Theater im Sägewerk Wesen aus einer anderen Zeit

Als eine der drei Vampiretten lockt Stefanie Martin aus Deggingen in der Geislinger Produktion  „Dracula“ die Opfer des Grafen an – eine Rolle, die Herausforderungen mit sich bringt.
Als eine der drei Vampiretten lockt Stefanie Martin aus Deggingen in der Geislinger Produktion „Dracula“ die Opfer des Grafen an – eine Rolle, die Herausforderungen mit sich bringt. © Foto: Heike Siegemund
Geislingen / Von Heike Siegemund 14.04.2018

In der Geislinger Musicalproduktion „Dracula“ hat der Graf gleich mehrere Bräute: Dazu zählen die drei Vampiretten, die stets um ihren Gebieter herum scharwenzeln und ihm mit ihren Reizen die passende Kulisse bieten. „Wir sind als Untote immer um ihn, begleiten ihn auch musikalisch, aber wir sind trotzdem im Hintergrund“, verrät Stefanie Martin, die eine der drei Vampiretten spielt. Die Deggingerin und die beiden anderen Frauen tragen aufreizende, freizügige Kostüme – schließlich sollen sie sexy Verführerinnen darstellen, die Draculas Opfer anlocken. Dabei sind sie vom Grafen abhängig und ihm hörig: „Was Dracula sagt, gilt“, sagt Stefanie Martin schmunzelnd.

Es ist nicht die erste Musicalproduktion des Theaters im Sägewerk, an der die 41-Jährige mitwirkt: Schon 2015 spielte sie bei „Die Schöne und das Biest“ die Fee. Dazu war es gekommen, weil sie seit 2013 im Haus von Torsten Moll und Dean Mihaljev Gesangsunterricht nimmt. Diesen Traum habe sie sich erfüllt, als ihre heute 14 und 18 Jahre alten Kinder größer waren, erzählt sie. Dass sie die Rolle der Fee übernehmen durfte, „war der Brüller für mich“, erinnert sie sich und strahlt noch heute. Mit von der Partie war sie auch im Jahr 2016 bei „Hair“ als Ronny und 2017 bei „Anatevca“ als Fruma Sara und Motschach. „Außerdem spielte ich neben ,Hair‘ beim Musiktheater ,Acht Frauen‘ in der Rätsche mit“, ergänzt Stefanie Martin. „Steffi ist sehr professionell“, betont Torsten Moll. Ihre Leistungen seien „weit überdurchschnittlich für eine Hobby-Sängerin“. Außerdem sei sie sehr wandelbar und habe keine Angst davor, etwas auszuprobieren, auch mal grotesk und böse zu wirken. „Wir sind sehr stolz, in Geislingen Leute zu haben, die konkurrenzfähig sind mit den Profis“, sagt Moll. Auf die Rolle der Vampirette freut sich Martin besonders, vor allem deshalb, weil es „ganz toll ist, eine Unsterbliche zu spielen, ein Wesen aus einer anderen Zeit“. Die Rolle bringe aber auch Herausforderungen mit sich – zum einen musikalisch, denn „die Vampiretten singen alle Lieder dreistimmig. Da muss jeder Ton sitzen.“ Und zum anderen schauspielerisch: Die drei Frauen haben gleich mehrere Gesichter, sind mal lieb, nett und süß, dann sexy und leidenschaftlich und schließlich aggressiv, blutrünstig, todbringend.

„Für mich als Laiendarsteller ist es klasse, mit so vielen Profis spielen zu dürfen. Das ist eine Ehre“, schwärmt Martin mit Blick auf die internationalen Musicalstars, die Torsten Moll und Dean Mihaljev für „Dracula“ verpflichtet haben.

Auch die beiden anderen Vampiretten sind keine Unbekannten in der Szene: Janina Maria Wilhalm aus Wien und Julia Plank aus Graz. „Da kann ich sehr viel mitnehmen und lernen“, freut sich die Deggingerin, die im Geislinger Gesundheitszentrum als Krankenschwester arbeitet und dort im Schichtdienst tätig ist. „Manchmal ist das zeitlich mit den Proben knifflig“, erzählt sie. Deshalb nehme sie ab und zu extra Urlaub, um nichts zu verpassen – „das ist es mir wert“, betont Martin, die seit 30 Jahren im Degginger Musikverein Klarinette spielt. Das Singen und Musizieren, aber auch das Schauspiel gefällt ihr und „tut mir einfach gut“. So könne sie den Alltag vergessen und loslassen. Mit Blick auf die Premiere von „Dracula“ steige allmählich die Nervosität, gesteht sie. „Aber das gehört dazu. Sonst ist man zu abgestumpft.“

Info Karten für die insgesamt elf Aufführungen in Geislingen gibt es unter: www.newstagecompany.de

Das Musical „Dracula“ im Theater im Sägewerk

Das Musical „Dracula“ des Geislinger Theaters im Sägewerk feiert am 28. April Premiere. In einer Serie blickt die GZ hinter die Kulissen der Produktion und stellt die Darsteller hinter den Hauptrollen vor. Aufgrund der großen Nachfrage haben Torsten Moll und Dean Mihaljev eine Zusatzvorstellung am 4. Mai geplant. Wie Torsten Moll verrät, liegen auch schon Anfragen für Gastspiele im Ausland vor.