Geislingen an der Steige Wege aus der Krise der Städtepartnerschaft

Geislingen an der Steige / RODERICH SCHMAUZ 30.09.2013
Am Wochenende feierten Vertreter aus Montceau-les-Mines und Geislingen 20 Jahre Städtepartnerschaft - im Zeichen der Krise. Doch beide Seiten suchten gemeinsam Ansatzpunkte, die Probleme zu überwinden.

Seit 20 Jahren besteht die offizielle Städtepartnerschaft zwischen Montceau-les-Mines und Geislingen - doch derzeit ist sie kaum mehr mit Leben gefüllt. Der Schüleraustausch, der die Basis der Städtepartnerschaft bildete, kam zum Erliegen. Diesen Problemen stellte sich am Samstag der Partnerschaftsausschuss. In der nichtöffentlichen Sitzung wurden mehrere konstruktive Vorschläge gemacht und Ansatzpunkte diskutiert, wie es in Zukunft wieder besser weitergehen könnte. Die Sitzung sei in einer überaus freundschaftlichen und offenen Atmosphäre verlaufen, berichtet Barbara Baumhauer, die bei der Geislinger Stadtverwaltung zusammen mit Fachbereichsleiterin Margit Schrag für die Städtepartnerschaft zuständig ist.

Beide Seiten gehen davon aus, dass der Schüleraustausch, an dem in Geislingen Michelberg-Gymnasium und Schubart-Realschule beteiligt sind, im kommenden Jahr wieder zustande kommt. Das Problem in Frankreich und eben auch in Montceau ist, dass immer weniger Schüler Deutsch lernen. Englisch und Spanisch dominieren stark als Hauptfremdsprachen. Womöglich kommt in der Schule in Montceau, in der Marie-Claude Valabrègue bis zu ihrer Pensionierung jahrzehntelang Deutsch unterrichtet hat, kein Deutschkurs mehr zustande.

Hinzukommt, dass die Städte und Gemeinden im Einzugsgebiet von Montceau mittlerweile "eigene" deutsche Partnerstädte haben und mit ihnen den Austausch pflegen. Laut Barbara Baumhauer kündigte im Partnerschaftsausschuss Montceaus Oberbürgermeister Didier Mathus eine Initiative an: Er will alle Bürgermeister und Schulleiter aus dem Kohlebecken von Montceau einladen und mit ihnen beraten, ob wieder genügend deutsch-lernende Schüler für einen Austausch interessiert werden können. Bisweilen waren auch schon die Kosten eines Austauschs ein Hemmnis.

Mathus brachte einen weiteren Gedanken ein: Beim Schüleraustausch komme es doch nicht ausschließlich auf das Sprachelernen an, sondern auch auf den kulturellen Austausch. Könnte da nicht Englisch als Verständigungsbrücke dienen? Montceau pflegt seit Jahren auch eine Städtepartnerschaft mit einer Stadt in Polen (aus Polen kamen einst viele Grubenarbeiter nach Montceau). Kaum jemand in Montceau spreche aber polnisch - und umgekehrt, doch die Verständigung klappt trotzdem, gab Mathus zu bedenken.

Mathus hat generell den Eindruck, dass nach der Euphorie Ende der 60er Jahre und den vielen damals geschlossenen Städtepartnerschaften die Dynamik abgeflaut ist. Nun müsse man nach neuen Wegen suchen, wie der "Austausch der Herzen", die Begegnung zwischen den Menschen, gefördert werden könne.

Auf deutscher Seite will GAL-Stadtrat Holger Schrag für den Stadtjugendring über eine Liste der Vereine in Montceau abklären, welche Partner sich dort speziell für junge Leute zur Kontaktaufnahme anbieten. Der Geislinger Stadtseniorenrat will ebenfalls seine Fühler nach Burgund ausstrecken.

Von Geislinger Seite ist geplant, auf 21. Juni 2014 einen Bus nach Montceau zu chartern und so Geislingern zu günstigen Konditionen die Möglichkeit zu bieten, in der Partnerstadt die "Lange Nacht der Musik" zu erleben.