Alter 3330 Bürger jenseits der 70 - und es werden immer mehr

Seniorenfeier im Jahre 1980: Der große Saal der Walter-Schmid-Halle platzte fast aus allen Nähten. Die Zahl der über 70-Jährigen hat seither stetig zugenommen. In den vergangenen Jahren reichte allerdings weniger Platz aus, um die Gäste alle unterzubringen.
Seniorenfeier im Jahre 1980: Der große Saal der Walter-Schmid-Halle platzte fast aus allen Nähten. Die Zahl der über 70-Jährigen hat seither stetig zugenommen. In den vergangenen Jahren reichte allerdings weniger Platz aus, um die Gäste alle unterzubringen. © Foto: archiv
Giengen / Marc Hosinner 20.11.2013
3330 Bürger sind in diesem Jahr zu den Seniorenfeiern in Stadt und Teilorten eingeladen. An der früher als Altenfeier titulierten Veranstaltung lässt sich erkennen, dass der Anteil der über 70-Jährigen an der Gesamtbevölkerung stetig ansteigt.

Nachmittag mit Tradition: Auf Giengens früheren Bürgermeister und Ehrenbürger Walter Schmid geht der Brauch zurück, dass in der Kernstadt immer im Herbst eine Feier für die Bürger stattfindet, die das 70. Lebensjahr erreicht haben.

Initiiert wurde die Veranstaltung in Giengen im Jahre 1951, so dass jetzt bereits die 62. Seniorenfeier in der früheren Stadthalle für die Senioren aus Giengen, Hohenmemmingen und Sachsenhausen über die Bühne ging. Seit vielen Jahren wird auch in Burgberg und Hürben den älteren Mitbürgern bei einem gemeinsamen Nachmittag Wertschätzung und Anerkennung für das Geleistete zuteil.

Bei der Stadtverwaltung gibt es ab Anfang der 90er Jahre genaue Aufzeichnungen darüber, wieviele Bürger zu den Veranstaltungen eingeladen wurden und damit 70 Jahre und älter zu sein: 1609 Männer und Frauen erfüllten in jenem Jahr dieses Kriterium. Bei einer Gesamtbevölkerung von 19 144 Einwohnern bedeutete dies einen Anteil von 8,4 Prozent.

Fünf Jahre darauf wurden 1841 Einladungen für die Altenfeier verschickt, bei einer Einwohnerzahl in Stadt und Teilorten von 20 168. Älter als 70 waren demnach 9,1 Prozent.

Im Jahr 2003 waren immerhin schon 2093 Menschen in Giengen, Burgberg, Hohenmemmingen und Sachsenhausen älter als 70. Die Große Kreisstadt zählte zu jener Zeit stolze 20 276 Einwohner, was einen Anteil der über 70-Jährigen von 10,3 Prozent bedeutet.

Wiederum fünf Jahre später durften sich 2377 Bürger zu den Seniorenfeiern eingeladen fühlen. Bezogen auf die Gesamtbevölkerung von noch 19 665 macht das einen Anteil von 12,1 Prozent.

Den bisherigen numerischen Höhepunkt in Bezug auf die Menschen über 70 bildet das vergangene Jahr: Die Statistik der Stadt weist aus, dass 2012 stolze 3380 Bürger über 70 in Stadt und Teilorten lebten. Das Statistische Landesamt in Stuttgart gibt als Einwohnerzahl für diesen Zeitpunkt nur die Zahl 18 997 an. Der Anteil der über 70-Jährigen betrug somit 17,8 Prozent.

Dass Giengens Bevölkerung immer älter wird, lässt sich auch an folgenden Zahlen ablesen: Für 1195 wird das Durchschnittsalter für Giengener vom Landesamt mit 39,4 Jahren beziffert, für 2011 schon mit 44,2 Jahren. Für das Jahr 2025 wird sogar von einem Durchschnittsalter von 47,5 Jahren ausgegangen.

Angesichts des steigenden Anteils der Senioren in Stadt und Teilorten könnte man davon ausgehen, dass die Veranstaltungsorte in der heutigen Zeit voll besetzt sein müssten. Dem ist aber nicht so: Im Gegensatz zu früheren Jahren, als etwa die Walter-Schmid-Halle bis auf den letzten Platz besetzt war, reichten bei den jüngsten Feiern zwei Drittel der Halle aus, und jeder, der kam, fand dabei ausreichend Platz. Mehr als 800 Gäste wurden etwa 1993 gezählt, 20 Jahre später waren's vielleicht noch halb so viele Senioren, die sich auf den Weg in die Halle in der Schwage machten.

Für den Rückgang der Besucherzahlen gibt es sicherlich mehrere Gründe: Früher wurden die Senioren mit einem persönlichen Schreiben zu den immer noch abwechslungsreichen und mit viel Herzblut organisierten Feiern eingeladen. Seit 2010 wird – auch aus Kostengründen – über die Stadtnachrichten für die Feiern geworben.

Ins Gewicht dürfte auch die zunehmende Fitness und Mobilität der Senioren fallen: Wer heute 70 ist, fühlt sich längst nicht immer zum „alten Eisen“ zugehörig und denkt (noch) nicht daran, an städtischen Seniorenfeiern teilzunehmen.

Früher leistete es sich die Stadt darüber hinaus auch, die Senioren nicht nur zu antialkoholischen Getränken einzuladen, sondern spendierte auch einen guten Tropfen Wein oder ein Bier. Das ist heute nicht mehr so.