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Windkraft
Geislingen / Heike Siegemund  Uhr

Mittwochabend, Kapellmühlsaal Geislingen: Der AfD-Kreisverband Göppingen um den Bundestagskandidaten Volker Münz hatte zu einer Veranstaltung mit dem Titel „Strom aus Windkraft – Ökonomisches und ökologisches Desaster“ geladen. Am Eingang überprüften Security-Männer die Besucher. Vor dem MAG-Gebäude waren Polizeifahrzeuge positioniert – doch die Beamten erlebten einen ruhigen Abend.

Drinnen im Kapellmühlsaal war indes von Vertretern der Antifa (Antifaschistische Aktion) die Rede, die sich angeblich vor dem Gebäude aufhielten. „Ich wollte sie hereinbitten“, sagte der Referent des Abends, Horst-Joachim Lüdecke zu den Zuhörern, darunter der AfD-Landtagsabgeordnete Heinrich Fiechtner. Die Antifa-Leute hätten aber partout nicht gewollt. Dabei wäre dies sinnvoll gewesen, damit sie sich einmal mit den Fakten über Wind­energie und Energiewende beschäftigt hätten, ergänzte er und stellte klar: „Wir wollen eine offene Diskussion.“

Allerdings: Laut Jens Rügner, dem Leiter des Geislinger Polizeireviers, der mit seinen Kollegen vor Ort war, verirrten sich keine Demonstranten und keine Anhänger der Antifa zum Kapellmühlsaal. Dies bestätigte Geislingens Ordnungsamtschef Philipp Theiner, der am Mittwochabend ebenfalls nach dem Rechten schaute, gegenüber der GZ. Ihnen fiel lediglich eine Handvoll Jugendlicher auf, die nach einer Unterhaltung mit den Security-Männern wieder friedlich von dannen gezogen seien.

Unterdessen blieben im Kapellmühlsaal etliche der aufgestellten Stühle leer. Zwischen 40 und 50 Besucher waren gekommen, um den Vortrag des Physikers Horst-Joachim Lüdecke anzuhören. Er ist pensionierter Professor der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes und Mitglied des AfD-Fachausschusses Energiepolitik. Dieser stellte nach seinem gut einstündigen Vortrag fest: Windräder seien im Schwachwindgebiet Baden-Württemberg unsinnig. Generell gebe es keinen Vorteil der Energiewende, bei der es sich im Übrigen um mittelalterliche Methoden mit modernster Technik handle. Wenn die Energiewende in Deutschland konsequent weiterverfolgt werde, „endet sie bei den Energiezuständen von Entwicklungsländern“. Lüdecke ist hier aber nicht bange: „Das wird sich bald von alleine erledigen“, winkte er ab.

Die Energiewende in Deutschland passe nicht zu den Naturgesetzen und technischen Regeln, sagte Lüdecke. Denn Kernreaktoren verfügten über eine große Leistungsdichte, während Wind­räder eine geringe Leistungsdichte hätten. „Deshalb muss man die Anlagen auch so groß machen“, sagte Lüdecke. Die Folgen seien zum Beispiel steigende Stromkosten, eine Landschafts- und Naturzerstörung und gesundheitliche Schäden für Anwohner durch den Windrad-Infraschall. Kohle und Uran seien am umweltschonendsten, die sanften Energien wie Windkraft am umweltschädlichsten, sagte Lüdecke. Bei Letzteren sei ein zu hoher Aufwand für die Energieerzeugung notwendig.

Volker Münz zeigte sich nach dem Vortrag „ernüchtert“. Die AfD spreche sich zwar nicht grundsätzlich gegen erneuerbare Energien aus, aber sie müssten Sinn machen, betonte er – und dies sei bei der Windkraft in Baden-Württemberg eben nicht der Fall. „Warum hört man diese Fakten so selten? Was wird damit bezweckt?“, fragte er. Auch Heinrich Fiechtner wollte von dem Referenten wissen, was hinter dieser Methodik des scheinbaren Verschweigens stecke.

Horst-Joachim Lüdecke antwortete: „Es ist eine Mischung aus Ideologie und Geschäftsmodell.“ Mehr wollte er dazu nicht sagen – schließlich sei er ja Wissenschaftler, dem es nur um Fakten und nicht um eine politische Einschätzung gehe.