Projekt Weiler hebt Bürgerprojekt aus der Taufe

In kleinen Gruppen entwickeln die Weilerner im Ödenturmsaal ihre Ideen und Visionen.
In kleinen Gruppen entwickeln die Weilerner im Ödenturmsaal ihre Ideen und Visionen. © Foto: Markus Sontheimer
Weiler / Jochen Weis 23.03.2017

Bis Dienstagabend war es nur eine Vision, nun ist es Realität geworden: Die Weilerner haben ihr Bürgerprojekt „Wir gestalten unsere Zukunft – Sei dabei, wenn es um Dein Dorf geht!“ aus der Taufe gehoben. 90 Anmeldungen hatten Ortsvorsteherin Bettina Maschke vorgelegen, am Ende drängten sich mehr als 100 Bürger des Geislinger Stadtbezirks im Ödenturmsaal – knapp ein Sechstel aller Einwohner. „Ich hatte ja gehofft, das es gut wird. Aber das hat all’ meine Erwartungen übertroffen“, konstatiert Maschke. „Vor allem waren viele Leute da, die sich nicht in den Vereinen engagieren. Man hat richtig gemerkt, dass es ihnen ernst ist, dass ihnen an Weiler viel liegt.“

Was sich auch nach Ende der Impulsveranstaltung widerspiegelte: Sechs Aufgabenschwerpunkte hatten sich im Laufe des Abends herauskristallisiert, zu allen bildeten sich bei der Abschlussrunde die Arbeitsgruppen. „Und die sind generationenübergreifend. Die Jüngsten darin sind 13, die Ältesten schon über 70 Jahre alt“, sagt Maschke. Gefragt waren Ideen, wie sich Weiler entwickeln soll. Und die reichten von Visionen wie etwas einer Hängebrücke vom Ödenturm zum Helfenstein bis zu ganz pragmatischen Vorschlägen wie Transportwägelchen für den Friedhof.

Was aber kommt nun in den nächsten Jahren auf die Weilerner zu? Vorgabe im Ödenturmsaal war, von den neun Über­themen, die sich aus einer Brainstorming-Runde er­geben hatten, besagte sechs Schwerpunkte per Mehrheitsvotum auszuwählen, mit denen sich nun die Arbeitsgruppen befassen. Punktgleiche Sieger: Dorfplatz­gestaltung und Ver­­­an­staltungen.

Wie es der Name schon aussagt, wird sich die neu formierte AG Dorfplatz der Weilerner Ortsmitte annehmen, zuvorderst dem als Parkplatz genutzten Areal am Ortseingang, Das ist bislang nur eine fade, asphaltierte Fläche, die ein neues, freundliches Gesicht bekommen soll. Unter anderem fiel auch der Vorschlag, dort einen Springbrunnen zu bauen. Darüber hinaus wird sich die Arbeit  auf den gesamten Ortskern – Stichwort „Dorfverschönerung“ – erstrecken. Die Planung dafür könnte die notwendige Grundlagenarbeit sein, um mit dem Projekt ins Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum (ELR) aufgenommen zu werden.

Die AG Veranstaltungen wiederum hat sich zum Ziel gesetzt, das kulturelle Leben in Weiler voranzubringen. Kultur-Scheuer, Kirchen-Konzerte, Open-Air-Kino, Garagenflohmarkt mit Lichterfest, Weihnachtsmarkt auf dem Helfenstein – Ideen und Ansatzpunkte gab es bei der Impulsveranstaltung aus den Reihen der Bürger bereits genug.

Um die Belange der jungen Weilerner kümmert sich fortan die AG Jugend. Deren Aufgabe: Freizeitangebote zu schaffen, beispielsweise einen Jugendraum als Treffpunkt. Dass dies ein dringendes Anliegen ist, wurde bei der Abstimmung deutlich: Dieser Themenschwerpunkt bekam bei der Abstimmung am drittmeisten Stimmen.

Etwas aus der Reihe fällt die Nummer vier des Stimmen-Rankings. Projektname: „Weiler – So gut wie möglich den ländlichen Charakter des Ortes erhalten“. Die neu entstandene AG Weiler hat eine rein strategische Ausrichtung und soll – möglicherweise auch in Zusammenarbeit mit den anderen Arbeitsgruppen – ein Leitbild entwickeln, wie das Weiler der Zukunft aussehen könnte, wie sich die Entwicklung des Dorfes entsprechend oben genannter Prämisse gestalten lässt.

Die AG Wanderwege wiederum wird sich – der Name ist Programm – um die Wege und Pfade rund um Weiler kümmern. Das soll deren Ausbau wie auch Pflege und Instandhaltung umfassen. Gerade von den älteren Bürgern wurde der Wunsch laut, mehr Ruhebänke entlang der Wanderwege aufzustellen. Außerdem sollen – ein weiterer Vorschlag – für die Besucher des Ortes Schautafeln mit Infos über die Wanderstrecken aufgestellt werden. Schluss­endlich könnte sich die Arbeitsgruppe auch eines Projekts Trimm-Dich-Pfad annehmen.

Letzte Gruppe ist die AG Soziales Miteinander. Auch hier ist die Liste der Ideen, die am Dienstag entstanden ist, lang: Anhalter-Bänkle, Tauschbörsen, Klingelputz mit Kaffeeklatsch (Haushalte laden mit einem Schild an der Tür zum offenen Kaffeeklatsch ein), Alt hilft Jung – Jung hilft Alt, eine Bürger-App für Mitfahrgelegenheiten und so fort sind mögliche Projekte, die sich laut Maschke mit einfachen Mitteln umsetzen ließen.

Bei allen Arbeitsgruppen ist ein Ortschaftsrat Pate. Das Gremium selbst wird sich um die Themen Glasfaser-Ausbau und Ausweisung neuer Bauplätze kümmern. Beide hatten es in die Top-Neun geschafft. Maschke: „Die Bürger haben das aber in der Abstimmung nicht priorisiert, weil sie der Meinung sind, dass dies Aufgabe von Ortschaftsrat und Stadtverwaltung ist.“

Info Wer sich in den Arbeitsgruppen engagieren möchte, kann sich bei Weilers Ortsvorsteherin Bettina Maschke melden: Telefon (07331) 4 02 05, E-Mail bettina.maschke@geislingen.de