Geislingen Trendwende bei Schülerzahlen

Die Schülerzahlen an den Geislinger Grundschulen sind wieder ordentlich gestiegen – und tun es noch weiterhin. Das sorgt für eine stabile Entwicklung auch bei den weiterführenden Schulen.
Die Schülerzahlen an den Geislinger Grundschulen sind wieder ordentlich gestiegen – und tun es noch weiterhin. Das sorgt für eine stabile Entwicklung auch bei den weiterführenden Schulen. © Foto: dpa
Geislingen / Jochen Weis 14.02.2018
Bekenntnis zu den Schulen: Die Schülerzahlen in Geislingen ziehen wieder an – und werden auch mittelfristig steigen.

Knapp 28 Millionen Euro hat die Stadt Geislingen in den vergangenen fünf Jahren in ihre Schulen investiert, weitere zwei Millionen Euro kommen im laufenden Jahr dazu. „Man kann also getrost sagen, dass uns unsere Schulen lieb und teuer sind“, sagt Oberbürgermeister Frank Dehmer – und das aus gutem Grund: In der jüngsten Sitzung des Verwaltungsausschusses haben Stadträte und Verwaltung ein klares Bekenntnis abgegeben, „die Vielfalt der schulischen Angebote in Geislingen weiter zu erhalten“, wie es in der Sitzungsvorlage hieß.

Maßgeblich für diesen Beschluss ist die Entwicklung der Gesamt-Schülerzahlen in der Fünftälerstadt. Nach jahrelangem Rückgang – 2008 hatte die Zahl im Vergleichszeitraum 1999 bis 2017 erstmals die 5000er-Marke unterschritten – war 2015 die Talsohle mit 4097 Schülern erreicht. Seither geht die Kurve wieder nach oben, wenngleich noch zögerlich: Im Vorjahr zählte der zuständige Fachbereich Bildung, Kultur, Jugend und Ehrenamt 4102 Schüler. Allerdings zieht die Zahl der Grundschüler seit einigen Jahren wieder an. 2014 besuchten laut dem von Sachgebietsleiterin Jonica Sperling verfassten Bericht insgesamt 815 Kinder eine der sechs Grundschulen im Geislinger Stadtgebiet, aktuell sind es 982. Die Gesamtzahl entspricht in etwa dem Stand des Schuljahres 2009/2010.

Ein schon jetzt messbarer Effekt dieser Entwicklung: Nachdem in den vergangenen Jahren an der Eybacher Grundschule die Erst- und Zweitklässler wegen zu geringer Schülerzahlen in einer Klasse zusammen gelegt wurden, gibt es dort nun wieder eine separate erste Klasse.

Zudem wirkt sich der im Vorjahr gefasste Beschluss des Gemeinderats aus, das Einzugsgebiet der von Platznot geplagten Gemeinschaftsschule am Tegelberg zu verkleinern, wodurch die dortige Grundschule nur noch zweizügig, sprich: mit weniger Schülern belegt wird. „Alle anderen Grundschulen haben daher an Schülern gewonnen“, konstatiert Sperling.

Unterm Strich spiegelt der Anstieg der Schülerzahlen im Grundschulbereich einen Trend wider, der die Stadt im Vorjahr schon bei den Kindergartenplätzen zum Handeln gezwungen hat: Zum einen steigt die Zahl der Zuzüge, zum anderen die Zahl der Geburten. Weshalb auch die Verwaltung davon ausgeht, dass sich die Schülerzahlen kurzfristig auf dem bestehenden Niveau einpendeln und mittelfristig wieder steigen. Dabei ist auch die Entwicklung der Umlandgemeinden berücksichtigt, aus denen Kinder die weiterführenden Schulen in Geislingen besuchen, der Gesamtanteil beträgt derzeit 35 Prozent.

Konträr ist indes der Entwicklungsverlauf an den beiden Geislinger Realschulen: Während die Schubart-Realschule erstmals seit 2008 wieder die 100er-Marke bei den Fünftklässlern geknackt hat – zuletzt stieg die Zahl von 80 auf 100 – musste die bislang stets stärker nachgefragte Daniel-Straub-Realschule im Vorjahresvergleich einen Rückgang von 87 auf 56 hinnehmen. Maßgeblich dafür ist, dass inzwischen viele Schüler aus Böhmenkirch die Realschule in Steinheim besuchen. Die gelangen dank einer eigens eingerichteten Buslinie dorthin.

An beiden Realschulen ist der Anteil auswärtiger Schüler ähnlich hoch. Von den 547 Schülern der Daniel-Straub-­Realschule kommen 243 aus den Umland-Kommunen (44,4 Prozent) – davon allein 82 aus Böhmenkirch –, bei der Schubart-Realschule sind es 211 von 504 (41,8 Prozent). Allerdings beschränkt sich dieser Anteil fast ausschließlich auf die drei Gemeinden Kuchen, Bad Überkingen und Gingen.

Auch wenn sich der Trend an der Straub-Realschule laut Sperling fortsetzen wird: Grund zur Sorge besteht nach ihren Worten dennoch nicht. Durch den Rückgang ergibt sich „nun endlich eine Entspannung der räumlichen Situation und die Schule hat kaum noch Wanderklassen“, konstatiert die Sachgebietsleiterin.

Bei den Gymnasien zeigt sich indes seit fünf Jahren „eine deutliche Stabilität ohne allzu große Schwankungsbreite“. Die Zahl der Fünftklässler am Helfenstein-­Gymnasium lag zuletzt bei 103 und bewegt sich seit Jahren weitgehend in einem Korridor von 100 bis 120. Das Michelberg-Gymnasium zählte zu Schuljahresbeginn 78 Neue, dort lagen die Werte in den Vorjahren im Bereich 70 bis 90. Aktuell besuchen 758 Schüler das HeGy und 589 das MiGy davon kommen 426 respektive 410 aus den Umlandgemeinden.

Auffällig bei den Geislinger Gymnasien ist die Übergangsquote von den Grundschulen: Die lag in der Fünftälerstadt im Vorjahr bei 30 Prozent (und auch davor ständig in diesem Bereich). Allerdings liegt Geislingen damit deutlich unterm Landesdurchschnitt (44 Prozent). Was nach Ansicht von Stadtrat Thomas Reiff jedoch der Bevölkerungsstruktur der Stadt geschuldet ist. Dort beträgt der Migrantenanteil knapp 33 Prozent, im Land sind es knapp 17 Prozent. Der Anteil an Gymnasiasten aus diesen Familien ist – statistisch erfasst – nach wie vor noch deutlich geringer als bei Familien mit deutschen Wurzeln.

Diese Verwerfung wird in Geislingen bei den anderen Schularten offenbar: Die Realschulen (43 Prozent) und Werkrealschulen (14,5 Prozent) liegen bei den Übergangsquoten deutlich über dem Landesdurchschnitt (34 und 6 Prozent). Die Tegelbergschule entspricht mit 13 Prozent indes exakt dem Landesmittel.

Stichwort Tegelbergschule: Dort gilt die Zwei- statt Dreizügigkeit auch für den weiterführenden Bereich. Profiteur ist die Uhlandschule: Für das laufende Schuljahr hatte es 26 Anmeldungen und damit – nach dem Aus im Vorjahr – wieder eine fünfte Klasse gegeben. Sperling geht davon aus, dass dies auch in den kommenden Jahren der Fall sein wird und damit der Bestand der Werkrealschule gesichert ist.

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