Als GZ-Leser S. Anfang Dezember am Fahrkartenschalter im Geislinger Bahnhof seine Zugfahrkarte nach Innsbruck lösen wollte, traute er seinen Ohren kaum: Der Halt seines Intercitys, der ihn am 21. Dezember von Innsbruck aus ohne Umsteigen nach Geislingen hätte bringen sollen, ist "aus betriebstechnischen Gründen" gestrichen worden (wir berichteten). Dabei hatte S., der seinen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen will, dafür doch schon im Oktober einen Sitzplatz reserviert.

Doch seit dem Fahrplanwechsel am 14. Dezember hält der Zug nicht mehr in Geislingen. Der Grund: Der Zug wird schon ab Stuttgart von einer langsameren Diesellok gezogen, die nur dann die Fahrzeiten halten kann, wenn sie nicht in Geislingen halten muss.

Die Bahn-Mitarbeiterinnen am Geislinger Schalter verkauften dem GZ-Leser nun eine Fahrkarte für den IC bis Ulm, wo er in die Regionalbahn nach Geislingen umsteigen kann. Die Platzreservierung für die Strecke von Ulm nach Geislingen wird damit hinfällig. Die Reservierung dadurch aber nicht billiger - sie hat mit 4.50 Euro einen Standardpreis, der nicht von der Entfernung des Reiseziels abhängig ist. "Ein finanzieller Schaden ist mir dabei nicht entstanden", betont S., der den Intercity von und nach Innsbruck regelmäßig nutzt, um dort Bekannte zu besuchen.

Der GZ-Leser wunderte sich aber doch: Er hatte ganz bewusst sein Reservierungsticket am 14. Oktober gekauft, "dem ersten Ticket-Verkaufstag für Reisetage nach dem Fahrplanwechsel", wie S. erfahren hat.

Halt noch in elektronischer Fahrplanauskunft vermerkt

Bahnsprecher Roland Kortz in Stuttgart hielt es zunächst für ausgeschlossen, dass zu diesem Zeitpunkt noch Platzreservierungen bis Geislingen möglich waren. Denn schon Monate vor der Fahrplanumstellung - jedes Jahr im Dezember - würden die Verkaufssysteme und die Reiseauskunft mit den neuen Daten gefüttert. Bei seinen Nachforschungen hatte sich herausgestellt, dass der Bahn ein Fehler unterlaufen war. Der IC-Halt ist zwar in der elektronischen Reiseauskunft gestrichen, aber noch in der elektronischen Fahrplanauskunft vermerkt.

GZ-Leser S. dagegen vermutet, dass die Entscheidung, den IC-Halt in Geislingen zu streichen, nach dem Stichtag am 14. Oktober gefallen sein muss. Dafür gebe es Indizien: Der nach dem Fahrplanwechsel im Ulmer Hauptbahnhof ausgehängte Wagenstandsanzeiger erwähne den Halt der Intercitys 118 und 119. In vielen Fahrplänen, wie dem des Filsland-Verkehrsverbunds, taucht der IC noch auf.

Einen Fehler des Schalterpersonals in Geislingen schließt S. aus. Er lege Wert auf die Feststellung, "dass mich die DB-Mitarbeiterinnen im Bahnhof auch in dieser Angelegenheit einwandfrei beraten haben".

Seinen Intercity nach Innsbruck vermisst er aber: "Es ist sehr bedauerlich, dass diese einzige tägliche direkte Zugverbindung nach Vorarlberg/Tirol beziehungsweise ins Ruhrgebiet und ins Münsterland für uns Geislinger Bahnkunden nicht mehr besteht." Stimmt nicht ganz: Laut Auskunft von Bahnsprecher Kortz fährt ein weiteres Intercity-Zugpaar die Tiroler Landeshauptstadt an. Der IC 60418 kommt um 0.34 Uhr aus Innsbruck in Geislingen an und fährt weiter nach Stuttgart. Der Gegenzug, der IC 60419 fährt um 5.19 Uhr nach Stuttgart. Beide Züge fahren täglich.

Wie es möglich war, dass GZ-Leser S. einen Platz in seinem IC bis Geislingen reserviert, konnte Bahnsprecher Kortz bis Mittwoch nicht vollständig aufklären. "Da hat es in irgendeinem System wohl einen Fehler gegeben."

In Geislingen halten noch acht Intercity-Züge

Fernverkehr: In Geislingen halten täglich noch acht Intercitys nach Karlsruhe, Frankfurt, Dortmund und nach München und Innsbruck. Ist die Neubaustrecke Stuttgart-Ulm fertig, rollt auf der Filstalbahn nur noch Regionalverkehr.

Gestrichen: Folgende Zughalte in Geislingen hat die Deutsche Bahn gestrichen: Intercity 119 von Münster nach Innsbruck, Abfahrt in Geislingen: 13.39 Uhr. IC 118 von Innsbruck nach Münster, Abfahrt in Geislingen um 14.20 Uhr.

Anschluss: Wer die Züge von Geislingen aus erreichen will, muss mit einem Regionalzug fahren und in Ulm umsteigen.

Lokwechsel: Grund für die Streichung ist die fehlende Elektrifizierung auf der Südbahn nach Friedrichshafen. Deshalb musste in Ulm die Elektro-Lokomotive gegen eine Diesellok ausgetauscht werden. Dies geschieht nun in Stuttgart, weil in Ulm kein Gleis zum Rangieren mehr frei ist. Weil die Diesellok aber langsamer ist, verzichtet die Bahn auf den Halt in Geislingen, um den Fahrplan in Ulm wieder einhalten zu können.