Hochschule Unterstützung für soziale Unternehmen auf dem Land

Ein Dorfladen wie der in Aufhausen ist ein klassisches Beispiel für soziales Unternehmertum auf dem Land, wo es vielerorts große Probleme bei der Nahversorgung gibt.
Ein Dorfladen wie der in Aufhausen ist ein klassisches Beispiel für soziales Unternehmertum auf dem Land, wo es vielerorts große Probleme bei der Nahversorgung gibt. © Foto: Markus Sontheimer
Geislingen / Udo Renner 17.01.2019

Mit unterschiedlichen Instrumenten stärkt ein neues, von der EU gefördertes Projekt das soziale Unternehmertum im ländlichen Raum. Einer der internationalen Projektträger ist die Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen (HfWU).

Die ländlichen Gebiete in vielen Ländern sind mit den gleichen aktuellen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Herausforderungen konfrontiert. Dazu gehören ein sich verschärfender Wettbewerb und zurückgehende lokale Dienstleistungen. Daher ist es notwendig, neue Instrumente für die ländlichen Gemeinschaften zu finden, mit denen sie ihre Zukunft gestalten können. Ein nun gestartetes Projekt entwickelt vor diesem Hintergrund Lernmaterial, Beratungsangebote und ein Netzwerk zum Informationsaustausch. Mit dabei ist die HfWU.

Ziel des von der EU finanzierten Projekts „Village Social Enterprise learning material, guidance and networking“ (ViSEnet) ist es, die Entwicklung von Sozialunternehmen im ländlichen Raum zu stärken. Ausgangspunkt des Ganzen: In ländlichen Gemeinden gibt es viel lokales Potenzial, eingebettetes Wissen und Können, um die lokale Leistungserbringung und Beschäftigung zu verbessern. Aber die Menschen kennen dies in der Regel nicht oder wissen nicht, wie sie dieses Know-how voll ausschöpfen können.

Eine mögliche Lösung, um dem Bedarf gerecht zu werden, ist die Entwicklung eines lokal verankerten Sozialunternehmens. Social Entrepreneurship (SE) kann definiert werden als Unternehmertum, das ein starkes soziales Ziel hat, bei dem die Gewinne wieder in die lokale Gemeinschaft investiert werden. Ein typisches Beispiel hierfür sind die genossenschaftlich organisierten Dorfläden, die zum einen helfen, die Nahversorgung in ländlichen Gebieten zu verbessern, zum anderen dort auch Arbeitsplätze schaffen. Handwerk, Pflege, Dienstleistungen, Tourismus, Landwirtschaft: Das Feld für Sozialunternehmen auf dem Land mit innovativen Ideen ist weit.

Das Konzept ist in der ländlichen Entwicklung in weiten Teilen Europas relativ neu. Aus diesem Grund ist es aus Sicht der Projektträger notwendig, die Fähigkeit der lokalen Bevölkerung zu verbessern, das besondere Potenzial und die Bedürfnisse der jeweiligen Kommunen besser zu nutzen. Dies kann geschehen, indem die Menschen ihr Wissen und ihre Fähigkeiten in Bezug auf die Aktivierung der Gemeinschaft, Partnerschaften und Netzwerke, unternehmerisches Denken und des sozialen Unternehmertums in den Gemeinden erweitern.

Das Projekt richtet sich an Personen, die an der Entwicklung und Erhaltung ihrer ländlichen Gemeinden interessiert sind, die bereit sind, sozial engagierte Lösungen zur Unterstützung ihrer ländlichen Gebiete in Betracht zu ziehen und an Personen, die bereits eine Idee für Sozialunternehmen in ländlichen Gebieten haben. Angesprochen sind zudem Menschen, die bereits in solchen Unternehmen tätig sind, aber neue Fähigkeiten, Kenntnisse und Erfahrungen erwerben möchten, um sie bei ihrem Vorhaben zu unterstützen. Fast 300 Teilnehmer werden an den diversen Aktionen des Projekts teilnehmen.

Im Rahmen der Initiative sollen Open-Access-Lernmaterial, ein internationales Netzwerk ländlicher Sozialunternehmen und ein praktischer Leitfaden für gute Praktiken zur Unterstützung der Entwicklung von Social Entrepreneurship in ländlichen Gebieten entstehen. Die Ergebnisse und Materialien werden allen, die sich für Social Entrepreneurship und kommunale Entwicklung interessieren, online zur Verfügung gestellt.

Außer der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt beteiligen sich die Estonian University of Life Sciences (EMU) in Estland, die Bucharest University of Economic Studies (ASE) in Rumänien, die schottische Organisation Inspiralba und die Universität Helsinki an dem Projekt. Ansprechpartner an der HfWU sind Prof. Dr. Roman Lenz und Dr. Ellen Fetzer.

Das Projekt hat im Dezember begonnen und läuft noch bis Juni 2021. Es wird von der EU im Rahmen des Programms Erasmus+ finanziert.

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