Mentoren Wissen, wie die Profs ticken

Semestereröffnung am Montag in der Geislinger Jahnhalle: Damit die Erstis an der HfWU sich nicht allein gelassen fühlen, bekommen sie Unterstützung von Mentoren, älteren Studenten.
Semestereröffnung am Montag in der Geislinger Jahnhalle: Damit die Erstis an der HfWU sich nicht allein gelassen fühlen, bekommen sie Unterstützung von Mentoren, älteren Studenten. © Foto: Markus Sontheimer
Geislingen / Kathrin Bulling 22.03.2017

Rachel Höss weiß noch ­genau, wie sie sich zu Beginn ihres Studiums ­gefühlt hat: „Ich bin das erste Mal von zu Hause ausgezogen und war total unsicher, wie ich das alles alleine schaffen soll.“ Ihr halfen damals Mentoren – ­ältere Studenten, die ihr Tipps gaben.

Heute ist die 22-Jährige, die im 4. Semester Nachhaltiges Produktmanagement an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt in Geislingen studiert, selbst für das sogenannte Peer-Mentoring-Programm der HfWU aktiv. Zwei Semester lang betreute sie Erstsemester, die im Programm Mentis genannt werden; mittlerweile arbeitet sie als wissenschaftliche Hilfskraft für das Programm.

Auch wenn ihre eigenen Mentoren damals eher schüchtern gewesen seien und sie nicht so viel Kontakt zu ihnen gehabt habe – ihre Kommilitonen schwärmten von der Unterstützung durch ihre Betreuer, und Rachel Höss nahm sich vor, es selbst einmal ebenso gut zu machen.

„Ich finde es wichtig, den Erstsemestern die Nervosität vor all dem Neuen zu nehmen“, sagt sie. „Wenn sie hören, dass es uns am Anfang auch so gegangen ist und dass man es schafft und schnell gut zurechtkommt, hilft ihnen das, gelassener zu werden.“ Per WhatsApp verabreden sich Betreuer und Mentis, treffen sich auf einen Kaffee und gehen zusammen auch mal zu Partys. Für die Mentoren gibt es Workshops zur Vorbereitung.

Das Mentorensystem an der HfWU gefällt Rachel Höss gut. Es sei sinnvoll, Studenten, also Peers, und nicht wie an anderen Hochschulen Professoren oder Mitarbeiter als Betreuer einzusetzen – sie seien näher an den Erstis dran.

Auch Jessica Lubzyk, am Geislinger Standort hauptamtlich für das Mentoring-Programm zuständig, schätzt das Konzept mit dem niederschwelligen Zugang. Studenten könnten Erstis ganz anders beraten. „Im ersten Semester haben die Anfänger noch gar nicht so viele Fragen, weil alles neu ist. Die Mentoren kennen das aus eigener Erfahrung und können auch Antworten auf nicht-gestellte Fragen geben.“

So gibt Rachel Höss Erstsemestern als Erstes den Tipp, sofort mit dem Lernen zu beginnen. Das sei unbedingt nötig, um den Stoff der Vorlesungen bewältigen zu können. In der Schule seien es viele gewöhnt gewesen, erst eine Woche vor den Arbeiten mit dem Lernen zu beginnen, sagt sie. Im Studium aber gehe das nicht. „Es wäre schlimm, wenn Studienanfänger die Erfahrungen machen müssten, gleich im ersten Semester durch eine Klausur zu fallen.“

Weil die Mentoren – immer zwei kümmern sich um fünf Mentis – den gleichen Studiengang besuchen, können sie zielgerichtet Tipps fürs Studium geben – und zum Beispiel verraten, welcher Prof wie tickt.

Manches behalte man aber besser für sich selbst, um den Neulingen keine Angst zu machen, meint Rachel Höss: „Ich würde zum Beispiel nicht sagen, welche Fächer besonders hohe Durchfallquoten haben – da geht man gleich mit einer schlechten Einstellung ans Lernen.“

Die 22-Jährige hatte für sich bald festgestellt, dass ihr das Pendeln von ihrem Wohnort Stuttgart nach Geislingen zu stressig war, und sie zog her. Erstis empfiehlt sie dasselbe – so erlebe man die Studienzeit intensiver und könne konzentrierter lernen. Und sie legt den Neulingen gern die schönen Ecken Geislingens an Herz: „Hier ist es grün, man hat viele Hügel und Wanderwege, da kann man viel unternehmen.“

Jeder Studienanfänger wird dem freiwilligen Mentorenprogramm automatisch zugeteilt – dass sich so gut wie keiner davon abmeldet, spreche für das Angebot, meint Jessica Lubzyk. Und auch an Mentoren mangele es nicht: 86 gibt es am Geislinger Standort, die sich in diesem Semester erstmals mit einem Motivationsschreiben dafür bewerben mussten.

Rachel Höss weiß, warum das Programm auch für die Betreuer attraktiv ist: „Man macht das nicht nur wegen des Zertifikats, sondern, weil man etwas für sich selbst mitnimmt: Mitgefühl zu trainieren, sich in andere hineinzuversetzen – und man findet neue Freunde.“