Geislingen Viele Schwalben machen den Sommer

Mehlschwalben in der Stuttgarter Straße in Altenstadt: Das Nest der Vögel wurde direkt unter der Regenrinne des Hauses „angemauert“. Die Lebensbedingungen für die geschützte Vogelart verschlechtern sich bei uns zusehends.
Mehlschwalben in der Stuttgarter Straße in Altenstadt: Das Nest der Vögel wurde direkt unter der Regenrinne des Hauses „angemauert“. Die Lebensbedingungen für die geschützte Vogelart verschlechtern sich bei uns zusehends. © Foto: Jürgen Wahr
Geislingen / Jürgen Wahr 17.08.2018
Mehlschwalben ziehen in der Stuttgarter Straße in Geislingen ihren Nachwuchs groß. Die fliegenden „Maurer“ fühlen sich dort sichtlich wohl.

Es gibt sie noch, die Mehlschwalben im Stadtgebiet. In den 1950er-Jahren waren die Nester dieser Flugkünstler unter den Vögeln zumindest in Altenstadt nahezu an jedem Haus anzutreffen. Doch durch den Rückgang der Landwirtschaft und die Tatsache, dass die Feldwege vermehrt asphaltiert wurden, wurde diese zwei- bis dreimal jährlich brütende Vogelart aus dem Stadtgebiet verdrängt.

Ein Schwalbenpärchen hat sich an der stark befahrenen B 10, die keinesfalls als Vogelparadies bezeichnet werden kann, am Haus der Familie Herrlinger gegenüber dem „Adler“ ein Eigenheim gemauert. Hoch oben am Dachtrauf herrscht nun reger Flugbetrieb, um den bettelnden Nachwuchs mit Fliegen und Insekten, die im Flug gefangen werden, satt zu bekommen. Das für den Nestbau benötigte Baumaterial hat das Schwalbenpaar wohl aus dem nahe gelegenen Landschaftsraum der Heiligenäcker besorgt, wo es teilweise noch mit Kalk befestigte Feldwege gibt. So konnten die fliegenden „Maurer“ in Pfützen den Kalk zu Mörtel binden und für den Nestbau verarbeiten. „Ihr Markenzeichen ist der leuchtend weiße Bürzel, der sich von der dunklen Oberseite abhebt. Auch bäuchlings ist die Mehlschwalbe mit Ausnahme der Schwanzfedern rein weiß gezeichnet. Der tief gekerbte Schwanz besitzt im Gegensatz zur Rauchschwalbe keine langen Spieße.“ So beschreibt der Naturschutzbund Deutschland (NABU) die geschützte Vogelart auf seiner Internetseite.

Dieter Rockenbauch geht davon aus, dass es in der Kernstadt lediglich noch zirka 100 Mehlschwalbenpaare gibt. Der ausgewiesene Geislinger Ornithologe beschreibt die Situation dieser Vogelart unter anderem damit, dass die veränderte Wohnbaukultur bei uns zu verschlechterten Lebensbedigungen für die Vögel beigetragen habe. Früher hatten die Außenfassaden häufig Rauhputz und Dachvorsprünge, die den Nestern den nötigen Halt und Schutz verliehen haben. Leider haben nur noch wenige Häuslesbesitzer Verständnis für diese Art des Nestbaus der im Herbst weit nach Süden ziehenden Nestbewohner. Denn die Vögel hinterlassen durch Kot und Nistmaterial ihre Spuren an der Fassade und den darunter liegenden Bereichen einer Hausfront. Dabei kann man mit einem einfachen Brettchen, das am besten etwa 40 bis 50 Zentimeter unterhalb der Nester befestigt wird diese Verschmutzungen verhindern. Solch einen Schmutzfänger direkt unter dem Nest anzubringen, davon rät Dieter Rockenbauch ab. Denn so könnten Räuber diese Landebahn nutzen, um sich an der geschlüpften Brut zu vergreifen, meint der besorgte Vogelexperte.

Info Im Geislinger Heimatmuseum vermitteln derzeit präparierte Vögel einen naturgetreuen Eindruck der Vogelwelt in seiner großen Artenvielfalt.

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