Geislingen / 250 Menschen strömten am Mittwochabend in die Geislinger Stadtkirche, um beim Abendgebet ihre Verbundenheit mit den Beschäftigten der WMF zu zeigen, die um ihre Arbeitsplätze fürchten.

Mahnungen an die Manager, Mitgefühl mit den Existenzsorgen der von Arbeitslosigkeit Bedrohten und eindringliche Bitten an Gott: Dies prägte das „solidarische Abendgebet“ am Mittwochabend in der Geislinger Stadtkirche. Es widmete sich der WMF, deren Vorstand angekündigt hat, über 500 Arbeitsplätze am Stammsitz zu streichen. Vor gut 250 Besuchern, unter ihnen viele Stadträte, stellte Dekanin Gerlinde Hühn die Fragen, die viele bewegen: „Was wird aus den Beschäftigten, was aus ihren Familien, was aus Geislingen?“ Hühn erinnerte daran, dass Eigentum „sozialpflichtig“ ist, wie es in einer Denkschrift der beiden großen christlichen Kirchen heißt. Die Dekanin zitierte das radikale Wort von Papst Franziskus: „Diese Wirtschaft tötet.“ Mit dem Abendgebet, so Gerlinde Hühn, „können wir die Welt nicht verändern, aber zeigen, dass uns die Menschen bei der WMF nicht egal sind, dass wir mit ihnen Angst haben und mit ihnen über die Situation klagen“.

Im Gespräch mit Pfarrer Dietrich Crüsemann erläuterte WMF-Betriebsrat Jürgen Peters die Lage im Unternehmen. „Nur mit Druck von außen“ auf die WMF könne man vielleicht den geplanten Arbeitsplatzabbau in Verhandlungen noch abwenden, sagte Peters: „Je stärker die Unterstützung, desto besser das Ergebnis.“

Der Ulmer Wirtschafts- und Sozialpfarrer Martin Schwarz gab zu bedenken, dass die Globalisierung den letzten Winkel der Erde erreicht habe – und mit ihr Dauerwettstreit, Konkurrenzdenken und Wettbewerb anstelle von gesellschaftlichem Zusammenhalt. Der Mensch werde zum Kunden und Konsumenten, zum Kostenfaktor, zur Ware und Sache – sei nur noch Mittel zum Zweck. „Arbeit und Kapital müssen aber dem Leben dienen, die Wirtschaftskräfte und der Markt müssen gebändigt werden“, forderte Schwarz. Und: „Der Mensch muss an erster Stelle kommen.“

Bei dem von Pfarrerin Maren Pahl geleiteten Abendgebet, zu dem Orgelspiel und Gesang gehörten, schlossen sich Stellungnahmen, Bekenntnisse und Bitten an, unter anderem von den Pfarrern Dr. Karl-Heinz Drescher-Pfeiffer und Klaus Hoof, von Oberbürgermeister Wolfgang Amann und dem städtischen Personalratsvorsitzenden Rudi Ebert. Der frühere Dekan Hermann Stahl betete, Gott möge den WMF-Vorstand zu Einsicht und Umdenken führen: „Rühre ihre Herzen. Auch Manager sind Menschen.“ Ein anderer bat, Gott möge einschreiten, dem Vorstand in die Arme fallen und sein Tun verhindern.