Natur Weilerner wünschen sich weiterhin Allee entlang der K1441

Weiler / Jochen Weis 21.09.2017
Die Wagrain-Allee bei Weiler gibt Zeugnis von einem bewegten Kapitel der jüngsten Ortsgeschichte. Und lässt zugleich einen Wunsch weiterleben.

Die Wunden sind verheilt, die Narben schmerzen aber immer noch: Mit der Einweihung der Wagrain-Allee bei Weiler ist zwar der Schlussstrich unter einen zwei Jahre währenden Streit zwischen Ortschaftsrat und Landrats­amt um die Fällung von zehn Birken entlang der K 1441 – sie waren die letzten Zeugen einer in den 1920er Jahren angelegten Allee – gezogen worden. Allerdings ist das Thema damit für die Weilerner noch lange nicht begraben, zu groß war die Bedeutung dieser Birken für die Bevölkerung.

„Diese Bäume haben die Landschaft geprägt, sie waren Wahrzeichen“, sagt Weilers Ortsvorsteherin Bettina Maschke. Für nicht Ortskundige: Die K 1441 führt zwischen Weiler und Schalkstetten durch die Battenau, eine gut vier Quadratkilometer große Karstsenke und entlang der Straßen nach Weiler topfeben. „Die Birken waren damit zugleich Orientierungspunkte in der Landschaft“, sagt Maschke.

Weshalb auch der Aufschrei in der Bevölkerung groß war, als diese zehn Birken im Februar 2015 wegen Reifbruchgefahr gefällt wurden. In der Folge hatte es unter anderem zwei große Protestaktionen einer anonymen Gruppe von Umweltaktivisten gegeben, den „Wurzelmännchen“. In der Mainacht 2015 stellten sie neben allen Baumstümpfen Grabkreuze auf – und auf die Stümpfe Grablichter. Noch weitaus spektakulärer war die Aktion Ende März 2016, als sie in einer Nacht-und-Nebel-Aktion entlang der Kreisstraße gleich eine neue Allee anlegten. Die Bäume mussten später auf Geheiß des Landratsamts wieder weg, der Weilerner Ortschaftsrat leitete daraufhin in Absprache mit dem Landratsamt und der Stadt Geislingen die Umpflanzaktion auf den Wagrain in die Wege.

Dabei entbehrt die gesamte Geschichte nicht einer besonderen Tragik: „Nur sechs Monate nach der Fällung, im Juli 2015, hat der Landtag ein neues Landschaftsschutzgesetz beschlossen“, erklärt Maschke: „Das Gesetz stellt unter anderem Alleen an Straßen unter besonderen Schutz und schreibt sogar Neupflanzungen vor, um den Alleenbestand nachhaltig zu sichern.“

Viele Weilerner hegen jedoch seither den Verdacht, dass – wie es im Ort heißt – „jemand noch schnell klare Verhältnisse schafft, bevor es nicht mehr gegangen wäre“. Zumal – wie sich später herausstellte – acht der zehn Bäume völlig gesund waren und schon seit den 1920er Jahren allen Unbilden durch Raureif standgehalten hatten. Maschke beschwichtigt jedoch: „Letztendlich ist das alles reine Mutmaßung, für die es keinerlei Belege gibt. Das neue Gesetz kam eben leider ein halbes Jahr zu spät.“

Nun ruht ihre Hoffnung auf der Zukunft. „Viele Weilerner wünschen sich nach wie vor eine Allee an historischer Stelle“, sagt die Ortsvorsteherin. Das Problem: „Die Richtlinie für passiven Schutz an Straßen schreibt einen Mindestabstand der Bäume zur Straße vor“, erklärt sie: „In Baden-Württemberg müssen außerdem mittelgroße oder schmale Bäume – darunter fallen auch Birken – bei Neupflanzungen vier Meter Abstand zum Nachbargrundstück haben.“

Was angesichts des schmalen Grünstreifens entlang der K 1441 bedeutet, dass die Straße durch die Battenau baumfreie Zone bleiben wird. „Aber bekanntlich ist nichts für die Ewigkeit“, betont die Ortsvorsteherin. Sollte sich aber die Gesetzeslage ändern oder intelligente Fahrzeugtechnik weniger strikte Sicherheitsvorgaben nach sich ziehen, „werden wir in Weiler wieder angreifen, da bin ich mir ganz sicher“.

Erste Veranstaltung der AG „FeschtKultur“

Premiere Die Einweihungsfeier der Wagrain-Allee war zugleich die erste große Aktion der Arbeitsgruppe (AG) „FeschtKultur o.H.!“, hervorgegangen aus dem Bürgerprojekt „Weiler – Wir gestalten unsere Zukunft“. Außer dieser AG gibt es noch die Gruppen Dorfplatz, Naherholung, Jugend, Weiler und Persönliches Miteinander. Am kommenden Dienstag werden sie bei der Sitzung des Ortschaftsrats (20 Uhr/Schulsaal) einen Zwischenbericht über ihre Arbeit geben.