Ein Feiertag und wunderschönes Ausflugswetter – die Voraussetzungen für viele Besucher, nicht nur aus Geislingen, waren am 1. Mai auch in der Fünftälerstadt gegeben. Und nicht wenige wären gerne den Ödenturm hinaufgestiegen, der am Mittwoch – wie immer zum 1. Mai – zum ersten Mal in diesem Jahr hätte öffnen sollen. Das Geislinger Wahrzeichen sollte dann planmäßig bis Ende Oktober an allen Sonntagen für Besucher zugänglich sein. Doch wie eine Notiz am Eingang aufklärt, bleiben die Pforten derzeit noch geschlossen.

Dem Stromaggregat fehlte Kraftstoff

Ursula Heldele von der Geislinger Ortsgruppe des Schwäbischen Albvereins, die zusammen mit ihrem Mann Wolfgang seit fast drei Jahrzehnten Besucher durch den Ödenturm führt, nennt im Gespräch mit der GZ den Grund: Dem Stromaggregat, das die Stadtverwaltung für eine provisorische Beleuchtung des Innenraums installieren ließ, fehlt Kraftstoff, um betrieben werden zu können. Da die Stromleitung defekt ist, funktionieren seit Februar weder die Scheinwerfer noch die Innenbeleuchtung des Turms – die Reparatur würde etwa 100 000 Euro kosten (wir berichteten).

Die Mitglieder des Albvereins hätten vor zwei Wochen den Bauhof darauf hingewiesen, dass das Stromaggregat Kraftstoff benötige und ihnen sei zeitnahes Handeln zugesichert worden, berichtet Heldele. Als am Dienstag die provisorische Beleuchtung noch nicht funktioniert habe, habe ihr Mann erneut den Bauhof benachrichtigt.

Die Enttäuschung sei riesig gewesen, als der Innenraum am Feiertag immer noch dunkel war  – wo doch zahlreiche Ausflügler darauf gewartet hätten, durch das Wahrzeichen geführt zu werden. „Das tut in der Seele weh“, sagt Ursula Heldele. „Wir haben alles getan, was wir konnten.“ Der Ödenturm sei ein „Aushängeschild“, das sie und ihr Mann seit 27 Jahren als Turmwärter betreuen – bisher sei immer alles glatt gelaufen, betont Heldele.

Bauhof „nicht alleine schuldig“

Traugott Oßwald, der Leiter des Geislinger Bauhofs, bedauert die Situation. Der Bauhof sei aber „nicht alleine schuldig“, dass der Tank des Stromaggregats bisher unbefüllt blieb, sagte Oßwald auf Nachfrage der GZ. Auskünfte darüber, warum ­bisher nicht gehandelt wurde und wann die Beleuchtung in Gang ­gesetzt werden soll, wollte der Bauhofleiter gestern nicht ­ge­ben.