Geislingen Schüler begeistert Unterricht auf der Obstwiese

Randvolle Kisten und Eimer sind die Belohnung für den Einsatz, den Schüler auf der MiGy-Schulwiese gezeigt haben. Das geerntete Obst und Gemüse haben die Mädels und Jungs an die Mensa weitergegeben. So kommen auch ihre Mitschüler und Lehrer in den Genuss.
Randvolle Kisten und Eimer sind die Belohnung für den Einsatz, den Schüler auf der MiGy-Schulwiese gezeigt haben. Das geerntete Obst und Gemüse haben die Mädels und Jungs an die Mensa weitergegeben. So kommen auch ihre Mitschüler und Lehrer in den Genuss. © Foto: Anette Bihl
Geislingen / Anette Bihl 05.11.2018
Die Teilnehmer der Schulwiesen-AG des Geislinger Michelberg-Gymnasiums haben eine halbe Tonne Äpfel gesammelt. Sie haben viel gelernt und kleine Niederlagen verkraftet.

Unterricht muss nicht immer im geschlossenen Raum stattfinden: Wie jedes Jahr war wieder eine große Gruppe von Schülern des Geislinger Michelberg-Gymnasiums im Rahmen der Schulwiesen-AG zum Ernten draußen. Mit Begeisterung und Einsatz all ihrer Kräfte bekamen die Mädels und Jungs einen reichen Ertrag von Obst und Gemüse zusammen. Weit mehr als eine halbe Tonne Äpfel – und das, obwohl einige Bäume auf der Schulwiese offenbar mutwillig beschädigt und auch Äpfel gestohlen worden waren.

Die jungen Obstbauern lernten dabei auch viele zum Teil alte Obstsorten kennen, die sie im Supermarkt nicht finden: die Top-Sorten „Kaiser Wilhelm“, „Alkmene“, „Topaz“ und „Berlepsch“. Letzterer ist besonders gesund, da er mit rund 24 Milligramm Vitamin C je 100 Gramm zu den zehn Apfelsorten mit den höchsten Anteilen an Vitamin C zählt. Beim Pflücken wanderte so manche Kostprobe in den Mund der kleinen Erntehelfer, die das edle Aroma bestätigten: „Unsere Äpfel schmecken einfach herrlich saftig und fruchtig“, waren sich die Kinder einig.

Hauptsächlich wurde das Obst zu Apfelsaft verarbeitet. Außerdem wurden 30 Kilogramm der leckeren Äpfel, 20 Kilo Mirabellen und sieben Kilo Zwetschgen an die Mensa der Schule geliefert, in der dann köstliches Mus serviert wurde. Ein Plakat verwies dort eine Zeit lang auch auf die Kräuterlieferung: Schnittlauch, Petersilie, Basilikum, Thymian, Salbei, Rucola und mehrere Minzsorten von der Schulwiese verfeinerten den Speiseplan, alles in Bio-Qualität.

Voller Freude präsentierten die Teilnehmer der AG den neuen Fünftklässlern ihre Schulwiese. Die Neulinge staunten nicht schlecht, dass in einem Hochbeet neben vielerlei Kräutern auch Gurken angebaut werden. Besonders stolz waren die Hobbygärtner darauf, ihren neuen Mitschülern zwei prächtige Exemplare aus der Melonenzucht zu präsentieren.

Qualität der Äpfel beurteilen

Auch andere Klassenstufen wurden im Rahmen des Biologie- und BNT-Unterrichts (Biologie, Naturphänomene und Technik) praktisch in der Natur tätig. Sie klaubten Äpfel auf und beim Sortieren lernten sie, dass die einwandfreien Früchte für Saft und Kuchen geeignet waren und die angeschlagenen noch zur Kompostierung und Vererdung gebraucht werden konnten, denn die Natur ist eine optimale Recyclingfabrik. In der neunten Klasse wird im NWT-Unterricht (Naturwissenschaft und Technik) Lehre außerhalb des Klassenzimmers auf vier kleinen Feldern praktiziert. Angebaut wurden dieses Jahr Kartoffeln, Erbsen, Mais und Gründüngung, um den Boden wieder zu regenerieren.

MiGy-Schulleiter Heiner Sämann beteiligte sich und erntete mit Ganztagesschülern mindestens 40 Kilogramm feinste Tafeläpfel, um damit die Mensa zu beliefern. Schüler und Lehrer freuen sich über den Apfelsaft, der daraus gewonnen wird.

Den Schülern und Besuchern der Schulwiese wurde deutlich, dass für eine gute Ernte ganz schön viel Arbeit nötig ist. Auch eine kleine Niederlage mussten die Hobbygärtner einstecken: Maulwurfsgrillen hatten die liebevoll gehegten Kartoffeln nahezu komplett verspeist.

Die Schulwiesen-AG hält auch ein Bienenvolk, das schmackhaften und bei Lehrern sowie Eltern beliebten Honig liefert. So ermöglicht das Klassenzimmer im Freien auf vielfältige Weise interessanten und ertragreichen Unterricht. Reiche Ernte, Erfolg bei den Schülern und Begeisterung bei den vielen freiwilligen Helfern bestätigen die Verantwortlichen darin, mit diesem alternativen Lehr-Konzept auf dem richtigen Weg zu sein.

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