Ende November erhielt Schlötter Galvanotechnik den mit 10 000 Euro dotierten Innovationspreis des Landes Baden-Württemberg. Die Auszeichnung bekam das Geislinger Unternehmen dafür, dass es ein neuartiges Oberflächen-Beschichtungs-Verfahren für den Korrosionsschutz in der Automobilindustrie entwickelt und im Frühjahr 2017 auf den Markt gebracht hat.

Weniger Giftstoffe

Bei diesem neuen Verfahren müssen weniger Chemikalien eingesetzt werden und vor allem werden dabei weniger Cyanide, also Giftstoffe, gebildet. Außerdem verbraucht es zirka 30 Prozent weniger Strom als andere Verfahren. Für die neue Technologie sind nur geringe Investitionskosten erforderlich.

Claudia Burst sprach mit Mitgeschäftsführerin Dr. Stefanie Geldbach und ihren Chemie-Experten Dr. Michael Zöllinger und Dr. Michael Dietterle. Michael Zöllinger ist Gesamtleiter für Forschung und Entwicklung im Betrieb, Michael Dietterle Gruppenleiter für Forschung und Entwicklung sowie seit November Innovationsmanager.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, ein neues Zink-Nickel-Verfahren zu entwickeln?

Dr. Michael Dietterle: Die Idee hatte ein Mitarbeiter, aber in einem völlig anderen Kontext. Sein Antrieb war, die Cyanide im Abwasser zu reduzieren. Das ist ein grundsätzliches Problem dieses Elektrolyt-Typs, das haben auch alle Mitbewerber.

Ist das, was Sie entwickelt haben, ein Rezept? Oder eine Flüssigkeit?

Dr. Stefanie Geldbach: Es handelt sich um eine neue Flüssigkeit (Elektrolytzusatz) in Kombination mit einer neuen Anodentechnologie.

Haben Sie Ihre Entwicklung als Patent angemeldet?

Zöllinger: Ja, das Patent ist eingereicht. Wir wollen das Verfahren weltweit in bestimmten Ländern schützen lassen.

Was bedeutet einer Firma wie Schlötter, die weltweit tätig ist, der Innovationspreis des Landes?

Geldbach: Wir haben uns riesig gefreut. Vor allem, weil wir zum ersten Mal mitgemacht haben.

Dietterle: Was ich toll finde, ist, dass jetzt auch die Geislinger erfahren, woran wir hier eigentlich arbeiten. Die meisten wissen doch nur, dass wir ‚irgendwas mit Chemie’ machen.

Ist diese Innovation eine Art Meilenstein für Sie?

Zöllinger: Auf jeden Fall. Das hat man nicht so oft, dass man ein Verfahren entwickelt, das dann so angenommen wird und auf dem Markt einschlägt.

Wie profitieren Sie von der Erfindung?

Geldbach: Das Produkt verkauft sich sehr gut bei unseren Bestandskunden, die schon bisher unsere Elektrolyte eingesetzt haben. Aber wir haben dadurch auch viele Neukunden gewonnen.

Dietterle: Die Erfindung ist ökologisch eine tolle Sache und ein echter Wettbewerbsvorteil. Wir haben damit die neue Generation eines Elektrolyts mit allen Vorteilen des bisherigen, aber ohne dessen Nachteile.

Das komplette Interview können Sie am Freitag in der GEISLINGER ZEITUNG lesen (15. Februar)

Der Schwerpunkt liegt seit jeher auf Forschung und Entwicklung


Schlötter Galvanotechnik entwickelt chemische Verfahren für die galvanische Beschichtung von Bauteilen mit dem Ziel, Korrosion zu vermeiden beziehungsweise deren Oberflächen zu veredeln. Der Kundenkreis, für deren jeweilige Anforderungen sich die Mitarbeiter Beschichtungs-Lösungen überlegen, ist breit gefächert. Dazu gehört die Automobilindustrie als umsatzstärkstes Segment, aber auch die Leiterplattenindustrie (vorwiegend in Asien), wo es um Beschichtungen im Mikrometer-Bereich geht, die Elektronikindustrie, mehr und mehr auch um dekorative Beschichtungen im Sanitärbereich (zum Beispiel Duschköpfe) oder um Unternehmen, die Alltagsgegenstände wie etwa Einkaufswagen herstellen. Außerdem entwickelt das Unternehmen die Galvanoautomaten, in denen die Kunden ihre Produkte galvanisieren können.

Gegründet wurde das Geislinger Unternehmen im Jahr 1912 von Max Schlötter als elektrochemisches Forschungslaboratorium. Dieses Ziel ist bis heute Schwerpunkt der Arbeit. Knapp ein Viertel der Mitarbeiter am Geislinger Stammsitz (180) arbeitet in Forschung und Entwicklung. Mit seinen Tochtergesellschaften in Europa und Asien bildet das Unternehmen die Schlötter-Gruppe, in der weltweit rund 300 Mitarbeiter tätig sind. Der Exportanteil beträgt 40 Prozent.

Worterklärung:
Elektrolyt: Metallsalzlösung
Anode (Pluspol) / Kathode (Minuspol): Bei Schlötter entspricht das zu beschichtende Bauteil der Kathode. Anodentechnologie: Die Anoden werden bei der Beschichtung eingesetzt, damit Strom fließt. Dabei lösen sich positiv geladene Metallsalze aus der Lösung und bilden auf der Kathode (dem Bauteil) eine dünne Metallschicht.