Eybach Wanderheim: Eybachs gute Stube wird 50

Eybach / SWP 06.09.2018
Unzählige Arbeitsstunden hat der Eybacher  Albverein in seine Hütte gesteckt. Für viele ist sie das zweite Wohnzimmer.

Verlassen und desolat stand das ehemalige Schießhaus der Schützengilde Schnittlingen Mitte der 1960er-Jahre da, allein auf weiter Flur am Hang, etwa 500 Meter südlich von Schnittlingen. Seit die Flüchtlingsfamilie, die dort nach dem Krieg wohnte, ausgezogen war, wurde das Gebäude nicht mehr benutzt. „Wenn wir als junge Kerle nach Schnittlingen gewandert sind, kamen wir immer an dem verlassenen Gebäude vorbei“, erinnert sich Reinhold Kring von der Ortsgruppe Eybach des Schwäbischen Albvereins. „Da haben wir immer Durst gehabt und dachten jedes Mal: ‚Wenn’s da doch ein Bier geben würd!’“ Der schnellste Weg zum kühlen Wanderbierchen war schnell klar: Die Hütte einfach selbst übernehmen.

Handwerker gehörten immer zum Team

Der damalige Vorsitzende der Ortsgruppe Eybach, Ulrich Gaugel, zeigte sich aufgeschlossen: „Wenn ihr Jungen das wollt“, zitiert ihn Kring, der fast 40 Jahre lang Hüttenwart war. Gaugel suchte das Gespräch mit den Schnittlingern, die bei einer Versammlung über das Schicksal der Hütte entschieden. Dort wurde klar, dass weder die Schützen noch der Musikverein Interesse an dem Gebäude hatten. Die Eybacher Ortsgruppe pachtete die Hütte zunächst auf 20  Jahre und baute sie in ungezählten Arbeitsstunden in  Eigenarbeit zum Wanderheim um. „Wir hatten zum Glück immer alle Handwerkerberufe im Verein“, merkt Erwin Schmidt, ehemaliger Geschäftsführer der Hütte, an.

Die Balken seien so marode gewesen, dass man sie mit der Hand habe „herauskratzen“ können, erzählt Kring. Sobald einer der Balken draußen war, wurde die Lücke sofort mit Backsteinen geschlossen.  „Damit uns die Hütte nicht einfällt.“ Woher die Ziegel stammen, weiß er noch genau: aus der Hinteren Siedlung in Geislingen. Zur selben Zeit seien dort damals Häuser abgerissen worden, erklärt Markus Wolf den Hintergrund. Aus einem der Häuser durften sich die Eybacher mit Baumaterial bedienen, was zum Start eine große Hilfe war. Denn die Finanzmittel für die Hütte waren anfangs knapp. Als Startkapital hatte der damals zehnköpfige Ausschuss der Ortsgruppe pro Mann 30 DM gespendet.

Einkehrmöglichkeit für jeden Wanderer

1968 war es dann so weit: Das Wanderheim feierte offiziell Eröffnung. Aber auch schon im Jahr zuvor kamen die ersten Gäste. „Eine Konzession hatten wir vom ersten Tag an. Jeder Wanderer konnte einkehren“, sagt Kring. Durch Ulrich Gaugel, der auch Gau-Obmann war, wurde die Hütte schnell bekannt. Auch heute kommen pro Wochenende etwa 50 bis 60 Besucher.

Über die Jahre und Jahrzehnte werkelte die Ortsgruppe konsequent weiter an der Hütte, verwirklichte zum Beispiel einen Anbaut und erneuerte das Dach. „Immer wenn Geld da war, haben wir wieder etwas gemacht“, sagt Schmidt. Schulden musste der Verein für die Hütte nur einmal ganz am Anfang machen. Neben Spenden brachte ein Kredit von der Adler-Brauerei den Hütten-Umbau in Schwung. Dafür blieb die Ortsgruppe der Brauerei stets treu: Bis zum Ende des Unternehmens wurde auf der Hütte Adler-Bier ausgeschenkt.

Strom fließt seit den 80ern

Ein großer Akt war die Elektrifizierung der Hütte in den 1980er-Jahren. Zuvor waren Gaslampen im Einsatz, was ganz spezielle Probleme mit sich brachte – Glühstrümpfe etwa, die bei der kleinsten Berührung zu Asche zerfielen. „Die Strümpfla musste man immer ganz vorsichtig anzünden. Da durfte man mit dem Streichholz nicht rankommen“, erläutert Kring. Schließlich habe ein Glühstrumpf damals fünf Mark gekostet. Wer es falsch machte, bekam Ärger und wurde vom damaligen Hüttenwart ordentlich „verseggelt“, sagt Bernd Rudolf, der heute Geschäftsführer der Hütte ist.

Ein weiterer Meilenstein war der Anschluss ans Abwassernetz: Als die Gemeinde Schnittlingen 2003 eine Wasserleitung erneuern musste, die direkt an der Hütte vorbeilief, habe man einfach ein Rohr für die Hütte „mit reingelegt“, sagt Kring. Die Zeit des zugigen Plumpsklos im Freien war damit endgültig vorbei und Hüttenwart Kring froh, dass er nicht mehr darum gebeten wurde, verlorene Autoschlüssel aus der Grube zu fischen.

Für drei Generationen von Eybachern war und ist die Hütte so etwas wie ihr zweites Wohnzimmer. Das Miteinander von Jung und Alt klappe in der Eybacher Ortsgruppe hervorragend, meint Markus Wolf. Hüttenwart und Geschäftsführer bekommen stets Unterstützung von den Vorgängern. Die Senioren lassen die Jungen aber auch ihr Ding machen. „Mir send zufrieda mit dene Kerle“, betont Kring „Und wenn die jungen Familien Dienst haben, wuselt es auf der Hütte vor Kindern.“

Info Die Hütte ist von Ende März bis Mitte Dezember an allen Wochenenden und Feiertagen offen (außer am Huttanz und Waldfest). Samstag: 14 bis 19 Uhr, Sonn- und Feiertage: 10 bis 19 Uhr.

Festwochenende zum Jubiläum

Der Familienabend ist am Samstag, 8. September, der Auftakt zum Festwochenende anlässlich des Hüttenjubiläums. Los geht es um 18 Uhr auf der Eybacher Hütte. Ein Höhepunkt ist der Auftritt von Marvin Schebesta alias Magier Marv.

Der  Schnittlinger Wandertag folgt am Sonntag, 9. September, ab 11 Uhr. Dieses Jahr ist die Hütte wieder Ziel der Gausternwanderung. Livemusik von der Blaskapelle Montana sowie vom Musikverein Eintracht Schnittlingen sorgen für Unterhaltun, Kinder können sich in der Hüpfburg austoben. Und natürlich ist auch für Essen und Trinken gesorgt.

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