Veranstaltungsreihe Was nicht bewältigt wird, wirkt nach

Blick in die Ausstellung „Kindheit in der Nachkriegszeit“ in der VHS. Sie weist auf eine Veranstaltungsreihe hin.
Blick in die Ausstellung „Kindheit in der Nachkriegszeit“ in der VHS. Sie weist auf eine Veranstaltungsreihe hin. © Foto: Markus Sontheimer
Geislingen / Bettina Verheyen 17.04.2018

Eines schwierigen und schweren Themas haben sich Geislinger Bildungsträger angenommen: In einer Fotoausstellung und einer Veranstaltungsreihe wollen sie sich in diesem Frühjahr den Spuren des Zweiten Weltkriegs in der Region widmen; Spuren nicht nur bei den Überlebenden sondern auch bei den so genannten Kriegskindern – die heute 60- bis 70-Jährigen – und Kriegsenkeln. Sabine Wettstein von der Volkshochschule macht klar, dass das Erbe der Kriegstraumatisierten und Geflüchteten auch die Nachkommen, die in friedlichen Zeiten aufgewachsen sind, bewegten. Die Volkshochschule ist eine der Kooperationspartnerinnen. Dazu kommen die Katholische und die Evangelische Erwachsenenbildung, das Haus der Familie und die Stadtbücherei.

Wie sie gerade auf das Thema Kriegsfolgen gekommen sind, ist den Vertretern der Bildungsträger gar nicht mehr so bewusst. „Vielleicht, weil es jetzt an so vielen Stellen hoch kommt“, meint Wettstein. „Unsere Generation fragt sich, was unsere Eltern als Kinder gesehen haben – und was davon auf die Nachkommen übertragen wurde.“ Es gebe zum Beispiel mittlerweile schon Selbsthilfegruppen von Kriegsenkeln.

Brigitte Wasberg (Mehrgenerationenhaus) bringt ein Beispiel für Kriegsfolgen aus dem Pflegebereich. Sie sagt, dass zwei von drei über 70-Jährigen traumatische Erfahrungen gemacht hätten. „Die jungen Menschen, die jetzt Ältere pflegen, wissen in den meisten Fällen gar nicht, was diese beschäftigt“, gibt sie zu bedenken. „Dabei wäre es wichtig, den Hintergrund zu kennen – das erklärt so manche Verhaltensweisen und Reaktionen der Älteren.“

40 Fotos an vier Orten

Um auf das Thema und auf die Veranstaltungsreihe (siehe Extra-Kasten) aufmerksam zu machen, zeigen die Organisatoren 40 eindrucksvolle Fotos aus der mehrfach ausgezeichneten Sammlung von Michael-Andreas Wahle mit Aufnahmen aus den Jahren 1945 bis 1955. Sie bilden eine Zeit ab, in der der Krieg vorbei war, die Not aber noch lange nicht. Die Ausstellung ist an folgenden Orten – mit jeweils anderen Bildern – zu sehen: Volkshochschule, Schillerstraße 2 (geöffnet: Mo.-Do. 8-18 Uhr und Fr. 8-12 Uhr); Stadtbücherei, Schillerstraße 2 (Di.-Fr. 10-12.30 Uhr und 14-18 Uhr, Sa. 10-12 Uhr); Mehrgenerationenhaus, Schillerstraße 4 (Mo.-Fr. nach Vereinbarung) und Haus der Familie, Gutenbergstraße 9 (Mo.-Fr. 8.15-12 Uhr und Mo.-Do. 14-17 Uhr).

In der Stadtbücherei gibt es außerdem begleitend eine Medienausstellung zum Thema. Dort kann zum Beispiel das Buch „Kriegsenkel“ der Journalistin und Autorin Sabine Bode ausgeliehen werden.

Veranstaltungen – Start am Donnerstag

Die Folgen von Krieg und Flucht
Donnerstag, 19. April, 18 Uhr, Haus der Familie
Die Referentin, Monika Mayer-Beck, hat eine Trauma-Ausbildung und will an diesem Abend Interessierte dazu einladen, sich mit den Spätfolgen von Krieg und Flucht auseinanderzusetzen. Diese haben die Entwicklung und Erziehung der nächsten Generationen beeinflusst.

Auf den Spuren der Nachkriegszeit durch Geislingen
Samstag, 21. April, 10.30 Uhr; Treffpunkt: Stadtbücherei
Stadtführerin Heide Rigl und Günther Alius von der Evangelischen Erwachsenenbildung führen die Teilnehmer zu Plätzen und Gebäduen, die eng mit der Nachkriegszeit in Geislingen verbunden sind und hoffen, dass diese dabei auch untereinander ins Gespräch kommen.

Generation ohne Kindheit – Erzählcafé zu Erlebnissen der Kriegs- und Nachkriegszeit
Donnerstag, 26. April, 14.30 Uhr, Haus der ­Familie
Jürgen Peylo, der selber Fluchterfahrungen hat, will in lockerer Gesprächsrunde dazu anregen, sich über Erlebnisse der Flucht und der Nachkriegszeit auszutauschen.

Kriegsenkel und ihre Eltern
Freitag, 27. April, 19.30 Uhr, VHS
Die Erfahrungen der Eltern der Kriegsenkel hatten und haben weitreichende Auswirkungen auf deren Erziehung und ihre Entwicklung. Anhand eines Impulsvortrages wird die Therapeutin Sabine Salzmann in die Thematik einführen. Danach bleibt Zeit für Diskussion und Austausch.

Kaugummi und Buchele. Die Nachkriegs-Jahre im Landkreis Göppingen
Sonntag, 6. Mai. 10.30 Uhr, Gloria Kino
Für diesen Film über den amerikanisch besetzten Landkreis Göppingen hat das Kreisarchiv Göppingen Interviews mit über 40 Zeitzeugen geführt. Vor dem Dokumentarfilm gibt Kreisarchivar Dr. Stefan Lang eine Einführung.

Meine Eltern, meine Großeltern und ich: das unsichtbare Erbe
Samstag, 9. Juni, 9.30 Uhr, VHS
Die zweite Veranstaltung der Therapeutin Sabine Salzmann will mit Hilfe einer Art Familienstammbaum die oft nur unbewusst wahrgenommenen Bindungen zwischen den Generationen  sichtbar machen. Dabei können die Teilnehmer sich aus familiären Verstrickungen lösen und Positives in ihrer Herkunftsfamilie entdecken.

Info Anmeldungen zu den einzelnen Terminen sind erwünscht – mit Ausnahme des Stadtspazierganges.

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