Geislingen an der Steige Viel Applaus für Rossinis "Petite Messe solennelle"

Der Geislinger Singkreis präsentiert mit Gesangssolisten, Flügel und Harmonium Rossinis "Petite Messe solennelle" in der Geislinger Stadtkirche. Das gelungene Zusammenspiel von Sängern und Musikern gibt der würdevollen Messvertonung ihren verdienten Rahmen.
Der Geislinger Singkreis präsentiert mit Gesangssolisten, Flügel und Harmonium Rossinis "Petite Messe solennelle" in der Geislinger Stadtkirche. Das gelungene Zusammenspiel von Sängern und Musikern gibt der würdevollen Messvertonung ihren verdienten Rahmen. © Foto: Sabrina Balzer
ULRICH SCHLECHT 18.04.2016
Kleine Messe, großer Glanz: Der Geislinger Singkreis, Gesangssolisten, Flügel und Harmonium führten am Samstagabend in der Geislinger Stadtkirche Rossinis "Petite Messe solennelle" auf.

Drei Jahrzehnte hatte der Italiener Gioachino Rossini an wechselnden Orten damit zugebracht, die reichlich fließenden Tantiemen aus seinen zahlreichen Opern zu verzehren. In Paris, der Hauptstadt der Genüsse, wurde dem Feinschmecker sogar ein Gericht gewidmet, das "Tournedos Rossini". Dann, mit 71 Jahren, nahm er einen Kompositionsauftrag an und schuf seine "Petite Messe solennelle", wörtlich eine kleine feierliche Messe. Man kann diesen Titel nur als humorvolle Untertreibung Rossinis auffassen, wie er auch in einem Nachwort dem lieben Gott seine "ärmliche, kleine Messe" anempfiehlt und dafür einen Platz im Paradies erbittet. Tatsächlich schuf der Opernkomponist Rossini mit seinen ganz eigenen Mitteln eine große und würdevolle Messvertonung.

Klein ist freilich die Besetzung, denn Sängerinnen und Sänger werden nur von Harmonium und Flügel unterstützt. Doch gerade die instrumentalen Beiträge machten einen großen Reiz aus, als das Werk am Samstagabend in der Geislinger Stadtkirche vor einer ansehnlichen Zuhörerzahl aufgeführt wurde.

Der veranstaltende Geislinger Singkreis und ein Gesangsquartett wurden begleitet von Heinz Lendl am Flügel, der diesen Part auch schon bei einer Aufführung vor 13 Jahren gespielt hatte, und Ralf Löwe am Harmonium. Bedingt durch die Bauart der Instrumente war vornehmlich der Flügel für Akzente, für Drive und Strukturierung zuständig, was Heinz Lendl mit fein ziseliertem Anschlag zuverlässig besorgte, während das Harmonium das Spektrum an Klangmischungen verbreiterte.

Ralf Löwe übernahm auch den Solopart im "Prélude réligieux". Dieses Präludium, das bei den meisten Aufführungen dem etwas ausdrucksstärkeren Klavier anvertraut wird, dürfte wohl sein Vorbild in Beethovens Missa solemnis haben, in dem dem Benedictus ein inniges Intermezzo des Orchesters vorangestellt ist.

Wie in seinen Opern versah Rossini die Gesänge meist mit längeren, markanten Vor- und Nachspielen und nutzte das insistierende Wiederholen von Themen und Motiven zur Steigerung der Ausdruckskraft. So gewannen die ausgedehnten Chorfugen am Schluss von Gloria und Credo ihre Gestalt, denen allerdings neckisch hüpfende Begleitfiguren das allzu Ernste wieder nehmen sollten. Sämtliche Chorpartien beherrschte der nicht sehr üppig besetzte Singkreis gut, und klanglich waren besonders die Soprane vortrefflich; allenfalls bei der Textverständlichkeit kann ein gewisser Mangel angemerkt werden.

Zur Fülle des Wohllauts, um mit Thomas Mann zu sprechen, trugen auch die Solisten bei. Manuela Soto (Sopran), Marion Eckstein (Alt), Joaquin Asiain (Tenor) und Matthias Horn (Bass) ließen es an nichts fehlen. Das gilt sowohl für die Arien wie für Ensemblestücke, bei denen alle erfolgreich um große Ausgewogenheit des Stimmklangs bemüht waren. Herauszuheben sind Matthias Horn, der seine große Stimme in der "Quoniam"-Arie wunderbar elastisch und differenziert einsetzte, sowie Marion Eckstein, die sich im "Agnus Dei" mit ihrem dramatisch-erschütternden "Miserere" neben Chor und Instrumenten glanzvoll zu behaupten wusste.

Zum guten Gelingen trug nicht zuletzt bei, dass alle Mitwirkenden einfühlsam dem energisch befeuernden Dirigat von Thomas Rapp folgten. Da gab es keine Spur von Unsicherheit, und bezüglich Tempo und Dynamik war man sich überaus einig. Nach der hochdramatisch ausklingenden Friedensbitte "Dona nobis pacem" herrschte lange andächtige Stille, ehe die Musikanten herzlichen und großen Applaus entgegennehmen durften.