nicht nur der Kindergarten ist überfällig, sondern auch eine fundierte Kindergartenbedarfsplanung. Wir sind gerade in Gesprächen mit den freien Trägern wie den beiden Kirchen, um vertraglich vernünftige Ausgangslagen zu haben. Wir haben einen Bedarf, das sieht man an den Wartelisten.

Sie haben auch die Notwendigkeit von ausreichend vorhandenen Baugrundstücken betont. Da schließt sich dann mit Kindergartenplätzen der Kreis, um junge Familien anzusiedeln.

Ich sehe das als Mosaik. Wenn ich einen Baustein einfüge, kommen die anderen dazu. Familien schauen heute ganz genau, was in Giengen geboten ist in Bezug auf Freizeit, Wohnen, Schulen und Kinderbetreuung.

Direkt vor ihrem Fenster stehen nächstes Jahr Umbauten an. Ab heute sind konkurrierende Entwürfe für den neuen Rathausplatz in der Schranne ausgestellt. Wie beurteilen Sie die Bewerbungen?

Ich bin froh, dass so gute Entwürfe eingegangen sind. Nun folgt der nächste Schritt. Die Bürger haben die Möglichkeit, sich zu äußern. Auch das trägt zu einer verlässlichen Entscheidungsgrundlage für den Gemeinderat bei. Einem Entwurf gelingt es übrigens gut, die Beziehung von Steiff über den Postberg in die Marktstraße hinein aufzunehmen.

Bisher scheint es sehr gut, um nicht zu sagen reibungslos für Sie zu laufen. Bei den Geschwindigkeitsmessanlagen gibt es aber unterschiedliche Meinungen. Morgen stehen die Haushaltsberatungen an und dann werden auch die Blitzer Thema sein.

Mein Vorschlag an den Gemeinderat wird sein, einen Zwischenschritt einzulegen – so wie beim Schulkonzept. Wir sollten zunächst dokumentieren, wie stark die Verstöße sind. Nach der Auswertung können wir dann entscheiden, wie wir weiter verfahren wollen. Ich möchte es mir da aber nicht einfach machen. Es gibt zahlreiche Beschwerden. Besonders zählt aus meiner Sicht die Sicherheit unserer jüngeren Mitbürger, die auf dem Weg zur Schule oder dem Sportplatz sind.

Die ersten 100 Tage war vieles in Bewegung. Sie selbst sind Läufer. Haben sie selbst noch Zeit für Bewegung?

Was ich zu Fuß in der Innenstadt erledigen, mache ich. Wegen der Gesundheit, und um Menschen zu treffen. Der Sport allgemein kam zuletzt etwas zu kurz. Ich versuche aber, das nicht schleifen zu lassen.

Wie sieht es denn mit ihrem angekündigten Ortswechsel von Nattheim nach Hürben aus?

Es wird noch etwa sechs bis acht Wochen dauern. Momentan renovieren wir die Küche. Dann freuen wir uns schon richtig auf Hürben.

Auf was freuen Sie sich sonst?

Auf die Besuche in den Partnerstädten, auf das Kinderfest und auch auf das Stadtfest im Sommer!

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