Geislingen Wilhelmsplatz: Dauerparker müssen weichen

Auf dem Wilhelmsplatz darf nur noch bis Ende Juli geparkt werden. Die Trafostation des Albwerks (hinten rechts) muss versetzt werden.
Auf dem Wilhelmsplatz darf nur noch bis Ende Juli geparkt werden. Die Trafostation des Albwerks (hinten rechts) muss versetzt werden. © Foto: Markus Sontheimer
Geislingen / Isabelle Jahn 28.06.2018
Die Stadt Geislingen genehmigt den Bau einer Denn’s-Filiale auf dem Wilhelmsplatz. Für Dauerparker und Anwohner ist das ein Problem.

Bevor es überhaupt mit dem Bau losgeht, wirft die geplante Denn’s-Filiale auf dem Geislinger Wilhelmsplatz schon Schatten: Der Parkplatz kann nur noch bis Ende Juli genutzt werden – vor allem für Dauerparker eine Umstellung.

Es stehen weiterhin genügend Parkplätze zur Verfügung, versichert Birgit Grauer, zuständig für die städtischen Liegenschaften. Die Stadt bietet den Dauerparkern Plätze an der Eberhardstraße und neben dem Polizeirevier an. Von 6 bis 18 Uhr sind diese Bereiche dann für Dauerparker frei.

Die 43 Plätze, die die Bürger bei der Stadt reservieren konnten, reichen jedoch nicht für alle 87 Dauerparker aus. Als Ausweichmöglichkeit nennt Grauer das Parkhaus im Sonne-Center. Dieses wollen aber viele Parker nicht nutzen, denn: Im Parkhaus kostet ein Stellplatz mit 42 Euro pro Monat mehr als doppelt so viel wie bisher auf dem Wilhelmsplatz (17,90 Euro) und künftig auf den Freiluft-Parkplätzen. Grauer weist auf die Vorteile des Parkhauses hin, in dem die Autos vor der Witterung geschützt sind.

Der Grund für die Kündigung der Parkplätze ist, dass der Bauherr Proconcept aus Bayern Eigentümer des Teilbereichs des Wilhelmsplatzes wird: Die Stadt Geislingen erteilt Proconcept diese Woche die Baugenehmigung für den Biomarkt. Das teilt Irene Cziriak, die bei der Stadtverwaltung das Sachgebiet Baurecht, Stadtsanierung und Denkmalschutz leitet, auf Nachfrage der GZ mit.

Der Weg bis zu diesem Schritt war nicht gerade kurz: Im Februar 2016 stimmte der Gemeinderat dem Verkauf der Teilfläche zu. Im Juni 2017 wurde laut Cziriak der Bauvorbescheid erstellt, anschließend hätten weitere Fragen geklärt werden müssen. Mitte Februar 2018 habe der Bauherr die Unterlagen für den Bauantrag eingereicht.

Von Anwohnern kommt Protest

Ein Grund für die Verzögerung war laut Cziriak, dass für das Gebäude mit 740 Quadratmetern Gesamtfläche ein Teil der Ledergasse entwidmet werden musste. Die Straße wird damit schmäler – um ein bis zwei Meter je nach Stelle – bleibt aber durchgängig sieben Meter breit. Das sei für die Ledergasse ausreichend, sagt Cziriak. Zudem benötige der Bauherr für die Parkplätze des Biomarkts einen Teil der angrenzenden öffentlichen Grünfläche, die im Bebauungsplan ausgewiesen sei.

Obendrein gab es am Anfang  „massive Einwände“ von Anwohnern, berichtet die Baurechtlerin. Die als modernes Gebäude geplante Denn’s-Filiale passe nicht ins Altstadtbild mit denkmalgeschützten Häusern wie dem Alten Bau oder dem Kornschreiberhaus. Außerdem sei das Gebäude von der überbauten Fläche her zu groß, größer als das im Bebauungsplan vorgesehene Baufenster. Tatsächlich wird das sogenannte Baufenster laut Cziriak im Bebauungsplan überschritten, aber nicht in der Höhe: Der Bebauungsplan sieht  zwei Baufenster auf dem Grundstück vor;  das Gebäude  zum Kornschreiber hin darf zwei Geschosse umfassen, das Gebäude zur Eberhardstraße  drei Geschosse. Für beide Gebäude sind Satteldächer festgesetzt.  Denn’s will jedoch nur eingeschossig und mit Flachdach bauen. Dennoch stellen sich noch zwei Grundstückseigentümer gegen das Projekt, die Einwände will die Stadt zurückweisen. Sollte es zum Rechtsstreit kommen, droht eine weitere Verzögerung.

Für eine Baufreigabe muss der Bauherr ohnehin noch bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Es fehlen noch die Entwässerungsplanung, die Prüfstatik und eine qualifizierte Bauleitung für die Baufreigabe, erklärt die Baurechtlerin.

Im Bereich Wilhelmsplatz sei zudem mit archäologischen Funden – etwa Reste der Stadtmauer – zu rechnen, weshalb auch das Regierungspräsidium, Referat Denkmalpflege, involviert sei. Der Bauherr muss daher mit Bauunterbrechungen rechnen, die nicht zeitlich eingeschätzt werden können, sagt Cziriak. Dies erschwere die Koordination der Bauarbeiten wesentlich.

Man stehe in Kontakt mit dem Denkmalschutz, berichtet Dirk Grube, geschäftsführender Gesellschafter von Proconcept. Außerdem müsse sich der Bauträger mit dem Albwerk abstimmen, da auf dem betreffenden Gelände ein Trafohaus des Stromanbieters stehe, das verlagert werden müsse.

Wird der Biomarkt gebaut, so wechseln alle Mitarbeiter der Sonnenblume, die mittlerweile auch Denn’s betreibt, in den neuen Markt. Das versichert Regionalleiter Peter Hartl auf Nachfrage. Einen Termin für den Baubeginn nennen die Beteiligten bislang nicht.

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