Konzert Wenn Rhythmus pocht

Vier Musiker aus vier Ländern vereinen sich zu Dirtmusic, die am Freitag die Rätsche zum Beben brachten.
Vier Musiker aus vier Ländern vereinen sich zu Dirtmusic, die am Freitag die Rätsche zum Beben brachten. © Foto: Claudia Burst
Geislingen / Claudia Burst 05.11.2018

Dirtmusic beginnen ohne Begrüßung und gleich mit dem ersten Zupfen an den Saiten ihrer E-Instrumente fängt die Rätsche am Freitagabend zu beben an. Ein Beben, das eineinhalb Stunden lang nicht aufhört. Diese Musik geht nicht ins Ohr – sie sucht sich ihren Weg durch Hämmern im Bauch direkt ins Blut. Fast 50 Besucher in der Rätsche lassen sich von der Lautstärke und den pochenden Rhythmen in Ekstase versetzen. Ihre Köpfe nicken im Takt, die Augen sind häufig geschlossen, der ganze Körper vibriert. Einige der wenigen anwesenden Frauen versenken sich in die Musik, tanzen, geben sich dem Gefühl hin.

Dirtmusic  – das sind momentan vier Musiker aus vier Ländern: Chris Eckman aus den USA, der aber in Slowenien lebt und Hugo Race aus Australien, beide spielen E-Gitarre und singen. Diese beiden haben vor elf Jahren die Band gegründet – als Folk-Rock-Band mit Elementen aus der Weltmusik. In der Rätsche dabei war Murat Ertel aus der Türkei – in dessen Tonstudio in einem Vorort von Istanbul entstand die neue CD „Bu Bir Ruya“, deren Stücke Dirtmusic zum Besten gaben. Ertel spielt E-Saz, ein türkisches Instrument mit psychedelischem Sound, das dem neuen Album seinen Stempel aufdrückt.

Nicht zuletzt ist es der Tscheche Milan Cimfe am Schlagzeug, der die Musiker pusht und anpeitscht.

Es ist laute Musik mit vielen Elektro-Elementen, kreischenden Tönen und gewollten Rückkopplungen. Die Musiker experimentieren und improvisieren. Ihre Themen sind Geschichten von Grenzen und Mauern, von Verzweiflung und Krieg, von Flucht und Ablehnung. Zu verstehen sind die gesungenen Texte nicht, eher zu erahnen durch die düsteren Filmsequenzen im Hintergrund, durch dunkle Bühnenbeleuchtung und die Sprache der Musik selbst.

Die Musiker hängen sich rein in ihre Instrumentals, gehen aufeinander zu, verzerren die Gesichter in der Agonie, die ihre Saiten entflammen. Sie treffen den Geschmack der Zuhörer, die nach jedem Lied begeistert jubeln und applaudieren. Am Ende mit so viel Erfolg, dass die Musiker nochmals für eine Zugabe auf die Bühne kommen.

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