Geislingen Zwei Spielcasinos überfallen

Die Spielothek in der Heidenheimer Straße in Geislingen sollen die beiden Angeklagten am 20. Februar überfallen haben. Bereits in der Nacht zum 26. Februar sollen sie noch eine Spielhalle in Salach ausgeraubt haben.
Die Spielothek in der Heidenheimer Straße in Geislingen sollen die beiden Angeklagten am 20. Februar überfallen haben. Bereits in der Nacht zum 26. Februar sollen sie noch eine Spielhalle in Salach ausgeraubt haben. © Foto: Michael Rahnefeld
Geislingen / Von Bernd Rindle 05.09.2018
Wegen schwerer räuberischer Erpressung müssen sich ein 18- und ein 23-jähriger Geislinger vor der 3. Großen Strafkammer in Ulm verantworten.

Ihre Neigung zu Markenkleidung und Drogen könnte zwei junge Geislinger jetzt teuer zu stehen kommen. Seit dem gestrigen Dienstag müssen sie sich vor der 3. Großen Strafkammer des Landgerichts Ulm unter anderem wegen schwerer räuberischer Erpressung verantworten, weil sie im Februar zwei Spielcasinos in Geislingen und Salach überfallen haben. Beide Angeklagte räumten kurz nach dem Prozessauftakt ein, die Taten begangen zu haben.

Aussicht auf „schnelles Geld“

Die Aussicht auf „schnelles Geld“ habe sie letztlich auf die Idee gebracht, ein Spielcasino zu überfallen, zumal beide Männer, die sich „vom Bolzplatz her kennen“, finanziell in der Klemme steckten. Der Schüler Lorenzo R. (18) war gerade wegen Streitigkeiten zuhause rausgeflogen und wohnte bei seiner Freundin. Auch Inan K. (23) war bei einem Bekannten untergekommen und machte gerade seiner Mutter zuliebe den dritten Anlauf einer ungeliebten Friseurausbildung.

Pistole an der Schläfe

Am 20. Februar schritten die ganz in schwarz gewandeten und maskierten Bolzplatzkumpels zur Tat, drangen in die Spielothek ein und forderten von der verängstigten Kassiererin unter vorgehaltenen Waffen Geld: „Los, los, los, das ist ein Überfall!“ Während der eine einen Kunden in Schach hielt, zwang sein Komplize die Angestellte mit einer Pistole an der Schläfe nach dem Kasseninhalt auch noch den Inhalt eines Tresors auszuhändigen. Dann flüchteten die Männer in den Keller eines Hauses und teilten die Beute – „400 bis 500 Euro“ – auf, wobei ein Beutel  mit Hartgeld zurückblieb, den sie später holen wollten.

Zweiter Raubzug brachte 6000 Euro

Weil das Geld schnell für Kleidung und Marihuana ausgegeben war, kam ein zweiter Raubüberfall in Betracht, den Lorenzo R. mit einem weiteren Komplizen, dessen Name er vor Gericht verschwieg, begehen wollte. Inan K. sollte dieses Mal nur zuvor die Lage in Salach sondieren. Da sich der ominöse Dritte aber offenbar kurz vorher verweigerte, beteiligte sich der 23-Jährige erneut an dem Überfall, bei dem rund 6000 Euro erbeutet wurden.

Bevor das Duo mit dem Taxi nach Geislingen zurückfuhr, teilte man das Geld in einer Tiefgarage auf und gab auch dem Unbekannten einen Anteil von 200 Euro – mutmaßlich als Schweigegeld.

Mit ausreichend Bargeld ausgestattet ging es tags drauf erst einmal nach Metzingen zum Einkaufen. Auch in Drogen wurde investiert und nicht zuletzt in Disco-Partys mit flankierendem Champagner. Allzu lange dauerte das süße Leben nicht, denn wenig später wurden die beiden festgenommen. Nach Lage der Dinge aufgrund eines Tipps, den die Polizei erhalten hatte.

Wie die Angeklagten vor Gericht betonten, habe es sich bei den Waffen um eine Gas- und eine Spielzeugpistole aus Plastik gehandelt. Eine der Fragen, die der Vorsitzende Richter Wolfgang Tresenreiter noch klären will. „Wie hat sich das angefühlt“, wollte er von der Kassiererin wissen, die eine Pistolenmündung an der Schläfe hatte. „Echt, kalt, hart“, sagte sie, „wie Metall.“ Auch der Frage nach dem ominösen Unbekannten wird das Gericht möglicherweise noch eine verstärkte Aufmerksamkeit widmen.

Info Für den Prozess sind drei Verhandlungstage angesetzt. Weiter geht es am 25. September mit der geplanten Vernehmung von acht Zeugen. Letzter Verhandlungstag soll der 9. Oktober sein.

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