Kreis Göppingen Windkraft: Kauz und Specht in Gefahr

Naturschützer sehen Windräder als Gefahr für Vögel. Wegen des Schwarzspechtes lehnen sie einen Standort bei Roßwälden ab.
Naturschützer sehen Windräder als Gefahr für Vögel. Wegen des Schwarzspechtes lehnen sie einen Standort bei Roßwälden ab. © Foto: Archiv/Heinz Wagner
Kreis Göppingen / MARGIT HAAS 26.11.2012
In zehn Jahren soll die Energiewende vollzogen sein. Die Windkraft ist freilich nicht unproblematisch. Der Landesnaturschutzverband befasste sich jetzt mit Standorten und ihren Auswirkung auf die Vogelwelt.

Es ist erklärtes Ziel der Bundesregierung, bis zum Jahr 2022 den Ausstieg aus der Kernenergie zu vollziehen. Dann sollen es überwiegend erneuerbare Energien sein, die zum Einsatz kommen - auch die Windenergie. Im Juli hat die Regionalversammlung des Verbandes Region Stuttgart für den Regionalplan insgesamt 96 Vorranggebiete vorgeschlagen. Noch bis Ende des Monats kann zu der Planung Stellung genommen werden, stellte Ulrich Schulz, Sprecher des Arbeitskreises Göppingen des Landesnaturschutzverbandes (AK), in der jüngsten Sitzung des AK fest.

Wegen der Komplexität des Verfahrens und der über den gesamten Landkreis Göppingen verteilten Flächen waren die AK-Mitglieder zur Unterstützung aufgerufen gewesen. Die haben ihre "Hausaufgaben" gemacht und die bislang ausgewiesenen Vorranggebiete für Windkraftanlagen akribisch untersucht.

"Wir haben versucht, alle relevanten Informationen zu jedem einzelnen Standort aufzubereiten", erläuterte Schulz. Insgesamt waren es 27, die von den privaten Naturschützern betrachtet worden waren. Mehr als die Hälfte kommt ihrer Ansicht nach für Windräder überhaupt nicht infrage. "Für die Ablehnung von Standorten sprechen in unterschiedlicher Gewichtung die Betroffenheit von Flora-Fauna-Habitat- oder Vogelschutzgebietskulissen in Verbindung mit einer hohen Betroffenheit des Landschaftsbildes und dem Vorkommen von windkraftempfindlichen Brutvogelarten oder Zugvögeln", so der AK-Sprecher.

So wiege etwa im Lautertal bei Lauterstein die Tatsache schwer, dass es Durchzugsgebiet von Zugvögeln sei. "Dabei sollte nicht unerwähnt bleiben, dass der Frühjahrszug bei Nacht erfolgt und es keine Erkenntnisse über das Überflugverhalten über Wald gibt." Außerdem finde sich hier das einzige Vorkommen von Sperlings- und Rauhfußkauz in der Region Stuttgart. Durchzugskorridore lägen auch bei Donzdorf, Eschenbach und Aichelberg. Abgelehnt wird auch ein Standort bei Roßwälden, der wichtiger Lebensraum von Schwarzspechten ist. Diese haben auch in Zell ihre Brutgebiete, die sie sich mit Neuntötern und der Waldschnepfe teilen.

Die AK-Mitglieder stellen aber nicht nur Standorte grundsätzlich infrage. Aus ihrer Sicht sind auch die zugrunde gelegten Untersuchungsradien fragwürdig. Nicht berücksichtigt sei zudem der Generalwildwegeplan Baden-Württemberg, der durch verschiedene Vorranggebiete verläuft. Die privaten Naturschützer bemängeln außerdem, dass "wir durch den großen Maßstab der unterschiedlichen Kartenunterlagen keine genaue Aussage treffen können".

Deshalb schlägt der AK vor, eine sinnvolle, detaillierte und maßstäblich abgestimmte Aufbereitung der Kartenunterlagen allen beteiligten Behörden und Verbänden vorzulegen. Begründung: "Die von der Region mit den recht fragwürdig zusammengewürfelten Steckbriefen erstellten Karten sind selbst für Experten nur schwer lesbar." Letzter Kritikpunkt: "Völlig unberücksichtigt ist bisher das Vorkommen von Fledermausarten in den Bereichen der verschiedenen Vorranggebiete. Daher wird von unserer Seite auch eine Aussage zu diesem Aspekt in die Unterlagen eingearbeitet", kündigt Schulz an.

Grünes Licht nur für fünf Standorte

Die Mitglieder des Göppinger Arbeitskreises im Landesnaturschutzverband (AK) haben auch die potenziellen Windkraft-Standorte im Raum Geislingen unter die Lupe genommen. Über die Hälfte der vom Verband Region Stuttgart vorgeschlagenen Vorrangflächen lehnen die AK-Mitglieder ab. Keine oder nur geringe Einwände gibt es lediglich bei fünf Standorten: Böhmenkirch (Schnittlinger-Berg), Aufhausen (bei den bestehenden Windkraftanlagen), Wiesensteig (Raller), Bad Ditzenbach-Drackenstein (Harlachen) und Hohenstadt.

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