Kreis Göppingen Polizei erklärt, wie man sich gegen Betrüger schützt

Am Telefon geben sich Betrüger häufig als Polizisten aus.
Am Telefon geben sich Betrüger häufig als Polizisten aus. © Foto: dpa
Kreis Göppingen / Claudia Burst 17.01.2019
Trickbetrügereien gibt es am Telefon, an der Haustür oder am Computer.  Die Polizei rät, sich nicht unter Druck setzen zu lassen.

Zuerst die gute Nachricht: „Weit mehr als 90 Prozent der Versuche, Bürger am Telefon auszutricksen, misslingen.“ Das sagt Wolfgang Jürgens, Pressesprecher des Polizeipräsidiums in Ulm. Allerdings schränkt er ein: „Wenn es doch funktioniert, fehlen oft Schmuck und Geld im Wert von Tausenden von Euro.“

Telefonbetrug ist die häufigste Art der diversen Trickbetrügereien, mit denen arglose  Bürger nicht nur verunsichert werden, sondern immer wieder auch ausgenommen. „Das ist perfide, weil die Anrufer das Vertrauen der Bevölkerung in die Polizei ausnutzen“, beklagt Wolfgang Jürgens.

Polizei bewahrt keine Wertsachen auf

Bei Trickbetrügereien am Telefon geben sich die Verbrecher oftmals als falsche Polizeibeamte aus. „Dem Angerufenen wird weiß gemacht, sein Haus oder seine Wohnung stünde auf einer sichergestellten Liste von Einbrechern. Um sein Hab und Gut zu schützen, solle er dieses einem Polizeibeamten übergeben, der dafür vorbeikäme“, erzählt Jürgens. Der Polizeisprecher dagegen betont: „Wir bewahren nie Wertsachen auf!“

Ähnlich funktioniere der Enkel-Trick, bei dem behauptet wird, ein Enkel oder Verwandter befinde sich in einer Notsituation und benötige dringend Geld, um „gerettet“ zu werden.  „Oder es rufen falsche Staatsanwälte und Richter an und drohen mit Gefängnis wegen angeblicher Verfehlungen – es sei denn, der Anrufer zahlt sofort.“ Kurz darauf komme dann ein Geldbote vorbei, der den geforderten Betrag abholt. Eine Alternative des Tricks: Es wird eine Zahlung an einen Dienstleister für Bargeld-Transfers verlangt, beispielsweise Western Union.

Es wird ein einfacher, leichter Fluchtweg angeboten

In allen Fällen ist die Grundsituation dieselbe, sagt Jürgens: „Menschen werden unter Druck gesetzt und ihnen wird ein einziger, einfacher Ausweg angeboten.“ In allen Fällen ist auch die richtige Vorgehensweise dieselbe: „Nicht eingehen auf die Forderungen, auflegen, Polizei anrufen.“

Jürgens hat noch einen weiteren Tipp: „Vorsicht mit persönlichen Daten.“ Das soll heißen, dass der Vorname nicht ins Telefonbuch gehört, weil daraus oft Rückschlüsse aufs Alter gezogen werden. „Auch die Adresse muss nicht im Telefonbuch stehen. Denn wenn ein Anrufer persönliche Daten ins Gespräch einfließen lässt, schafft das Vertrauen.“

Sich sofort an die Polizei zu wenden sei auch die richtige Vorgehensweise bei Betrügereien an der Haustür. Dabei klingelt jemand an der Tür und gibt vor, für eine gemeinnützige Organisation zu sammeln. „Da gab es auch schon falsche Heilige Drei Könige“, sagt Jürgens. In kleinen Gemeinden käme das selten vor, weil die Leute sich gegenseitig kennen. „Aber grundsätzlich müssen autorisierte Sammler ein Schreiben dabei haben, das ihre Gemeinnützigkeit bestätigt.“ Die Polizei empfiehlt, sich diese Sammler-Erlaubnis  zeigen zu lassen. Haustürkriminalität komme momentan jedoch seltener vor, sagt der Polizeisprecher.

Vorsicht vor E-Mails

Was es dagegen immer häufiger gibt, sind Viren oder Trojaner auf dem PC.  Bei einem Virus erscheint die Nachricht „Ihr PC wurde gesperrt“ auf dem Bildschirm und es wird ein Weg angeboten, wie man sich „freikaufen“ kann, damit der Computer wieder freigeschaltet wird. „Oder es gibt den berüchtigten Trojaner mit einer angeblichen Meldung aus dem Bundeskriminalamt, dass man irgendwelche verwerflichen Seiten besucht hat und deshalb gesperrt wurde“, berichtet Jürgens. Sehr oft erhalten PC-Nutzer neuerdings erpresserische E-Mails, in denen ihnen mitgeteilt wird, dass die Web-Kamera gehackt und kompromittierende oder peinliche Videos gemacht wurden (wir berichteten).

Auch hier gilt, sich sofort an die Polizei zu wenden. „Für uns ist das eine Straftat, der wir nachgehen“, sagt Wolfgang Jürgens. „Wenn wir viele Fälle verfolgen können, dann können wir vielleicht aus vielen kleinen Mosaiksteinchen das Bild des oder der Täter formen und ihnen so auf die Schliche kommen.“

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