Die Kontrollen waren angekündigt, dennoch erwischte die Polizei am vergangenen Donnerstag Verkehrssünder um Verkehrssünder. Im Bereich des Polizeipräsidiums Ulm – dieses umfasst die Landkreise Göppingen, Heidenheim, Alb-Donau und Biberach sowie den Stadtkreis Ulm – waren insgesamt 284 Polizeibeamte an 94 Kontrollpunkten im Einsatz, um vor allem, aber nicht nur die Moral der Autofahrer in Sachen Ablenkung im Straßenverkehr zu überprüfen und – wenn nötig – ihnen deutlich ins Gewissen zu reden.

Präsidiumsweit mussten rund 31 000 Auto- und Lkw-Fahrer an besagten Kontrollpunkten runter von der Straße für einen sozusagen kostenlosen Sicherheitscheck, außerdem 600 Radfahrer. Dabei zählte die Polizei 167 Verstöße gegen das Handyverbot am Steuer, 382 hatten den Sicherheitsgurt nicht angelegt.

Spitzenreiter in allen Belangen war der Kreis Göppingen. Dort kontrollierten die Beamten knapp 10 000 Verkehrsteilnehmer, darunter ungefähr 100 Zweiradfahrer. Dabei erwischte die Polizei 73 Auto- und Lkw-Fahrer, die während der Fahrt nicht von ihrem Smartphone lassen konnten. Zur Erinnerung: Seit Herbst vergangenen Jahres müssen Handysünder deutlich mehr Bußgeld berappen: Statt 60 Euro und einem Punkt in Flensburg sind es nun 100 Euro und ein Punkt. Außerdem waren 127 Gurtmuffel unter den Kontrollierten. Hierfür ist ein Bußgeld in Höhe von 30 Euro fällig, wer sein Kind ohne jede Sicherung im Auto mitnimmt, muss 70 Euro bezahlen und kassiert einen Punkt in Flensburg.

Bildergalerie Aktionstag der Polizei in der Fünftälerstadt

Gemessen am Anteil der Kontrollierten, erwischte die Polizei im Alb-Donau-Kreis und in Ulm ähnlich viele Gurtmuffel wie im Kreis Göppingen: Knapp 6000 Auto- und Lkw-Fahrer baten die Beamten an den Straßenrand, 100 davon waren nicht angeschnallt. Allerdings hatten nur 28 die Hand oder das Ohr am Smartphone. Dort nehmen es aber offensichtlich die Radler nicht wirklich genau mit dem Handyverbot: 70 sahen die Polizeikelle, elf danach einen Bußgeldzettel. Radfahrer müssen 55 Euro Strafe zahlen.

Am vorbildlichsten scheinen die Autofahrer im Göppinger Nachbarkreis Heidenheim zu sein. In der Summe 6000 Autos und Lastwagen stoppte dort die Polizei, lediglich 18 Fahrer hatten hinterm Steuer das Smartphone am Start. Und nur 58 waren nicht angeschnallt. Für den Kreis Biberach liegen die Werte ähnlich: Bei knapp 8000 Pkw- und Lkw-Kontrollen verwarnte die Polizei 25 Handysünder und 89 Gurtmuffel.

Die Kontrollen waren Teil der bundesweiten Aktion „sicher.mobil.leben“. Die Kontrollen haben laut Polizeipräsidium Ulm einen ernsten Hintergrund. Demnach benutzt in Deutschland etwa die Hälfte aller Verkehrsteilnehmer das Smartphone während der Fahrt – und zwar ohne Freisprecheinrichtung. Gleichzeitig steigt wegen der Ablenkung durch solche sogenannte Kommunikationsmittel das Unfallrisiko um mindestens das Vierfache.

Eine Entwicklung, die das Polizeipräsidium bestätigt: Im Bereich dessen war im vergangenen Jahr die Zahl der Anzeigen wegen des Verstoßes gegen das Handyverbot am Steuer von zuvor 3636 auf 4719 hochgeschnellt, ein Anstieg um 30 Prozent. Zudem waren bei neun von insgesamt 36 tödlichen Unfällen  (25 Prozent) die Unfallverursacher aus unbekannten Gründen auf die Gegenspur geraten – was laut Polizei auf Ablenkung durch Handy, Navi oder Radio als Unfallursache hindeutet.

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Kontrollen auf den Autobahnen


Auch auf den Autobahnen im Bereich des Polizeipräsidiums Ulm war die Polizei mit Kontrollen zugange. Die Beamten stoppten dabei rund 500 Auto- und Lkw-Fahrer. Zwölf von ihnen hatten ein Handy während der Fahrt benutzt, acht wurden verwarnt, weil sie ihren Gut nicht angelegt hatten.