VW VW-Rückrufaktion: Im Landkreis sind 9000 Fahrzeuge betroffen

Abgasskandal: Werkstattmeister Martin Zeller vom Autohaus Maier in Kuchen mit einem Pickup Amarok
Abgasskandal: Werkstattmeister Martin Zeller vom Autohaus Maier in Kuchen mit einem Pickup Amarok © Foto: Jochen Horndasch
JOCHEN HORNDASCH 15.02.2016
Ganz langsam hat im Februar die Rückrufaktion für bestimmte Dieselfahrzeuge des VW-Konzerns begonnen. Im Landkreis werden etwa 9000 Autos eine neue Abgas-Software bekommen.

Von den mehr als 154.000 Personenkraftwagen im Kreis Göppingen müssen in diesem Jahr etwa 9000 Autos einen Extra-Stopp bei einer VW-Vertragswerkstatt einlegen: Sie erhalten eine neue Abgas-Software aufgespielt. Damit reagiert der VW-Konzern auf den Abgasskandal. Die Software soll dafür sorgen, dass künftig die Abgaswerte der betroffenen Dieselfahrzeuge von Audi, VW, Skoda und Seat den Angaben in den Fahrzeugpapieren entsprechen. VW möchte das Ziel erreichen, ohne dass durch die neue Software die Leistung der Wagen geringer wird oder der Verbrauch steigt, berichtet Felix Ritter vom Donzdorfer Autohaus Lutz.

Bisher hat VW lediglich Autos des Modells Amarok zurück in die Werkstätten gerufen. Da von dem Pickup nur etwa 8000 Exemplare im Bundesgebiet unterwegs sind, sind auch im Landkreis nur wenige Fahrzeuge betroffen. Bisher sei lediglich ein Amarok im Donzdorfer Autohaus nachgerüstet worden, sagt Geschäftsführer Felix Ritter.

Das wird sich ändern, wenn Volkswagen die Volumenmodelle von Passat, Golf oder Audi A4 in die Werkstätten ruft. Nach Angaben der Bundesregierung sind rund 2,46 Millionen Dieselfahrzeuge betroffen. In der Region Stuttgart sollen es mehr als 86.000 Fahrzeuge sein, davon etwa 9000 im Kreis Göppingen, hat der Bundestagsabgeordnete Matthias Gastel (Grüne) ermittelt.

Um dem erwarteten größeren Ansturm gerecht zu werden, hat Ritter in Donzdorf zwei zusätzliche Update-Plätze eingerichtet. Er erwartet einen Aufwand von jeweils etwa einer halben Stunde pro Fahrzeug. Noch seien aber nicht alle Programme für die jeweiligen Modelle und deren Varianten entwickelt.

Der Donzdorfer Autohändler hat beobachtet, dass seine Kunden "relativ entspannt" auf den Abgasskandal reagieren. Die Rückmeldungen blieben ohne große Aufregung. "Bisher war alles harmlos."

Frank Eisenhard, Geschäftsführer des VW-Autohauses Wilhelm Maier in Kuchen, ist zuversichtlich. Die Rückrufaktion werde auf keinen Fall zu Lasten seiner übrigen Kunden gehen und einen Reparaturstau verursachen. "Kapazitätsengpässe wird es nicht geben", sagt der Firmenchef. "Das Aufspielen der neuen Abgas-Software dauert eine halbe Stunde", erklärt Eisenhard. Danach entspreche das Fahrzeug der vom Hersteller zugesicherten Werte. Allerdings gebe es für die von der Rückrufaktion betroffenen Fahrzeuge insgesamt 1200 Software-Varianten, die von der jeweiligen Ausstattung abhängig seien. Ob Anhängerkupplung, Automatik, Klimaanlage und vieles mehr - jedes Ausstattungsdetail habe unmittelbare Auswirkung auf die Software und müsse berücksichtigt werden.

Was für die Ingenieure und Techniker bei VW ein Sisyphus-Geschäft ist, kommt letztendlich den Werkstätten und Kunden zugute. Denn laut VW sind im Laufe des Jahres insgesamt 13 Rückrufwellen geplant. Dadurch will man die Nachfrage nach einem Werkstatttermin über einen längeren Zeitraum strecken.

Ab Ende Februar sind bestimmte Pkw mit 2,0-Liter-Dieselmotor an der Reihe. VW fordert alle Fahrzeughalter in einem Schreiben auf, die neue Abgas-Software in einer autorisierten VW-Werkstatt aufspielen zu lassen. Jeder Kunde hat sechs Monate Zeit, wobei die Teilnahme an der Rückruf-Aktion Pflicht ist.

Serviceberater Wolfram Scheurer von der VW- und Audi-Vertragswerkstatt Schmid, die in Geislingen und Salach eine Niederlassung hat, erwartet keine Probleme für das Autohaus. Für die Rückrufaktion werde eine spezielle Hotline eingerichtet, um Termine zu koordinieren und Wartezeiten zu minimieren.

"Für das Aufspielen der neuen Software ist ein Mechaniker freigestellt, der sich ausschließlich um die betroffenen Fahrzeuge kümmert", sagt Scheurer. Funktioniert die Online-Versorgung aus Wolfsburg und gibt es keine Störungen, können bis zu zehn Autos am Tag nachgebessert werden. Rein rechnerisch ist das mehr als genug. Denn es gibt zehn VW- und Audi-Vertragswerkstätten im Kreis Göppingen. Wenn jede Werkstatt gut vier Autos am Tag nachbessert, ist das gesamte Pensum von 9000 Dieselfahrzeugen innerhalb eines Jahres leicht zu schaffen.

Umsatzeinbußen wegen des Abgasskandals hat Scheurer nicht festgestellt. Die Kunden blieben ihrer Marke treu.

154.000 Autos im Kreis

Zahlen Exakt 210.637 Fahrzeuge waren am 1. Januar 2016 im Landkreis bei der Kfz-Zulassungsstelle registriert, berichtet Abteilungsleiter Matthias Haug. Davon waren 154.103 Personenwagen, 16.388 Krafträder, 22.246 Anhänger und 8640 Lastwagen. Haug liegen aber keine Zahlen vor, über die vom Abgasskandal betroffenen Dieselautos des VW-Konzerns im Kreis.

SWP