Forst Waldarbeiter lassen’s krachen

Lena Heinrich 25.02.2017

Was ich euch jetzt zeigen werde, sieht vielleicht harmlos aus, ist es aber keinesfalls“, warnt Förster Gottfried Schön auf dem Weg zu den Forstarbeiten im Längental. Diese Arbeiten waren dringend notwendig, da der Wald wegen der Hanglage nie richtig durchforstet werden konnte. Von den rund 900 Hektar Waldfläche der Stadt Geislingen befinden sich zirka 300 Hektar in Hanglage, was die Forstarbeiten erheblich erschwert. Im Moment werden 15 Hektar bearbeitet, was in etwa 1000 bis 2000 Festmetern Holz entspricht.

Die Einhiebe hätten bis vor einem Jahr mehr gekostet, als dass sie einen Gewinn erbracht hätten, was sich nun wegen Fördermitteln aus der Europäischen Union (EU) geändert hat.

Mitten im Geschehen, bei dem Sägen kreischen und Bäume stürzen,  erklärt Förster Schön die einzelnen hochkomplexen Arbeitsschritte der Waldarbeiter der Firma Hagenauer und Seestaller. Das Unternehmen wurde extra für diese komplexen Arbeiten aus dem Allgäu angefordert. Die Vorarbeit besteht darin, mit dem Kompass genau festzulegen, in welchen Winkeln Gassen in den Wald hineinragen, da die gefällten Baumstämme von oben mit einem Seilkran hinaufgezogen werden. Das sei für den Waldboden die pfleglichste Variante, erläutert der Fachmann. Die zu fällenden Bäume werden von Förster Schön sorgfältig ausgewählt und markiert, wobei er immer darauf achten muss, dass er die instabilen und beschädigten Bäume markiert, damit die starken genug Licht bekommen.

Bevor die Waldarbeiter mit dem Sägen beginnen, befestigen sie ein Seil am unteren Ende des Baumes, damit dieser von einer sogenannten Laufkatze nach oben befördert werden kann.

Inmitten des Lärms der Motorsägen erklärt Schön, wie man die Fallrichtung eines Baumes beeinflussen kann, wobei man im Hang nur bedingten Spielraum hat, da die Bäume letztendlich alle bergab fallen. „Nach dem Sägen muss man schauen, dass man schnellstmöglich mindestens sieben Meter Abstand zum Baum bekommt, damit man kein Risiko eingeht, Folgeschäden durch beispielsweise das Ausschlagen eines Baumes zu erleiden“, warnt der Forstmann. Wenn der Baum gefallen ist, wird er von der Laufkatze nach oben gezogen, wo er dann von einem Harvester-Aggregat ertastet, gemessen und gekürzt wird. Förster Schön unterstreicht, dass alles restlos verwertet wird und sogar die Abfälle noch zu Hackschnitzeln verarbeitet werden.

Ein Hindernis ist bei diesen Arbeiten die Stromleitung, die zum Tegelberghof verläuft. Diese kann nicht einfach ignoriert werden und muss während der Arbeiten in der Nähe abgeschaltet und abgehangen werden. Der Tegelberghof wird in dieser Zeit über ein Notstromaggregat versorgt und kann in seiner Biogasanlage in dieser Zeit auch keinen Strom produzieren, da dieser nicht abgeleitet werden kann.

Und Schön lobt die Waldarbeiter. „Für die Leistung, die diese Leute erbringen, sind sie definitiv unterbezahlt“, sagt er. „Waldarbeiter haben eine hervorragende Ausbildung, sind ökologisch gebildet und haben es technisch voll drauf, und das bei körperlicher Schwerstarbeit und teilweise lebensgefährlichen Bedingungen. Zudem müssen sie mit dem Risiko leben, dass sich Menschen über die Warnhinweise des Forstamtes hinwegsetzen und das gesperrte Gebiet dennoch betreten. Sollte hierbei etwas passieren, ist nach unserer Rechtsprechung der Arbeiter schuld, der den Baum gefällt hat und nicht etwa derjenige, der sich über das Verbot hinweggesetzt hat.“ Bedauerlicherweise hat sich bei den Arbeiten schon ein Unfall ereignet, bei dem ein Arbeiter verletzt und von der Bergwacht geborgen wurde (wir berichteten) Förster Gottfried Schön weist deshalb nochmals ausdrücklich darauf hin, dass während der Arbeiten alle Wanderwege im Gebiet um das Längental gesperrt sind.