Geislingen an der Steige Warum „Glück“ in der Schule unterrichtet werden sollte

Tomas Cabanis
Tomas Cabanis © Foto: Foto: Markus Sontheimer
Geislingen an der Steige / Tomas Cabanis 05.11.2016

Glück“ sollte an deutschen Schulen unterrichtet werden. Gute Gründe gibt es dafür genug. Jugendliche fragen sich oft, wie sie Freunde auf einer neuen Schule finden. Manche kämpfen mit einer gewissen Lustlosigkeit und Antriebslosigkeit. Laut einer Studie der Uni Bremen leidet sogar jeder sechste Schüler zwischen zwölf und 17 Jahren unter Depressionen. Da liegt es doch auf der Hand, dass das Schulfach „Glück“ notwendig ist. Doch von Glück kann nicht die Rede sein, wenn man den deutschen Bildungsplan anschaut. Es muss endlich etwas geändert werden!

Wie es sich anfühlt, wenn umgekrempelt wird, durfte ich während meines Schüleraustausches nach England spüren. Auf der englischen Schule meines Vertrauens steht das Unterrichtsfach „well-being“ wöchentlich vier-stündig auf dem Stundenplan.

Bei meiner ersten Stunde „Glück“ dachte ich an Glücksmomente wie Sechs Richtige im Lotto. Das Fach behandelt jedoch andere Faktoren. Die Seele und der Körper, Motivation und die Einstellung zum Leben sowie Verhaltensweisen stehen im Mittelpunkt. Stuhlkreise und Bewegungsspiele sind wichtiger als das Abschreiben aus dem Schulbuch, das es für das Schulfach Glück sowieso nicht gibt. Rituale, die stark das eigene Zufriedenheitsgefühl beeinflussen, werden einem in „Glück“ beigebracht. Eine Woche mussten wir zum Beispiel jeden Tag vor den Spiegel stehen und diesen Spruch vorsagen: „Ich mag mich so wie ich bin. Jeder Mensch hat Höhen und Tiefen. Heute gebe ich mein Bestes. Ich bin glücklich“. Selbst nach der Woche entschieden sich viele von uns die Hausaufgabe fortzuführen.

Notwendig ist das Fach schon lange: Denn wie die Universität Bremen feststellte, leidet jeder sechste Schüler im Alter von zwölf bis 17 Jahren unter Depressionen. Weitere Studien aus Österreich belegen, dass sich Jugendliche am unwohlsten in der Schule fühlen. Selbst ein Zahnarztbesuch wird bevorzugt. Wie viele Forschungen müssen noch durchgeführt werden, damit endlich der Schulalltag überdacht wird? Diese Frage stellte sich auch Ernst-Fritz Schubert. Der Oberstudiendirektor aus Heidelberg sorgte für die Einführung von „Glück“ in rund 100 Schulen in Deutschland. Ein guter Anfang ist es, ein schlechtes Ende alle Mal. Denn reichen tut es noch lange nicht. Einheitlich neben Mathe, Deutsch und Französisch wäre es gut aufgehoben.

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