An einem Neubau oder bei einer Sanierung sind viele Unternehmen beteiligt, denn keiner kann alle Aufgaben lösen: Wer kümmert sich um die Fassade? Wer ist der Experte für Dacharbeiten? Genauso verhält es sich beim Straßenbau, denn nicht jeder, der Asphalt aufträgt, stellt ihn auch her.

Es gehört zu den Aufgaben der Gemeinderäte und der Stadtverwaltung zu entscheiden, welches Unternehmen mit bestimmten Arbeiten beginnen darf. So eine Vergabe von Gewerken darf nicht aus dem hohlen Bauch getroffen werden, entscheidend ist die sogenannte Wirtschaftlichkeit.

„Es muss immer dem wirtschaftlichsten Bieter der Zuschlag erteilt werden, nicht dem billigsten Bieter“, sagt Karl Vogelmann, Leiter des Stadtbauamts in Geislingen.

Wann ist ein Angebot wirtschaftlich?

Wenn ein Unternehmen behauptet, die fälligen Bauarbeiten für einen sehr niedrigen Preis oder für einen unangemessen hohen Preis erledigen zu wollen, darf ihnen der Auftrag nicht einfach so erteilt werden.

Ist der Preis sehr niedrig, muss der Unternehmer begründen können, wie er zu den Preisen kommt. Laut Vogelmann darf ihm dafür eine Frist gesetzt werden.

Was Gemeinderäte bei der Vergabe stattdessen berücksichtigen müssen: Qualität, technischer Wert, Ästhetik, Zweck, Umwelt, Betriebs- und Folgekosten, Rentabilität, Kundendienst, technische Hilfe, Ausführungsfrist und Preis.

Geregelt ist das in der VOB (Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen).

Was muss ein Unternehmen leisten, um Vertrauen zu gewinnen?

Viele Unternehmen sind den Gemeinderäten und der Stadtverwaltung bekannt. Mit einigen verbinden sie gute Erfahrungen – und die fließen in ihre Überlegungen mit ein.

Wer zum Beispiel seine Leistungen für eine Sanierung anbietet, muss beweisen können, wie viel Erfahrung er in diesem Gewerk hat. So zeigt er, ob er geeignet ist, erklärt Karl Vogelmann.

Gemeinderäten muss klar sein, ob das Unternehmen schon einmal Probleme bei der Abwicklung eines Auftrags hatte – und ob es daran schuld war. Wie Vogelmann berichtet, soll die Zufriedenheit anderer Auftraggeber abgefragt werden.

Wichtig ist auch, wie der Betrieb finanziell aufgestellt ist. Kann er Bürgschaften abgeben? Hat er entsprechende Versicherungen? Kann er Sicherheitsleistungen einbringen? Bei letzterem gilt: maximal fünf Prozent der Auftragssumme, wenn diese über 250.000 Euro liegt.

Einen genauen Blick muss die Stadtverwaltung auf das Unternehmen werfen, wenn es eine gerichtliche Vorgeschichte hat, weil es sich beispielsweise mit anderen Auftraggebern auseinandersetzen musste. Wenn das Unternehmen bekannt ist für ständige Nachtragsforderungen, fällt ebenfalls die Wahrscheinlichkeit einer Zusage für die Arbeit.

Und nicht zuletzt gilt natürlich: Der Anbieter muss gute Ansprechpartner haben.

Müssen heimische Unternehmen bevorzugt werden?

„Grundsätzlich dürfen ortsansässige Bieter nicht bevorzugt werden“, sagt John-Nicolas Heinemann vom Ministerium für Finanzen in Baden-Württemberg. Tatsächlich kann ein Gewerk an einen lokalen Unternehmer vergeben werden, wenn das Angebot das wirtschaftlichste ist. In dieser Hinsicht kann die räumliche Nähe auch für entscheidende Vorteile sorgen.

Was das genau bedeutet, erklärt der Leiter des Geislinger Stadtbauamts, Karl Vogelmann: „Falls Wartungsarbeiten beauftragt werden, und eine zeitliche Vorgabe in der Ausschreibung vorhanden ist, in welcher Zeit die Firma auf der Baustelle anwesend sein muss, kann der regionale Bezug eine Vorgabe sein.“

In der Regel bewerben sich zudem meist Unternehmen aus der gleichen Region.

Kann man die Wirtschaftlichkeit immer überprüfen?

„Tatsächlich ist es in der Praxis manchmal schwierig, die Wirtschaftlichkeit zu überprüfen“, sagt Karl Vogelmann. Wenn sich die Angebote der Unternehmen, die sich für einen Auftrag bewerben, stark unterscheiden, sei es relativ einfach, die Wirtschaftlichkeit zu überprüfen. Viel schwieriger sei es, wenn die Abweichungen zwischen den verschiedenen Angeboten sehr gering sind. Dann ist es „schwierig zu sagen, ab welcher Grenze die Unwirtschaftlichkeit beginnt“, so Vogelmann.

Der Chef des Geislinger Stadtbauamts gibt zudem noch zu bedenken, dass Unternehmen die Vergabe von Gewerken rechtlich auch anfechten können. Aus diesem Grund pocht Vogelmann auch darauf, die VOB (Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen) zu beherzigen.

Gibt es eine Mindestanzahl an Angeboten bei der Gewerkevergabe?

Nein. Es ist nicht vorhersehbar, wie viele Unternehmen sich bewerben. Unter Umständen kann nur ein einziges Angebot abgegeben werden. „Wenn dieses dann im Rahmen der Kostenberechnung liegt, muss der Auftrag vergeben werden“, sagt Vogelmann.

In der VOB ist festgelegt, dass bei einer beschränkten Ausschreibung drei bis acht Unternehmen aufgefordert werden, ihre Leistungen anzubieten.

Eine beschränkte Ausschreibung kann erfolgen:

- bis 50.000 Euro netto für Ausbaugewerke, Landschaftsbau und Straßenausstattung.

- bis 150.000 Euro für Tiefbau, Ingenieurbau und Verkehrswege

- bis 100.000 Euro für alle übrigen Gewerke.

Und auch gilt: „Es muss vergeben werden, wenn auch nur ein Angebot eingeht, das als wirtschaftlich beurteilt wird“, so Vogelmann.

Was sind typische Ausbau-Gewerke?

Trockenbau, Estrich, Heizungs- und Sanitärarbeiten, Klimatisierung und Lüftung, Oberboden (Teppiche, Parkett, Laminat), Treppenbau, Schlosser- und Flaschnerarbeiten, Innenputz, Fliesen, Natursteinarbeiten, Innentüren, Mal- und Lackierarbeiten, Stuckateur- oder Gipsarbeiten, Möbel- und Schreinerarbeiten, Elektroinstallationen, Wandverkleidung.

Wann ist eine freihändige Vergabe erlaubt?

  • Wenn für diese Leistung nur ein Unternehmen infrage kommt.
  • Wenn die Leistung besonders dringlich ist.
  • Wenn die Leistung nach Art und Umfang nicht erschöpfend festgelegt werden kann.
  • Wenn die öffentliche oder beschränkte Ausschreibung kein annehmbares Ergebnis verspricht.
  • Wenn es aus Gründen der Geheimhaltung erforderlich ist.
  • Wenn sich eine kleine Leistung von einer vergebenen größeren Leistung nicht ohne Nachteil trennen lässt.
  • Wenn die Auftragssumme kleiner als 15.000 Euro nette beträgt.