Freizeit Wandern im Reich der vier Linden

Stefanie Schmidt 06.09.2018

Das Schmuckstück Waldhausens ist mit Sicherheit der Bahnhof, der 1990 unter der Regie des Gesangvereins liebevoll restauriert wurde. In der Saison  zwischen Mai und Oktober macht dort jeden Sonntag die Lokalbahn der Ulmer Eisenbahnfreunde Halt. Wen  dann spontan das Fernweh packt, der kommt von dort aus mit der Bahn in  knapp vier Stunden bis nach Paris, erzählt Ortsvorsteher Reiner Strehle, der es selbst ausprobiert hat, mit einem Schmunzeln – allerdings mit Umsteigen in Amstetten und Stuttgart.

Aber warum in die Ferne schweifen? Waldhausen selbst hat Wanderern und auch Radfahrern schließlich viel zu bieten. „Das wissen noch zu wenige Leute“, findet Strehle. „Dieses Angebot sollte noch viel mehr Resonanz finden“,  betont der Orstvorsteher, der Radfahrer und Wanderer auch gern selbst mit Info-Broschüren versorgt, wenn er sie aus seinem Büro im Rathaus erspäht. Aber auch auf eigene Faust finden sich Ortsfremde in Waldhausen zurecht.  Zum Überblick gibt es  am Bahnhof schließlich eine große Infotafel mit Karte und Vorschlägen für Wandertouren. Für jeden dürfte etwas dabei sein: Waldromantiker, Eisenbahnfans, Geschichtsinteressierte und sogar Technikbegeisterte kommen rund um Waldhausen auf ihre Kosten.

■ Die Lieblingswanderrunde von Reiner Strehle führt auf etwa 13 Kilometern von Waldhausen nach Eybach und wieder zurück. Zunächst geht es entlang des Fahrradwegs, der neben der Bahntrasse verläuft,  einige hundert Meter über die Hochfläche. Aber schon bald zweigt der Wanderweg ab in den Wald. Immer tiefer geht es hinein in den dichten Forst, der zu Beginn fast ausschließlich aus hohen, schlanken Nadelbäumen besteht. Ein Wegweiser zeigt schließlich den richtigen Weg hinunter nach Eybach durch das Felsental mit seinen beiden berühmten Eisentreppen. Wer doch nicht ins Tal absteigen möchte, kann stattdessen dem Schild in Richtung Skihütte folgen und durch die dicht bewachsene, schattige Rackenhalde in Richtung Weiler weiter gehen. „Das ist eine besonders schöne Strecke, wenn es richtig heiß ist,“ findet Strehle. Die große Runde zurück nach Waldhausen führt über Eybach, Obere Roggenmühle und das steile, ursprüngliche Magental wieder zurück auf die Alb.

■  Von Waldhausen aus gibt es aber auch einen schnelleren Wanderweg zur Oberen Roggenmühle, verrät Reiner Strehle: „Waldhausen liegt geographisch nämlich näher an der Roggenmühle als Eybach“, betont er. Am kleinen Sportplatz,  der an der Straße von Waldhausen Richtung Gussenstadt liegt, geht ein Feldweg links ab zur Roggensteige, die neben dem Magental liegt. Bevor es nach unten geht, überquert man die Schienen der Lokalbahn. Wer am Übergang die Bahnstrecke entlang blickt, sieht genau, wo die Wasserscheide zwischen Rhein und  Donau verläuft, der die Schienen an dieser Stelle folgen.

■ Viel zu entdecken gibt es auch, wenn man sich zu Fuß zum Bahnhof in Gussenstadt aufmacht. Die ehemalige Heerstraße der Römer etwa, die direkt an der heutigen Grenze zwischen den Landkreisen Göppingen und Heidenheim verläuft. Dort steht auch die „Grenzland-Linde“. Sie ist die östlichste der vier Linden, die im Wappen Waldhausens symbolisch dargestellt sind. Der heutige Baum wurde allerdings erst vor zwei Jahren neu gepflanzt. Er erinnert an die wechselhafte Geschichte der vergangenen 700 Jahre, in denen es die Bürger Waldhausens immer wieder mit anderen Herrschern zu tun bekamen. Ein Teil der Heerstraße gehört auch zum 18 Kilometer langen Gussenstadter Themenpfad „Erneuerbare Energien“.

Als Rückweg von Gussenstadt nach Waldhausen bietet sich der Weg durch das Berlinger Tal und vorbei am Wannenberg an. Früher sei die Heidelandschaft am Hang des Wannenbergs ein beliebtes Motiv für Fotografen aus der ganzen Region gewesen, sagt Reiner Strehle. Inzwischen sei die Gegend aber fast wieder zu einem Geheimtipp geworden

Wer stattdessen noch weiter auf den Spuren der Museumsbahn wandeln will, kann von Gussenstadt aus den sechs Kilometer langen Thempfad „Lokalbahn“ nach Gerstetten wählen.

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