Kulturherbst Trio spielt Werke aus zweieinhalb Jahrhunderten

Boten eine Mixtur aus Barockmusik, Ballett, Oper und Jazz und Pop: die Musiker des Trio Glissando Stuttgart.
Boten eine Mixtur aus Barockmusik, Ballett, Oper und Jazz und Pop: die Musiker des Trio Glissando Stuttgart. © Foto: Markus Sontheimer
Geislingen / Ulrich Schlecht 06.10.2018

Eingebettet in den „Geislinger Kulturherbst“ durfte die Veranstaltung des Geislinger Kulturvereins am Donnerstagabend einigen Abstand wahren zu den sonst üblichen Konzertdarbietungen. Dazu war das „Trio Glissando Stuttgart“, welches in der ungewöhnlichen Zusammenstellung von Harfe, Posaune und Horn musizierte, ins WMF-Kommunikationszentrum eingeladen worden. Weil es dafür keine Originalkompositionen gibt, musste das Trio zu Bearbeitungen greifen, die Werke aus zweieinhalb Jahrhunderten in der entsprechenden Vielfalt an Stilarten boten. Diese abwechslungsreiche Mixtur aus Barockmusik, Ballett und Oper, Jazz und Pop wurde von Emilie Jaulmes (Harfe), Michael Nassauer (Horn) und Matthias Nassauer (Posaune) mit Können und großer Spiellaune vorgetragen, was denn auch im gut besetzten Saal großen Anklang fand.

Einer als Ouvertüre dienenden Telemann-Sonate mit schönen Echowirkungen der Bläser folgte der Blumenwalzer aus Peter Tschaikowskys „Nussknacker“-Ballett. Die Zuordnung zu den drei Instrumenten erwies sich als gelungen, und in bester Übereinstimmung sorgten die Ausführenden für ein beschwingtes Walzer-Feeling. In schroffem Gegensatz dazu wurde Astor Piazzollas Tango „Oblivion“ – das bedeutet Vergessenheit – zu einem melancholischen Lied, bei dem sich mit einiger Fantasie das Horn als das dem Tango affine Bandoneon vorstellen ließ. Und in einer Suite aus Gershwin-Melodien spielte der Posaunist dem Ensemble-Namen entsprechend Glissandi, wozu als Pendant an der Harfe perlende Arpeggien rauschen durften.

Der Flötist François Borne schrieb über drei beliebte Arien aus Georges Bizets Oper „Carmen“ eine Fantasie, die das Trio Glissando für sich adaptiert hatte. Wenn auch der Hornist hier gelegentlich an seine Grenzen gebracht wurde, ergab sich gleichwohl eine stimmige Mischung aus dramatischen und leichtlebigen Momenten, die so charakteristisch ist für dieses Drama.

Elfengleich und ganz undramatisch ging es zu bei der einzigen Originalkomposition, dem „Tanz der Elfen“ des belgischen Harfenisten Félix Godefroid. Emilie Jaulmes vermochte mit ihrem Saitenspiel die Stimmung einer lauen Sommernacht zu erzeugen, in der ätherische Wesen mit großer Anmut sich ihrem Tanz hingeben konnten. Und wiederum folgte unmittelbar ein Gegensatz in Form eines Schweizer Volks­liedes, von Michael Nassauer mit dem gravitätischen Alphorn gekonnt und mit großem Atem geblasen.

Ohrwurm-Melodien wie „Mein kleiner grüner Kaktus“ verrieten die Quelle eines Medleys, nämlich die in den Dreißigerjahren sehr erfolgreichen und heute noch beliebten Comedian Harmonists, denen mit Schwung und merkbarer Spielfreude eine stimmige Wiedergabe zuteil wurde. Nicht ganz so gelungen war die Bearbeitung des Beatles-Songs „Hey Jude“, denn die Massivität der Blechblasinstrumente gab der ruhig-sentimentalen Melodie eine etwas bräsige Note.

Mit der Tondichtung „Die Moldau“ aus Bedřich Smetanas Zyklus „Mein Vaterland“ bildete ein Stück den Abschluss, das für die drei Instrumente bestens geeignet war. Wie da zunächst die Quellwasser aus der Harfe sprudelten und nach dem Hinzutreten der Bläser ein Wasserfall oder am Ufer aufragende prächtige Burgen oder ein derber Bauerntanz imaginiert wurden, ließ keinerlei Zweifel an der Berechtigung dieser Bearbeitung aufkommen. Zwischendurch hatte Matthias Nassauer immer wieder die Posaune weggelegt und als informativer Moderator fungiert; und als Dank für den Beifall ließ er sich noch als Sänger mit einer Schlager-Zugabe hören. Die Zuhörer zeigten sich auch darüber enthusiasmiert.

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