Einen ersten Vorgeschmack auf die 2013 anstehende Bundestagswahl gab es beim Neujahrsempfang der Geislinger SPD im Foyer der Jahnhalle: Zu Gast war die SPD-Kandidatin des Wahlkreises Göppingen, Heike Baehrens.

Zunächst war aber der Vorsitzende des Geislinger Ortsvereins, Ludwig Duschek, am Zuge. Sein Augenmerk galt einer Personalie in der Landespolitik: Das neue Jahr habe in Andreas Stoch einen neuen Kultusminister beschert. Dieser Personalwechsel in Stuttgart habe Folgen für Geislingen, denn der hiesige Landtagsabgeordnete Sascha Binder solle Andreas Stoch als neuer SPD-Obmann im ENBW-Untersuchungsausschuss folgen (wir berichteten). Weiter solle er nun rechtspolitischer Sprecher und Justitiar der SPD-Landtagsfraktion werden.

In seinem Grußwort ging Geislingens OB Wolfgang Amann auf die nach seinen Worten "Niederungen der Kommunalpolitik" ein. Kleinkinderbetreuung unter drei Jahren, Sanierung der Schulen, der "Alte Zoll" mit einem Sanierungsbedarf in Millionenhöhe und so fort: "Es gibt viel zu tun, packen wirs an", brachte es das Stadtoberhaupt auf den Punkt.

Mit "The Lady is a Tramp" leitete Ulrich Brügel am Klavier musikalisch zur Vorstellung der SPD-Bundestagskandidatin, Heike Baehrens, und zum Vortrag von Evelyne Gebhardt "Europa sozial - mehr als Wirtschaft und Finanzen" über. Die 1955 geborene Bankkauffrau und Diplom-Religionspädagogin Heike Baehrens, seit 1977 verheiratet und Mutter zweier erwachsener Töchter, stellte in kurzen Zügen ihre Vita vor. Baehrens, seit 1996 Geschäftsführerin im Diakonischen Werk Württemberg, forderte eine Rentenreform, den gesetzlichen Mindestlohn sowie die Beibehaltung von zehn Schuljahren zum Einstieg in die Pflegeausbildung und nicht, wie von der EU gefordert, deren zwölf.

Die Europa-Abgeordnete und stellvertretende Landesvorsitzende der Bürgerbewegung EU Baden-Württemberg (EUD-BW), Evelyne Gebhardt, ging in ihrem Referat auf die Finanzkrise in Europa ("Wir müssen da eine Lösung finden") ein. Sie forderte, mit Zugeständnissen an einzelne Länder aufzuhören und eine schärfere Kontrolle der Banken. Gebhardt versprach, sich dafür einzusetzen, dass Realschüler auch weiterhin mit zehn Schuljahren eine Pflegeausbildung beginnen können. Sie nahm zudem Stellung zur Novellierung des Vergaberechts: Es dürften nicht nur die günstigsten Anbieter für europaweite Auftragsvergaben relevant sein, es sollten vielmehr auch Qualitätsmerkmale gefordert werden. Weiter sprach sie sich gegen Dienstleistungskonzessionen bei der Wasserabgabe an private Konzerne aus, "dies ist ein Blödsinn".

Gebhardt betonte abschließend, dass sie stolz und froh darüber sei, dass die EU den Friedensnobelpreis erhalten habe. Für ihre Aussage, dass Probleme in Europa nicht mehr mit Waffen, sondern durch Verhandlungen gelöst werden, erhielt die Europa-Parlamentarierin viel Beifall des Auditoriums.