Stolz und überrascht sei sie gewesen, sagt Verena Bisle. Mit dem von der Bürgerstiftung ausgelobten Preis werden seit 2013 vielversprechende Nachwuchskünstler der Stadt ausgezeichnet. Ein großes Maß an Beharrlichkeit sei zum vorhandenen Talent nötig, um voranzukommen,sagte Regina Menzel in ihrer Laudatio auf Verena Bisle. Diese Beharrlichkeit ist der 26-Jährigen anzumerken.

Schon 2008, nach ihrem Abitur am Geislinger Helfenstein-Gymnasium, hat Verena Bisle sich an der Akademie der Bildenden Künste für den Studiengang Bühne- und Kostümbild in Stuttgart beworben. Damals wurde sie nicht angenommen, hat ein Studium der Theaterwissenschaften und Soziologie in Erlangen dazwischengeschoben, ihren Bachelor gemacht, und sich 2012 erneut beworben – dann mit Erfolg. Das Uni-Studium empfand Verena Bisle als sehr theoretisch und abstrakt, trotz Praktika und einer Dramaturgie-Hospitanz. Sie hat gemerkt: „Ich muss das mit dem Bühnenbild wieder versuchen“.

Explosionen und sehr viel Blut

Ins Theater ist Verena Bisle, die jetzt in Stuttgart lebt, hineingewachsen. Ihr Vater ist der Geislinger Stücke-Autor Claus Bisle, Leiter derTheatergruppen „Theater unter den Linden“ des TV Altenstadt und der Theatergruppe Roggenmühle in Eybach. Ihre Kindheit sei äußerst kreativ gewesen, erzählt sie: „Mein Bruder und ich besaßen eine Kiste voller Modellautos, mit denen wir in leidenschaftlicher Fließbandarbeit Unfälle produziert haben. Keine langweiligen Auffahrunfälle, sondern richtig ordentliche Super-Crash-Unfälle mit vielen Explosionen und viel Blut“.

Das habe sie zwar nicht unbedingt mit Stolz erfüllt, aber auch nicht in besondere Alarmbereitschaft versetzt. Im Gegenteil. „Ich glaube, mein Vater entdeckte meine besonderen künstlerischen und intellektuellen Talente just in dem Moment, als ich vor ihm stand, mit einem Playmobil-Hai in der Hand, dem ich Schwanzflosse abgesägt und die Schnittfläche mit roter Kreide eingeschmiert habe“.

Mit 16 Jahren hat Verena Bisle die Jugendtheatergruppe des TVA übernommen. Zunächst übte sie mit Jugendlichen Sketche und kleine Szenen ein, hatte aber bald Lust auf ein größeres Stück, verteilte Zettel an Schulen, rekrutierte 15 Jugendliche und inszenierte 2009 „Die Räuber“ und 2011 das vielbeachtete Stück „Nur für Erwachsene“. Ein anspruchsvolles Drei-Stunden-Stück, das sie aus George F. Walkers „Suburban Motel“ zusammengeschrieben hat, ein skurriles Typen-Panorama. „Inszenierung, Regie, Bühnenbild – das zu koordinieren war sehr viel Arbeit“, sagt sie. „Und ich glaube, die Darsteller haben mich zwischendrin gehasst“.

Ein Lächeln. Und dann: „Ich war sehr beeindruckt und überrascht, was man aus den Leuten rausholen konnte“.

Lust auf Neues

Sie hätte Lust darauf, so etwas noch einmal zu machen. Aber Studium und Praktika lassen ihr keine Zeit: Strenge Abgabetermine, Wochenend-Seminare, eine Hospitanz am Stuttgarter Staatstheater: „Spannend den Probenprozess zu verfolgen, auch wenn ich selbst wenig machen kann“.

Vergangenen Sommer hat Verena Bisle als Szenenbild-Assistentin am Set-Aufbau für einen Werbefilm gearbeitet, der an der Ludwigsburger Filmakademie entstanden ist. Die Begeisterung für diese Arbeit hört man in ihrer Stimme: „Wir haben bis spät abends und auch an den Wochenenden durchgearbeitet“.

Das Räumliche begeistert sie, die Imitation der Realität. Für ihre Bewerbungsmappe hat sie damals ein Bühnenmodell entwickelt, mit Szenenabfolge, Kostümen und Zeichnungen – und genau das fasziniert sie: Das Schöpferische, Kreative und die Freiheit, die den Regisseur, den Dramaturg und eben den Ausstatter auszeichnen. Den Schauspieler dagegen weniger – Gründe für ihre Entscheidung, hinter und nicht auf der Bühne zu arbeiten.

Eng verknüpft mit ihrer Arbeit sind Verena Bisles künstlerischen Interessen. Sie malt und zeichnet: „Da bin ich frei, kann meine Einstellung und meine Gefühle zum Ausdruck bringen. Die einzige Grenze ist meine eigene Kreativität“. Und sie hat von klein auf Geschichten geschrieben. „Hinter jeder meiner Arbeiten steht ein Text, eine Geschichte, ein Gefühl. Manchmal auch eine eigene kleine Welt, die ich mir erschaffe“.